MicroRNA: Ein zuverlässiger Biomarker zur Früherkennung von Lungenkrebs?

Niedrigdosis-CT zur Früherkennung von Lungenkrebs ist teuer und aufwändig. Die Kombination mit dem Nachweis von MicroRNAs könnte die Früherkennung in vieler Beziehung verbessern (Bericht vom ESMO-Kongress, München, 22.10.2018).

RNA

Lungenkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Krebserkrankungen weltweit und ist in späten Stadien trotz therapeutischer Fortschritte mit einer schlechten Prognose verbunden. In frühen Stadien besteht eine weit bessere Prognose. Da Lungenkrebs lange symptomfrei bleibt, wird er häufig leider auch sehr spät diagnostiziert. Daher sind zuverlässige und praktikable Screening-Methoden zur Früherkennung der Krankheit gesucht.

Niedrigdosis-CT zu aufwändig

Laut der Nelson Untersuchung kann die Niedrigdosis-CT (LDCT) zur Früherkennung von Lungenkrebs dazu beigetragen, die Mortalität an dieser Tumorerkrankung um 26% zu senken. Diese Art der Früherkennung produziert jedoch im ersten Durchgang viele falsch-positive Ergebnisse, ist aufwändig und kostenintensiv. Ein Vorscreening mit einem zuverlässigen Biomarker im Blut könnte zu viele falsch-positive Resultate verhindern, so erheblich zu einer Kostenreduktion beitragen und eine unnötige psychische Belastung von Patienten durch einen falsch-positiven Befund der LDCT vermeiden.

Dr. Gabriela Sozzi von der Fondazione IRCCS Istituto Nazionale dei Tumori di Milano hat die Eignung von MicroRNA als Biomarker zur Früherkennung von Patienten mit Lungenkrebs in mehreren Studien untersucht und stellte ihre Ergebnisse in einem Vortrag auf dem ESMO Kongress 2018 in München vor.

Vorteile von MicroRNA

MicroRNAS (miRNA) sind gewebespezifische, kleine, nicht kodierende RNAs. Sie regulieren die Genexpression und können als extrazelluläre Botenstoffe agieren und der Kommunikation zwischen der Tumorzelle und ihrem Mikroumfeld dienen. Die MicroRNAs werden sowohl aktiv als auch passiv von den Tumorzellen ins Blut abgegeben. „Sie eignen sich sehr gut als Biomarker, weil sie sehr stabil in Blut und Serum sind und lange intakt bleiben. Sie sind darüber hinaus mit üblicher Standard-Technologie (RT-qPCR) leicht zu detektieren.“, erläutert Sozzi die Vorteile der miRNAs.

Vorhersagewert von miRNA

Studien zeigen, dass spezifische miRNAs Signaturen in Geweben und im Plasma die Entwicklung und die Prognose von Lungenkrebs vorhersagen können. Der klinische Nutzen von miRNA-Signaturen zur Diagnostik und Früherkennung konnte in der retrospektiven MILD Untersuchung gezeigt werden [2]. In der MILD Screening Untersuchung wurde eine Sensitivität von 87% bei einer Spezifität von 81% eines 24 plasma-based microRNA signature classifier (MSC) festgestellt. Die Falsch-Positiv-Rate der LDCT könnte dadurch um 80% reduziert werden

Die BIOMILD Screenining Untersuchung

Die prospektive derzeit noch laufende BIOMILD Studie [3] wird zur Überprüfung der Ergebnisse der MILD Studie durchgeführt. Rund 4000 Raucher im Alter von 50 Jahren und älter und mit 30 oder mehr Packungsjahren (ein Packungsjahr = pro Tag gerauchte Zigarettenpackungen x Anzahl der Raucherjahre) werden darin prospektiv begleitet. Insgesamt nehmen 2499 Männer und 1615 Frauen teil. Aktiv rauchen zum Zeitpunkt der Studie noch 3258 Teilnehmer, das Rauchen aufgegeben haben 856. Es wurden bislang insgesamt 8000 LDCTs und 9168 miRNA Test durchgeführt. Mithilfe von MSC und LDCTs wurden die Teilnehmer in eine Gruppe mit niedrigem Risiko, eine Intermediärgruppe und eine Hochrisikogruppe aufgeteilt.

Erste Ergebnisse von BIOMILD

Bei den Baseline MSC Untersuchungen wurden 164 Teilnehmer (4%) der Hochrisikogruppe, 902 Teilnehmer (23%) der Intermediärgruppe und 2866 Teilnehmer (73%) der Niedrigrisikogruppe zugeordnet. Diese Zuordnung ist mit kleinen Abweichung auch den Verhältnissen in der retrospektiven MILD-Studie sehr ähnlich. Die genetischen Profile der durch das Screening entdeckten Tumore entsprechen denen der klinischen Tumore. Der Mutationsstatus steht alleine und in Kombination mit den MSC Ergebnissen mit der Prognose des Patienten in Zusammenhang. Ein MSC Hochrisikoprofil korreliert mit einem „kalten“ Immunophänotyp, das heißt, MSC-positive Probanden spiegeln ein immunsuppressives Mikroumfeld des Tumors wider. Zwischen einem positiven MSC Profil und den Leukozytenzahlen besteht auch eine Korrelation. Sozzi ist sehr zuversichtlich, dass mithilfe des MSC ein zuverlässiges Instrument nicht nur zur Früherkennung sondern auch zum Monitoring von Lungenkrebs entwickelt wurde. Endgültige Ergebnisse der Studie sind für 2021 anvisiert.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 24.10.2018

Quelle:

1. Dr. Gabriela Sozzi: „Circulating microRNA biomarkers for early detection of lung cancer“ ESMO-Kongress, München, 22.10 2018

2. Sozzi et al (2014) Clinical utility of a plasma-based miRNA signature classifier within computed tomography lung cancer screening: a correlative MILD trial study. J Clin Oncol. 2014 Mar 10;32(8):768-73. doi: 10.1200/JCO.2013.50.4357. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4876348/

3.  BIOMILD: Plasma microRNA Profiling as First Line Screening Test for Lung Cancer Detection: a Prospective Study (BIOMILD) https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02247453

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