Multimodale Therapie leptomeningealer Metastasen

Die Überlebenszeit bei leptomenigealen Metastasen ist kurz. Eine Leitlinie, die auf dem ESMO 2018 präsentiert wurde, liefert eine Orientierungshilfe bei Diagnose und Therapie.

MRT-Bilder Gehirn

Leptomeningeale Metastasen (LM) stammen von soliden Tumoren ab und sind in den Leptomeningen und dem Subarachnoidalraum lokalisiert. Synonym wird auch von einer neoplastischen Meningitis gesprochen. Etwa 10 % der Patienten mit soliden Tumoren entwickeln LM.

Die mediane Überlebenszeit bei LM beträgt 2 - 3 Monate. Die 1-Jahr-Überlebensrate liegt bei <10%. „Das erklärte Therapieziel ist die Überlebenszeit der Patienten bei einer akzeptablen Lebensqualität zu verlängern und belastende neurologische Erscheinungen zu verhindern oder zumindest zu verzögern.“, sagte Dr. Emilie Le Rhun, Senior Neuro-Onkologin in der Abteilung Neurochirurgie des Universitätskrankenhauses Lille und des Krebszentrums Oscar Lambret in ihrem Vortrag auf dem ESMO-Kongress 2018 in München [1].

Leitlinie zu leptomeningealen Metastasen

Le Rhun räumte ein, dass es bislang nur wenige prospektive klinische Studien zur Therapie der LM gibt. Die Evidenzlage ist daher eher dünn. Dennoch haben sich Mitglieder der European Association of Neuro-Oncology (EANO) und der European Society for Medical Oncology (ESMO) zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen und eine praktische Leitlinie für die Diagnose, die Behandlung und das Follow-up bei leptomeningealen Metastasen erstellt und 2017 veröffentlicht [2].

Kernpunkte der Leitlinie

Le Rhun stellte in Ihrem Vortrag die Kernpunkte der Leitlinie vor.

Diagnose der LM

Zu den Symptomen bei LM je nach Lokalisation der Läsionen zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Nausea und Vomitus
  • Mentale Veränderungen
  • Auffälliger Gang
  • Sensomotorische Störungen
  • Hirnnervenparesen mit entsprechenden Ausfallserscheinungen (z. B.  Doppelsehen, Schwerhörigkeit)
  • Radikuläre Symptome (z. B. Schwäche, Blasenentleerungsstörungen, ausstrahlende Schmerzen von Nacken und/oder Rücken).

Zur weiteren Aufarbeitung gehören bei Verdacht auf LM:

  • Neurologische Untersuchung
  • Liquoruntersuchung
  • Cerebrospinale MRT.

Typen und Subtypen nach EANO-ESMO

Besteht ein positiver Liquorbefund werden die LM dem Typ I zugeordnet. Lassen sich bei positivem klinischen und MRT-Befund keine Tumorzellen im Liquor nachweisen, zählt man die LM zum Typ II.

Nach den MRT-Bildern können nach den EANO-ESMO-Leitlinien folgende Subtypen unterschieden werden:

  • Typ A weist typische lineare Abnormalitäten auf.
  • Typ B zeigt nur noduläre Läsionen.
  • Typ C weist sowohl lineare als auch noduläre Veränderungen auf.
  • Typ D zeigt, außer in einigen Fällen einen Hydrocephalus, keine Veränderungen im MRT.

Die EANO-ESMO-Arbeitsgruppe verbindet den Liquortyp I oder II mit den MRT-Subtypen zu insgesamt 8 Untertypen von LM.

Therapieoptionen

Die Therapieoptionen bei LM umfassen intrathekale Chemotherapie, systemische Pharmakotherapie, Strahlentherapie und unterstützende Therapie. Die Indikationen für die verschiedenen Therapieoptionen einzeln oder in Kombination richten sich danach, welchem Untertyp die LM angehören und nach weiteren patientenspezifischen Kriterien, wie:

  • Allgemeiner Gesundheitsstatus
  • Neurologischer Gesundheitsstatus
  • Liquorbefunde
  • Befunde der neurologischen Bildgebung
  • Abwesenheit oder Präsenz von soliden Tumoren oder systemischen Metastasen
  • Histologischer und molekularer Status des Primärtumors
  • Vorangegangenen Behandlungen.

Die komplexen Therapieempfehlungen sind in den EANO-ESMO Leptomeningeal Metastasis Clinical Practice Guidelines einzusehen.

Fazit

Die Ergebnisse der zytologischen Untersuchung und der cerebrospinalen MRT erlauben eine Einteilung der leptomenigealen Metastasen in verschiedene Untertypen. Bei der Behandlung sind diese Untertypen zu berücksichtigen. Die relevanten Kriterien für die Einteilung der Subtypen sind ausführlich in den EANO-ESMO Leptomeningeal Metastasis Clinical Practice Guidelines beschrieben, die offen zugänglich sind [2]. Das Management der LM ist an den individuellen Patienten anzupassen und sollte alle Aspekte der Erkrankung in die Therapiestrategie miteinbeziehen.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 19.10.2018

Quelle:
  1. Dr. Emilie Le Rhun: „Multimodality treatment of leptomeningeal metastasis“ ESMO-Kongress, München, 19.10.2018
     
  2. Le Rhun et al. (2017): EANO-ESMO Leptomeningeal Metastasis Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology, DOI: 10.1093/annonc/mdx221 
     
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