Akute Bronchitis

Die akute Bronchitis ist eine häufig viral bedingte Infektion. Sie heilt auch ohne Behandlung in den meisten Fällen komplikationslos und ohne Folgeschäden aus. Besonders anfällig sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Asthma bronchiale, COPD oder anderen Vorerkrankungen.

Definition

Husten

Die akute Bronchitis ist eine Entzündung in den größeren Atemwegen, vor allem der Bronchialschleimhaut. Sie ist in den meisten Fällen Folge einer viralen Infektion, kann jedoch auch bakterieller Natur sein oder durch chemische Inhalationsnoxen verursacht werden. Das Leitsymptom ist produktiver oder unproduktiver Husten.

Epidemiologie

Husten ist gerade im Winter ein häufiges Symptom. Da die akute Bronchitis jedoch, bestimmte erregerbedingte Formen ausgenommen, in Deutschland nicht meldepflichtig ist und viele Patienten gar nicht oder erst spät medizinische Hilfe aufsuchen, gibt es keine verlässlichen Zahlen zur Inzidenz. Vermutlich werden akute Bronchitiden zusätzlich häufig überdiagnostiziert, da das Krankheitsbild nicht immer scharf abgrenzbar ist von anderen Erkrankungen.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2004 erkranken in Großbritannien jährlich 44 von 1.000 Erwachsenen an einer akuten Bronchitis. 82% der Infektionen treten in den Herbst- oder Wintermonaten auf mit einem Maximum zwischen Dezember und März. In den USA und Großbritannien ist die Erkrankung der häufigste Grund, warum Menschen einen Allgemeinmediziner oder eine medizinische Ambulanz aufsuchen, in Australien der fünfthäufigste Grund.

Ein Sonderfall ist die Bronchiolitis. Ausgelöst wird sie durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und kommt mit einer geschätzten weltweiten Inzidenz von 48,5 Fällen pro 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr vor. 5,6 dieser Fälle nehmen einen schweren Verlauf. Eine RSV-Infektion kann in jedem Alter auftreten. Bei Kindern ist sie jedoch häufig die Ursache für akute Bronchitiden.

Ursachen

Akute Bronchitiden werden in ca. 90 bis 99% der Fälle durch virale Infektionen ausgelöst. Zu den Viren zählen unter anderem Adenoviren, Rhinoviren, Coxsackieviren, Parainfluenzaviren, RSV und ECHO-Viren. In ca. 1 bis 10% der Fälle sind Bakterien die Ursache. Sie treten vorrangig bei bereits geschwächten oder kranken Patienten auf. Zu den Erregern zählen Mykoplasmen wie Mycoplasma pneumoniae, aber auch Erreger wie Haemophilus influenzae und Streptokokken, Staphylokokken und Chlamydien. Patienten mit vorbestehendem Asthma bronchiale sind meist anfälliger für viral oder bakteriell bedingte akute Bronchitiden.

Neben Viren und Bakterien können auch physikalische oder chemische Reize Bronchitiden auslösen. Zu den physikalischen Reizen gehören beispielsweise Rauchen, Schadstoffexposition oder Luftverunreinigung. Chemische Reize können körpereigen (Bradykinin, Tachykinin, Prostaglandin E2, usw.) sein oder pharmakologischer Natur.

Pathogenese

Durch eine Tröpfcheninfektion gelangen virale Erreger in die Atemwege. Dort greifen sie die Epithelzellen der Bronchialschleimhaut an, dringen in sie ein und vermehren sich dort. Dadurch werden die Flimmerhärchen der Epithelzellen in ihrer Arbeit gestört. Der natürlich entstehende Bronchialschleim kann nicht mehr vollständig abtransportiert werden und sammelt sich in den Bronchien an. Als Schutzreaktion entsteht ein Hustenreiz, der zunächst unproduktiven Husten auslöst, mit Fortschreiten der Infektion zunehmend auch produktiven Husten. Kann das Bronchialsekret nicht ausreichend abgehustet werden, werden die Atemwege zusätzlich verengt (Obstruktion).

Bakteriell bedingte Bronchitiden sind mit 1 bis 10% selten. Meist treten sie als Sekundärinfektionen, sogenannte bakterielle Superinfektionen, auf. Sie führen zusätzlich zu entzündlichen Prozessen in den Bronchien und verstärken die Symptomatik oder verursachen andere Krankheitsbildern mit zusätzlichen Symptomen. Charakteristisch ist der gelbliche bis grünliche Auswurf. Er muss jedoch nicht in jedem Fall bakteriell bedingt sein.

Die Inkubationszeit der viral bedingten akuten Bronchitis beträgt zwei bis sieben Tage. Bakterielle Bronchitiden machen sich meist etwas früher symptomatisch bemerkbar.
Nicht-infektiöse Bronchitiden entstehen, wenn Noxen physikalischer oder chemischer Natur die Bronchialschleimhaut reizen und Irritationen entstehen. Auch aspirierte Fremdkörper können eine akute Entzündung an den Bronchien auslösen. Ein seltener Sonderfall ist die Stauungsbronchitis. Sie wird ausgelöst durch eine fortgeschrittene Linksherzinsuffizienz mit Rückstau in die Lungen, wodurch entzündlich Prozesse entstehen können.

Symptome

Die akute Bronchitis beginnt häufig aber nicht immer mit einer Erkältung. Sie wird dominiert von trockenem und bellendem Husten, teilweise auch mit retrosternalen Schmerzen (hinter dem Brustbein) beim Husten. Im Verlaufe der Infektion tritt zusätzlich Auswurf (Sputum) auf. Der Auswurf ist meist weiß bis glasig und zähflüssig, kann aber auch hell gelblich erscheinen. In seltenen Fällen ist im Auswurf blutiges Sekret (Hämoptyse) enthalten. Wird er grünlich, besteht die Gefahr einer bakteriellen Superinfektion.

Auch andere Symptome einer typischen Erkältung mit Schnupfen und Halsschmerzen können auftreten. In einigen Fällen wird die Bronchitis von Kurzatmigkeit oder kurzzeitiger Atemnot (Dyspnoe) und Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Erschöpfung begleitet. Auch leichtes Fieber kann dabei auftreten. Bei hohem Fieber sollte jedoch eine beginnende Lungenentzündung (Pneumonie), Grippe (Influenza) oder eine Bronchiolitis aufgrund einer Infektion mit RSV ausgeschlossen werden. Tritt zu den klassischen Symptomen einer Bronchitis Heiserkeit auf, besteht meist zusätzlich eine Laryngitis.

Die Symptome halten für ca. zwei bis vier Wochen an und klingen in den meisten Fällen danach von selber ab. In Einzelfällen können sie auch länger bestehen. Ab einer Dauer von acht Wochen ist von einer Chronifizierung oder einer anderen Krankheitsursache auszugehen.

Diagnostik

Vorrangig für die Diagnosestellung sind die Anamnese und die präsentierte Klinik. Die Diagnostik folgt zumeist einem stufenförmigen Algorithmus. An erster Stelle stehen die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Auskultatorisch fallen Patienten mit akuter Bronchitis durch mittel- bis grobblasige, nicht klingende Rasselgeräusche auf. Meist ist dies bereits ausreichend für eine Diagnose bei ansonsten gesunden Patienten. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion, eine Pertussisinfektion (Keuchhusten) oder Influenza, sollte gegebenenfalls eine weiterführende Diagnostik mit Labor und eventuell Bildgebung erfolgen. Bestehen die Symptome auch nach acht Wochen noch, können kardiale oder neurologische Ursachen zugrunde liegen. Um diese auszuschließen, wird ein Röntgenbild des Thorax in zwei Ebenen angefertigt und gegebenenfalls ein Lungenfunktionstest durchgeführt werden.

Eine zusätzliche Blutuntersuchung und/oder eine Bildgebung in Form eines Röntgenbildes sind nur indiziert, wenn aufgrund der Klinik und der Patientenvorgeschichte eine weitere Diagnostik notwendig ist, weil beispielsweise eine Lungenentzündung oder eine andere Erkrankung die Ursache sein könnten. In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht notwendig. Eine Bildgebung dient vorrangig dem Zweck, eine Pneumonie (Lungenentzündung) oder andere Lungen- und Atemwegs- oder Herzerkrankungen auszuschließen. Wird ein Blutbild angefordert und CRP (C-reaktives Protein) sowie die Leukozytenzahl sind erhöht, ist eine bakterielle Infektion wahrscheinlich. Bei einer viralen Infektion fällt die Leukozytenzahl ab, während der CRP-Wert meist gleich bleibt.

Ein Sonderfall ist eine RSV-Infektion. Besteht der Verdacht auf RSV, sollte der Erreger zeitnah nachgewiesen werden, um eine entsprechende Therapie einleiten zu können. Dafür wird Nasopharnygealsekret verwendet, das mittels PCR oder Antigennachweis mit Enzym-Immunoassays auf den Erreger getestet wird.

Therapie

Eine selbstlimitierende akute Bronchitis wird lediglich symptomatisch behandelt. Betroffene sollten ausreichend Flüssigkeit zuführen, um die Schleimhäute feucht zu halten. Auch angefeuchtete Luft kann das Atmen erleichtern. In den meisten Fällen ist keine medikamentöse Therapie notwendig.

Zur Linderung des Hustenreflexes können aber gegebenenfalls Antitussiva wie Codein oder Dextromethorphan verwendet werden. Auch antitussive Sirups, Hustensäfte, Gurgellösungen, Lutschtabletten, Honig, Hustenbonbons oder speziell darauf ausgelegte Lokalanästhetika sind geeignet, um den Hustenreiz zu lindern.

Eine andere Möglichkeit sind Expektoranzien. Sie erleichtern das Abhusten von Bronchialschleim, indem sie entweder das Sekretvolumen erhöhen (Sekretolytika) oder die Viskosität herabsetzen (Mukolytika) und so das Abhusten erleichtern. Die in Deutschland häufig verwendeten Expektoranzien sind Ambroxol und N-Acetylcystein.

Bei Obstruktion der Atemwege kann in Einzelfällen zusätzlich ein Bronchospasmolytikum wie beispielsweise Salbutamol verwendet werden. Aufgrund der Nebenwirkungen sollten jedoch alle drei Medikamentenklassen, Antitussiva, Expektoranzien und Bronchospasmolytika nicht leichtfertig eingesetzt werden. Hohes Fieber kann zusätzlich, falls notwendig, mit Paracetamol behandelt werden.

Auch Präparate aus der Phytotherapie wie beispielsweise Thymian, Efeu, Primelwurzel, Eukalyptus oder Spitzwegerich können symptomlindernd wirken. Die Evidenzlage ist jedoch sehr unterschiedlich.

Da die Vielzahl der Infektionen viral bedingt ist, ist ein Einsatz von Antibiotika meist unnötig und im Falle von viralen Infektionen aufgrund des fehlenden Nutzens eher schädlich. Liegt eine bakterielle Superinfektion vor, können Antibiotika allerdings helfen, zu verhindern, dass die Infektion auf die Lungen übergreift. Eingesetzt werden bei bakteriellen Bronchitiden Makrolid-Antibiotika, Aminopenicilline und Betalaktamaseinhibitoren. Um die Antibiotika möglichst gezielt einzusetzen, sollte vorab, sofern möglich, ein Erregernachweis erfolgen und ein Antibiogramm angefertigt werden.

Prognose

Die akute Bronchitis verläuft meist harmlos und selbstlimitierend. Nach im Durchschnitt achtzehn Tagen bis vier Wochen klingen die Symptome zumeist ab; die Infektion heilt ohne Komplikationen oder Folgeschäden ab. In einzelnen Fällen kann sie jedoch in eine chronische Bronchitis fortschreiten oder auf die Lungen übergreifen und eine Lungenentzündung verursachen. Genaue Zahlen dazu liegen jedoch nicht vor.

Prophylaxe

Eine umfangreiche Vorbeugung gegen viral oder bakteriell bedingte akute Bronchitiden ist nicht möglich. Es gibt derzeit keine Schutzimpfung. Ein aktueller Impfstatus kann vor bestimmten Erregern schützen.

Autor: Sonja Klein (Medizinjournalistin)

Stand: 15.05.2019

Quelle:
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  9. Wark P.A. Bronchitis (Acute). American Family Physician. 2004, 70(3):557-558.
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