Definition

Lunge

Die chronische Bronchitis ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Betroffen sind vor allem die Bronchien. Symptomatisch äußert sich die chronische Bronchitis durch Husten und Auswurf, die laut einer älteren WHO-Definition an den meisten Tagen der Woche, seit wenigstens drei Monaten und in mindestens zwei aufeinander folgenden Jahren aufgetreten sind. Nach neuerer Definition wird die chronische Bronchitis den chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) zugeordnet und gilt als ein besonderer Subtyp oder Vorläufer.

Epidemiologie

Chronischer Husten ist Schätzungen zufolge häufig das Resultat von Rauchen oder Schadstoffexposition. Genaue Zahlen zur Inzidenz sind nicht bekannt, da die chronische Bronchitis  in Deutschland nicht meldepflichtig ist. In den USA werden jährlich 3,5% der Erwachsenen mit einer chronischen Bronchitis diagnostiziert. In Deutschland sind es je nach Studie schätzungsweise 10 bis 15% oder 9% der Erwachsene. Ein Großteil der Betroffenen sind Raucher. Jeder zweite der über 40-jährigen Raucher ist vermutlich bereits an einer chronischen Bronchitis erkrankt, ohne medizinische Hilfe in Anspruch genommen zu haben oder diagnostiziert worden zu sein. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Die chronische Bronchitis gilt als häufigste Atemwegserkrankung bei Erwachsenen. In ca. 20% der Fälle entwickelt sie sich weiter zu einer chronisch-obstruktiven Bronchitis oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) mit deutlich schlechterer Prognose als die einfache chronische Bronchitis. Bleibt dies aus, ist eine chronische Bronchitis zumeist nicht lebensverkürzend.

Ursachen

Hauptursache für die chronische Bronchitis ist das Rauchen. Auch Umweltreize und diverse Noxen wie beruflich bedingte Feinstaubexposition können zu einer chronischen Bronchitis führen. Seltener sind bakterielle oder virale Infektionen die Ursache für eine dauerhafte Entzündung der Bronchien. Gehäufte Infekte der Bronchien und/oder Lungen begünstigen eine chronische Bronchitis.

Weitere Ursachen können genetische Störungen sein wie beispielsweise die zystische Fibrose oder die primäre Ziliendyskinesie. Auch Atemwegseinengungen und -kompressionen können eine chronische Bronchitis befördern.

Pathogenese

Bronchien filtern die Luft, bevor sie in die Lungenbläschen eindringen kann. Sie reinigen sie von Partikeln, Krankheitserregern und Schadstoffen. Deshalb entwickeln sich an dieser Stelle auch häufig erste Krankheitssymptome, wenn regelmäßig schädliche Substanzen inhaliert werden, wie dies beispielsweise beim Rauchen der Fall ist. Durch die chronische Reizung der Bronchialschleimhaut kommt es zu Entzündungsprozessen. Die Schadstoffpartikel aktivieren Makrophagen und Granulozyten. Entzündungsmediatoren und proteolytische Faktoren sowie Sauerstoffradikale werden freigesetzt, die die Zellen schädigen. Auch mikrobielle Infektionen können derartige Entzündungsprozesse auslösen und zu chronischen Bronchitiden führen. In der Anfangsphase können sich diese Entzündungen der Bronchien wieder zurückbilden, wenn das Rauchen aufgegeben wird oder die mikrobielle Infektion abheilt.

Ist dies nicht der Fall, beginnen Umbauprozesse in den Bronchien: Die Zilien auf den Epithelzellen werden durch die ständige Reizung so lange gestört, bis zilientragenden Epithelien in den Bronchien verloren gehen. Zum Schutz des Gewebes wandelt sich die Bronchialschleimheit um: Das Flimmerepithel wird ersetzt durch Plattenepithel, es kommt zur Metaplasie. Schleimbildende Becherzellen nehmen in dem Bereich zu (Hyperplasie) und die Produktion visköseren Schleims steigt. Dadurch entsteht produktiver Husten. Bei Fortschreiten der Schädigung können Bronchialwandödeme entstehen und die Bronchien hyperreagibel werden. Reizbedingte Verengungen (Obstruktionen) der Bronchien sind der Fall. Mediziner sprechen dann von einer chronisch-obstruktiven Bronchitis oder, wenn ebenfalls die Lungen betroffen sind, einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Der eingedickte Schleim in den Bronchien bietet zusätzlich einen guten Nährboden für Bakterien und Viren. Dadurch steigt die Infektanfälligkeit der betroffenen Patienten.

Symptome

Die Leitsymptome der chronischen Bronchitis sind Husten und weißlicher Auswurf (Sputum) über einen längeren Zeitraum. Häufig treten die Symptome verstärkt morgens auf: Morgendlicher Hustenreiz und wiederholtes Abhusten sind die Folge. Zu Beginn leiden Patienten kaum bis gar nicht unter Atemnot oder Kurzatmigkeit (Dyspnoe). Im Verlaufe der Krankheit werden sie jedoch zunehmend dyspnoeisch. Zunächst ist die Kurzatmigkeit auf Belastungen beschränkt, kann jedoch  später auch in Ruhe auftreten. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich die chronische Bronchitis in eine chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD) weiterentwickelt. In Folge können weitere Zeichen einer Hypoxämie hinzukommen wie bläuliche Lippen (Lippenzyanose), Uhrglasnägel oder Trommelschlägelfinger.

Auch rezidivierende bronchopulmonale Infekte können Symptom einer beginnenden chronischen Bronchitis sein. Tritt zusätzlich zum chronischen Husten eine bakterielle Superinfektion auf, ist auch eitriger Auswurf möglich.

Diagnostik

Der Anamnese fällt der Diagnostik bei der chronischen Bronchitis eine besondere Rolle zu. Sie ist alleinig ausschlaggebend für die Diagnose einer chronischen Bronchitis und sollte erst gestellt werden, wenn andere Erkrankungen mit ähnlichem Symptombild ausgeschlossen wurden.

Treten Husten und Auswurf an den meisten Tagen der Woche auf und besteht die Symptomatik seit jeweils mindestens drei Monaten und in zwei aufeinander folgenden Jahren, sind dies starke Anzeichen für eine chronische Bronchitis. Auch eine Suchtanamnese mit Bezug zum passiven und aktiven Rauchen (definiert in Packungsjahren respektive pack years), eine Risikoanamnese bezüglich möglicher Reizfaktoren wie Noxen und eine Berufsanamnese hinsichtlich Schadstoffen sollten erfolgen. Risikofaktoren, Allergien und die Infektgeschichte können ebenfalls Aufschluss darüber geben, ob eine chronische Bronchitis vorliegen kann oder nicht. Auch Komorbiditäten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Allergien und Asthma bronchiale können die Entstehung einer chronischen Bronchitis fördern.

In der körperlichen Untersuchung zeigt sich die chronische Bronchitis ohne Obstruktion der Atemwege durch ein pfeifendes Atemgeräusch oder durch trockene oder feuchte Rasselgeräusche. Ist der Auskultationsbefund unauffällig, kann zusätzlich ein Anhusteversuch unternommen werden. Treten in der körperlichen Untersuchung bereits Symptome wie ein hypersonorer Klopfschall, wenig verschiebliche Lungengrenzen, Anzeichen einer Zynose, veränderte Brustkorbform und weiterer Symptome einer Obstruktion oder Lungenbeteiligung auf, sollte die Diagnostik in jedem Fall erweitert werden, um eine COPD oder andere Erkrankungen auszuschließen. Als weitere Differentialdiagnosen kommen zum Beispiel in Frage

Die Diagnostik einer chronischen Bronchitis selbst erfolgt rein anamnestisch. Um jedoch andere Differentialdiagnosen ausschließen zu können, sollte, wenn kardiale oder neurologische Ursachen unwahrscheinlich sind, ein Röntgen-Thorax in zwei Ebenen angefertigt werden. Ist auch dies ohne Befund, schließt sich ein Lungenfunktionstest an. Bei normalem Lungenfunktionstest und bekanntem Rauchen oder Schadstoffexposition wird davon ausgegangen, dass es sich um eine chronische Bronchitis handelt. Das Rauchen bzw. die Schadstoffexposition sollten für mindestens vier Wochen unterbrochen werden. Können weder Rauchen noch Schadstoffexposition als Erklärung für den chronischen Husten herangezogen werden, sind weitere HNO-Diagnostik und Ausschluss einer möglichen Refluxkrankheit notwendig. Können auch diese den chronischen Husten nicht erklären, sollte der Patient in letzter Instanz bronchoskopiert werden. Auch ein Blutbild und eine Blutgasanalyse können hilfreich sein, um Differentialdiagnosen auszuschließen. Besteht der begründete Verdacht, dass eine Infektion Ursache der Symptome sein könnte, sollte zusätzlich ein Erregernachweis im Auswurf gemacht werden. Erst nach Ausschluss aller anderen Möglichkeiten wird die Diagnose chronische Bronchitis gestellt.

Therapie

Im Vordergrund sollte bei einer Therapie stehen, Risikofaktoren zu verringern und die Symptome zu lindern. Eine Nikotinkarenz durch Rauchentwöhnung kann zu Beginn einer chronischen Bronchitis die Symptome vollständig verschwinden lassen und die Entzündung abklingen lassen. Fortgeschrittene Bronchitiden lassen sich meist nicht mehr vollständig umkehren. Eine kurative Therapie ist nicht verfügbar. Lediglich symptomatisch kann den Patienten durch Patientenschulungen und Medikamente geholfen werden.

Patientenschulung

Ausreichend körperliche Betätigung und Sport können die Symptome einer chronischen Bronchitis lindern. Dazu zählt auch eine begleitende Physiotherapie. Ein normales Körpergewicht entlastet die Atemorgane. Gegen Atembeschwerden können unterstützend Atemtechniken wie die Lippenbremse eingesetzt werden. Auch Inhalationen mit Kochsalzlösungen können helfen, die Symptome zu lindern.

Medikamentöse Therapie

Zur Symptomlinderung können in Einzelfällen auch Medikamente eingesetzt werden. Dazu zählen Bronchodilatatoren wie Anticholinergika und beta-2-Sympathomimetika. Auch Expektorantien können symptomlindernd wirken. Dazu zählen Sekretolytika, die das Sekretvolumen erhöhen, und Mukolytika, die die Viskosität des Schleims verringern, und so das Abhusten erleichtern. Antibiotika sind nur angezeigt, wenn der chronische Bronchitis eindeutig eine bakterielle Infektion zugrunde liegt.

Prognose

Unbehandelt kann eine chronische Bronchitis in eine chronisch-obstruktive Bronchitis oder, wenn ein Lungenemphysem hinzukommt, in eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergehen. Vor allem Patienten, die weiter rauchen oder Schadstoffen ausgesetzt sind, sind gefährdet, eine COPD zu entwickeln.

Prophylaxe

Zwei der Hauptursachen für chronische Bronchitiden sind das Rauchen und Schadstoffexposition. Da die Erkrankung zu einem Verlust von Lungenfunktionen führen kann, sollten Patienten spätestens, wenn erste Symptome auftreten, eine Rauchentwöhnung versuchen und Schadstoffexposition meiden.

Mit einer chronischen Bronchitis steigt zusätzlich das Risiko für andere Krankheiten wie Grippe (Influenza) oder Pneumokokken-Infektionen. Um das Risiko zu reduzieren, sollte bei Patienten mit chronischer Bronchitis besonders auf einen aktuellen Impfstatus wie vom Robert-Koch-Institut empfohlen geachtet werden.

Hinweise

Raucher mit chronischem Husten suchen häufig keinen ärztlichen Rat, da sie ihren Husten als „normal“ empfinden. Um Folgeerkrankungen wie die COPD zu verhindern, sollten Menschen mit Verdacht auf chronische Bronchitis ermutigt werden, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Autor: Sonja Klein (Medizinjournalistin)

Stand: 28.05.2019

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