Influenza

Die Influenza, auch („echte“) Grippe oder Virusgrippe genannt. Sie wird überwiegend durch Viren aus der Gruppe der Orthomyxoviridae ausgelöst.

Synonyme

„echte“ Grippe, Grippe, Virusgrippe

Definition

Husten Mann

Die Influenza ist eine Infektionserkrankung, ausgelöst durch Viren. Sie betrifft vorrangig die oberen Atemwege und ist charakterisiert durch hohes Fieber, Gliederschmerzen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Sie ist abzugrenzen von grippalen Infekten und Erkältungen.

Epidemiologie

In Deutschland erkranken jährlich zwischen 5 und 20% der Bevölkerung an einer Influenza. Kinder sind mit 20-35% in Deutschland stärker betroffen als Erwachsene mit 5-20% der Bevölkerung. Die Hauptinfektionszeit liegt in den Wintermonaten zwischen Januar und März bzw. April.

Die absoluten Zahlen der Influenzaerkrankungen schwanken von Jahr zu Jahr, ebenso die Todeszahlen. Zwischen der 40. Kalenderwoche 2017 und der 20. Kalenderwoche 2018 wurden ca. 34.000 Fälle gemeldet. 69% waren an Influenza B erkrankt, 24% an Influenza A und der Rest an Subtypen oder nicht näher spezifizierten Influenzaviren. Besonders betroffen sind meist die 35- bis 59-Jährigen, gefolgt von den über 60-Jährigen. Letztere mussten am häufigsten stationär behandelt werden. Diese Altersgruppe hat auch ein deutlich höheres Risiko, an einer Influenza zu versterben, und zählt zu den Risikopatienten. In der Saison 2017/2018 waren zum Beispiel 87% der an Influenza Verstorbenen älter als 60 Jahre. Die Mortalität lässt sich für die Influenza nicht eindeutig bestimmen, da die Zahlen jährlich stark schwanken.

Ursachen

Ausgelöst wird die Influenza durch Influenzaviren, die zur Gruppe der Orthomyxoviren gehören. Man unterscheidet zwischen Influenza A-, Influenza B- und Influenza C-Viren. Alle drei Typen können Influenzainfektionen auslösen, Typ A und B kommen jedoch beim Menschen am häufigsten vor. Die meisten Grippewellen werden ausgelöst durch Influenza A-Viren. Influenza B-Viren sind bisher beim Menschen seltener für Grippeausbrüche verantwortlich gewesen. Der Mensch ist das einzige Reservoir für Influenzaviren.

Pathogenese

Influenza wird per Tröpfcheninfektion übertragen, die eine Partikelgröße ≥ 5 µm haben. Die häufigsten Übertragungswege sind Niesen, Sprechen oder Husten sowie Händeschütteln. Die Inkubationszeit ist kurz und beträgt ein bis zwei Tage. Patienten sind noch ca. vier bis fünf Tage, nachdem erste Symptome aufgetreten sind, ansteckend.

Über Tröpfchen gelangen die Erreger auf die Schleimhäute der Atemwege einer Kontaktperson. Dort binden sie über Hämagglutinin (HA) an das Flimmerepithel und dringen in die Zelle ein. Im Zellkern der infizierten Zelle wird das Virus vermehrt und anschließend in großer Zahl an die Zelloberfläche der Wirtszellen transportiert. Dort spalten die Neuraminidasen (NA) des Virus die Neuraminsäuren der Wirtszellen und können so freigesetzt werden. Die Wirtszelle stirbt ab. Dadurch kommt es zu einer starken Immunantwort und dem hohen Fieber. Das Zellsterben erklärt auch den häufig mit einer Influenza einhergehenden Gewichtsverlust und die Erschöpfung.

Influenza A-Viren haben eine hohe genetische Variabilität. Ihre viruseigene RNA-Polymerase ist sehr fehleranfällig, was zu vielen Mutationen führt. Die Immunzellen des Wirtes selektieren ungewollt für das Virus besonders förderliche Mutationen. Dieser Prozess des Antigendrifts verursacht die jährlich auftretenden Grippewellen und macht jährliche Grippeschutzimpfungen notwendig, da der Immunschutz der vergangenen Saison veraltet ist. Zusätzlich haben Influenzaviren segmentierte Erbinformationen (Genom). Dadurch können Genomsegmente variabel ausgetauscht werden und das Virus mit neuen Eigenschaften ausstatten. Sind davon auch Gene betroffen, die die Oberflächenproteine kodieren, entsteht ein Antigenshift und alle Voraussetzungen für eine Pandemie sind geschaffen.

Symptome

Influenzainfektionen verlaufen bei etwa einem Drittel der Patienten asymptomatisch und einem weiteren Drittel mit nur gering ausgeprägten Symptomen verlaufen. Entsteht jedoch das Vollbild einer Influenza - bei etwa einem Drittel aller Betroffenen der Fall -, setzt ein bis vier Tage nach der Infizierung plötzlich hohes Fieber ein. Dazu kommen Kopf- und Gliederschmerzen, ein starkes Krankheitsgefühl und häufig ein trockener Reizhusten oder Halsschmerzen. Teilweise können auch allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche, Schnupfen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle auftreten. Verläuft die Erkrankung unkompliziert, verschwinden die Symptome innerhalb einer Woche wieder.

In seltenen Fällen kann es jedoch zu Komplikationen und umfangreicheren Krankheitsbildern kommen. Dazu zählt vor allem die Lungenentzündung (Pneumonie). Diese Form der Influenza geht einher mit einer hohen Sterblichkeit und wird ausgelöst entweder durch die Influenzaviren selbst oder durch eine bakterielle Superinfektion, der die Influenzaviren den Weg bereitet haben. Aber auch andere Komplikationen können, je nach Erregerkombination, auftreten: Myokarditis, Myositis, Mittelohrentzündung, Pseudokrupp oder Enzephalitis.

Diagnostik

Das Krankheitsbild der Influenza überschneidet sich mit vielen anderen Erkrankungen. Rein anamnestisch oder durch eine körperliche Untersuchung lässt es sich nicht von anderen Infektionen durch beispielsweise Atemwegserreger unterscheiden. Deshalb ist eine Labordiagnostik für eine eindeutige Diagnosestellung notwendig. Ob dies während einer Grippesaison notwendig ist, kann debattiert werden. Bei schweren Krankheitsverläufen sollte sie jedoch zwingend erfolgen, um die Therapie anzupassen.

Der Virusnachweis sollte innerhalb der ersten zwei bis vier Krankheitstage erfolgen. Danach nimmt die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ergebnisses trotz Influenzainfektion stetig ab. Für den Labornachweis eignen sich Rachen- und Nasenabstriche oder Rachenspülwasser. Die Erreger können im Labor mittels Immunfluoreszenztest oder Nukleinsäure-Amplifikationstechniken wie RT-PCR nachgewiesen werden. Auch Antigennachweisverfahren wie ELISA liefern zuverlässige Ergebnisse. Influenzaschnelltests haben zwar eine hohe Spezifität, jedoch nur eine gute bis mäßige Sensitivität. Deshalb eignen sie sich nur bedingt, um eine Influenza zu diagnostizieren.

Therapie

Influenzaerkrankungen werden meist symptomatisch behandelt, wenn der Patient ansonsten gesund ist und zu keiner Risikogruppe gehört. Risikogruppen sind Schwangere, Kinder unter 59 Monaten, Menschen älter als 65 Jahre, Personen mit chronischen Erkrankungen wie HIV/Aids, Asthma, Herz- und Lungenkrankheiten und Diabetes. Zur symptomatischen Therapie gehören ausreichende Trinkmengen und Bettruhe. Zusätzlich können, falls notwendig, Salizylate und andere fiebersenkende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol verabreicht werden. Salizylate sollten jedoch nicht bei Kindern eingesetzt werden, da sie bei ihnen das Reye-Syndrom auslösen können. Gegen trockenen und unproduktiven Husten eignen sich Antitussiva wie Dihydrocodein.

Risikopatienten oder Patienten mit einem schweren Verlauf sollten zusätzlich zur symptomatischen Therapie antivirale Medikamente bekommen. Dies erfolgt meist in stationärer Umgebung. Für einen Therapiebeginn sollte nicht die labordiagnostische Bestätigung der Influenzainfektion abgewartet werden, sondern unmittelbar begonnen werden, möglichst innerhalb der ersten 48 Stunden nach Auftreten der Symptome. Eingesetzt werden Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir oder Zanamivir. Sie blockieren die viralen Neuraminidasen. Dadurch können keine neuen Viren gebildet werden. Bevor die Medikamente gegeben werden, sollte auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts oder der World Health Organisation (WHO) überprüft werden, ob neue Erkenntnisse zu Resistenzen bekannt sind. In den Saisons 2007/2008 und 2008/2009 wurden steigende Resistenzen gegen Oseltamivir berichtet. Adamantane werden nicht mehr eingesetzt, da sie nur gegen Influenza A-Viren wirksam waren und heutzutage mehr oder minder vollständige Resistenzen dagegen bestehen.

Prognose

Weltweit kommt es schätzungsweise zu drei bis fünf Millionen schweren Influenzainfektionen. 250.000 bis 500.000 verlaufen tödlich. Besonders kleine Kinder und ältere Leute haben ein erhöhtes Risiko, an Influenzainfektionen zu versterben.

Bei ansonsten gesunden Patienten klingt die Infektion in der Regel innerhalb von fünf bis sieben Tagen folgenlos ab. Einzelne Symptome wie ein Reizhusten können auch 14 Tage und länger bestehen bleiben.

Prophylaxe

Influenza wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Deshalb sollten zur Prävention besonders während der Grippesaison Standardhygienemaßnahmen eingehalten werden. Zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung sollte Abstand gehalten werden und auf Händeschütteln verzichtet werden. Wer husten oder niesen muss, sollte sich ein Taschentuch vor das Gesicht halten, dieses anschließend entsorgen und sich die Hände gründlich waschen. Bereits erkrankte sollten, soweit möglich, zu Hause bleiben und von anderen Personen des Haushaltes isoliert werden. In Kliniken und Alten- bzw. Pflegeheimen müssen Hygienevorschriften bei Influenzaverdacht strikt eingehalten werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Impfung

Die wirksamste Prophylaxe gegen Influenza ist die Grippeschutzimpfung. Sie wird jährlich kurz vor Beginn der Grippesaison aufgefrischt. Kann zu diesem Zeitpunkt nicht geimpft werden, oder beginnt die Grippesaison ungewöhnlich früh, empfiehlt das Robert-Koch-Institut zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu impfen. Der Schutz liegt durchschnittlich zwischen 40 und 60%.

Grippeimpfstoffe müssen jährlich neu erstellt werden, da sich Influenzaviren schnell verändern. In den meisten Fällen wird ein Totimpfstoff verabreicht, der in bebrüteten Hühnereiern, in Ausnahmefällen in Zellkulturen herangezüchtet wird. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, einen quadrivalenten Impfstoff zu verwenden, der ab einem Alter von sechs Monaten zugelassen ist. Für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren gibt es zusätzlich einen attenuierten Lebendimpfstoff als Nasenspray. Für Kinder und Jugendliche gibt es derzeit nur eine Impfempfehlung, wenn sie zu einer Risikogruppe gehören.

Risikogruppen, denen die Grippeschutzimpfung als Prophylaxe empfohlen wird, sind laut Robert-Koch-Institut und der STIKO:

  • alle Personen ab 60 Jahren
  • Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, da sie an einer anderen chronischen Erkrankung leiden wie Herz- und Kreislaufkrankheiten, chronische Erkrankungen der Atemorgane, Leber- und Nierenkrankheiten, Stoffwechselerkrankungen, Diabetes mellitus, chronische neurologische Erkrankungen, angeborene und erworbene Immundefizite und HIV
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • alle gesunden Schwangeren ab dem zweiten Trimenon
  • chronisch kranke Schwangere ab dem ersten Trimenon
  • medizinisches Personal und andere Personen mit erhöhter beruflicher Gefährdung
  • Personen, die eine Infektionsquelle für Risikopatienten darstellen können, da sie engen Kontakt mit diesen haben

Präexpositionelle Prophylaxe

Ist keine wirksame Impfung verfügbar und sollen Personengruppen wie medizinisches Personal geschützt werden, können antivirale Arzneimittel auch zur präexpositionellen Prophylaxe eingesetzt werden. Das gilt auch für Menschen, die aufgrund beispielsweise von Vorerkrankungen nicht geimpft werden können oder wegen einer Immunschwäche keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können.

Postexpositionelle Prophylaxe

Kommt es in einem Krankenhaus oder einem Alten- bzw. Pflegeheim zu einem Influenzaausbruch, können antivirale Medikamente zur nachträglichen Prophylaxe eingenommen werden. Dies geschieht unabhängig vom Impfschutz. Auch Personen, die immungeschwächt sind und in einem Haushalt mit einer an Influenza erkrankten Person leben, sollten eine postexpositionelle Prophylaxe erhalten. 

Hinweise

  • Influenzainfektionen sind gemäß § 6 IfSG meldepflichtig. Gemäß § 7 IfSG ist das diagnostizierende Labor ebenfalls verpflichtet, die bestätigte Diagnose innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Gesundheitsamt zu melden.
  • Personen der Risikogruppe sollten die Influenzaschutzimpfung erhalten.
     

Autor: Sonja Klein (Medizinjournalistin)

Stand: 15.10.2019

Quelle:
  1. AMBOSS  Fachwissen für Mediziner. Influenza (Endemische Grippe). [Online] 07. April 2019. [aufgerufen am 29. September 2019]
     
  2. Pöhlmann S. Schmitt C. Orthomyxoviren: Influenza. In: Suerbaum S. et al. Hrsg. Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 2. Auflage. Heidelberg: Springer Verlag; 2016: 483-487.
     
  3. Rello J. et al. Infectious Diseases in Critical Care. 2. Auflage. Springer Science & Business Media; 2007: 286 f.
     
  4. Robert-Koch-Institut. Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. [Online] 19. Januar 2018. [aufgerufen am 29. September 2019].
     
  5. Schaberg T. Diagnostik, Therapie und Prävention der Influenza (Virusgrippe). Pneumologie 2003; 57(1): 27-33. DOI: 10.1055/s-2003-36637.
     
  6. World Health Organization. Influenza (Seasonal). [Online] 6. November 2018. [aufgerufen am 29. September 2019].
     
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: