Mumps

Mumps ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die vornehmlich Kinder betrifft. Die gefürchtetsten Komplikationen sind Meningitis, Meningoenzephalitis und Orchitis. Letztere kann bei Jungen zu Unfruchtbarkeit führen. Den besten Schutz vor Mumps bietet die Impfung.

ICD-10 Code
Synonyme

Parotitis epidemica, Salivitis epidemica, Rubula infans, Mumpsvirusinfektion, umgangssprachlich: Ziegenpeter, Tölpel, Feifel, Wochendippel oder Bauernwetzel

Definition

Mumps Kind

Mumps (ICD-10 B26.-) gehört zu den klassischen pädiatrischen Infektionskrankheiten. Die gängigste umgangssprachliche Bezeichnung ist Ziegenpeter. Auslösender Erreger ist das Mumpsvirus. Mumps beginnt in der Regel mit einer teigigen, schmerzhaften Parotitis, die gelegentlich zu abstehenden Ohren führt. Zu den gefürchteten Komplikationen zählen Pankreatitis, seröse Meningitis und Meningoenzephalitis sowie Orchitis mit Zeugungsunfähigkeit bei männlichen Patienten. Weitere mögliche Folgeschäden sind eine persistierende Innenohrschwerhörigkeit bzw. Taubheit und Hirnnervenparesen. Eine Kausaltherapie existiert bei Mumps nicht. Als Prophylaxe wird die Mumps-Impfung empfohlen, die zusammen mit der Masern- und Röteln-Immunisierung verabreicht werden sollte.

Epidemiologie

Mumpsviren kommen weltweit endemisch vor. Infektionen sind ganzjährig zu beobachten. Vor Einführung der Impfung gab es in den gemäßigten Klimazonen eine saisonale Häufung in den Winter- und Frühjahrsmonaten. In der Vorimpfära bis Mitte der 70er-Jahre erkrankten insbesondere 5- bis 9-Jährige an Mumps. Die jährliche Inzidenz lag bei mehr als 200 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Heute liegt das Prädilektionsalter unter 15 Jahren. Die Prävalenz wird in dieser Altersgruppe mit 20 bis 45 Mumps-Fällen pro 100.000 Kinder angegeben. Bei Kindern unter 10 Jahren und Personen über 60 Jahre stecken sich überwiegend Jungen bzw. Männer an. In anderen Altersgruppen sind bevorzugt Mädchen bzw. Frauen von einer Mumpsinfektion betroffen.

Bis Anfang 2013 gab es in Deutschland für Mumps-¬Erkrankungen keine bundesweite Meldepflicht. Eine Ausnahme hiervon bildete die ehemalige DDR. In den fünf östlichen Bundesländern war die Mumps-Meldepflicht für Labore und Ärzte bereits seit 2001 in den jeweiligen Landesverordnungen verankert. Auf diesen Daten basieren auch die aktuellen epidemiologischen Zahlen. Bundesweit liegen lediglich Berichte über Mumpsinfektionen in Gemeinschaftseinrichtungen vor, die nach § 34 IfSG benachrichtigungspflichtig sind.

Das Alter von Mumps-Patienten in West und Ost ist regional verschieden. Dies lässt sich, durch die zu verschiedenen Zeitpunkten eingeführte Mumps-Impfung und den nachfolgenden Impfquoten erklären.

In den östlichen Bundesländern sank die Erkrankungszahl zwischen 2001 und 2012 von mehr als 160 Mumpsinfektionen auf 40 Fälle pro Jahr. Ab dem Jahr 2002 waren fortlaufend Inzidenzen unter einer Erkrankung pro 100.000 Einwohner messbar. Insgesamt wurden im Zeitraum von 2001 bis 2012 858 Mumps-Fälle über das elektronische Meldesystem an das RKI übermittelt; 47 Prozent davon betrafen das männliche Geschlecht.

Zwischen 2001 und 2011 gab es bundesweit mehrere größere Mumps-Ausbrüche. Die größte Endemie war 2010/2011 in Bayern mit fast 300 übermittelten Fällen zu verzeichnen. Im Gegensatz zu den östlichen Bundesländern lag das Erkrankungsalter hier höher. Mehr als die Hälfte der Mumps-Infizierten waren 16 bis 24 Jahre alt – die meisten von ihnen Jugendliche und junge Erwachsene in weiterführenden Schulen, Fachhochschulen, Universitäten und Sportvereinen. Diese epidemiologischen Daten legen eine Rechtsverschiebung des Erkrankungsalters in den westlichen Bundesländern nahe. Da mit steigendem Alter bei Ansteckung eine Zunahme der Komplikationsrate zu erwarten ist, muss dieser Trend sorgfältig beobachtet werden.

Weltweite Ausbreitung

Die in den westlichen Bundesländern feststellbare Altersverschiebung wurde desgleichen in anderen europäischen Ländern registriert. Überwachungsdaten anderer EU-Staaten wie Großbritannien, Irland, Spanien und Tschechien zeigen ebenso ein deutlich höheres Prädilektionsalter. Die höchsten Inzidenzen liegen dabei zwischen 15 und 19 Jahren.

In den letzten zehn Jahren wurden in den USA und Kanada ebenfalls langanhaltende und umfangreiche Mumps-Ausbrüche erfasst. Auch hier steckten sich überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene an Schulen und Universitäten an.

Viele der Infizierten hatten eine abgeschlossene Grundimmunisierung. Der größte Ausbruch in den USA betraf über 6.500 Erkrankungsfälle, vornehmlich College- und Universitätsstudierende. Mehr als 60 Prozent wurden zuvor zweimal gegen Mumps geimpft.

Als Ursache für die weltweite Altersverschiebung und die Infektionen von zweifach Geimpften werden diskutiert:

  • ein mit der Zeit abnehmender Impfschutz (Waning immunity)
  • eine mangelnde Boosterung durch weniger zirkulierende Wildviren aufgrund steigender Impfquoten unter Kindern
  • mögliche Antigenunterschiede zwischen Impfstoffvirus und Ausbruchsstamm (Antigen-Mismatch)

Für die Altersverschiebung in Deutschland sind wahrscheinlich auch die mangelhaften Impfquoten für die zweifache Mumps-Impfung verantwortlich. Diese lag bis 2001 bei den Schuleingangsuntersuchungen unter 50 Prozent.

Epidemiologische Impfdaten

Die jährlich durchgeführten Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass die Mumps-Impfquoten in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Im Jahr 2000 lag der Anteil für die erste Mumps-Impfung bei Schulanfängern deutschlandweit bei 90,8 Prozent; 2005 wurden 93,7 und 2010 bereits 96,1 Prozent erreicht. Über eine zweite Mumps-Impfung verfügten im Jahr 2000 lediglich 19 Prozent der Kinder vor Schuleintritt; 2005 waren es 76,4 und 2010 91,2 Prozent.

In den östlichen Bundesländern sind die Impfquoten sowohl für die erste Impfung (2010 97,6 vs. 95,8 Prozent) wie für die zweite Impfung (2010 92,7 vs. 91,0 Prozent) höher als in den westlichen Landesnachbarn. Das RKI geht insgesamt von einer leichten Überschätzung der Impfquoten aus, da die Berechnung nur auf Basis der Einträge in den vorgelegten Impfausweisen erfolgt. Kinder ohne Impfdokumente sind in der Regel weniger gut geimpft.

Um Ausbrüche oder eine kontinuierliche Zirkulation des Mumpsvirus zu vermeiden, wird in der bundesweiten Bevölkerung eine Mumps-Impfquote von mindestens 95 Prozent für die zweite Impfung empfohlen. Ferner sollten Immunitätslücken bei Adoleszenten geschlossen werden.

Ursachen

Der auslösende Erreger ist das Mumpsvirus, ein humanpathogenes, behülltes einzelsträngiges Negativstrang-RNA-Virus. Es gehört zur Familie der Paramyxoviridae im Genus Rubulavirus. Das Mumpsvirus hat einen Durchmesser von etwa 150 nm. Die Oberfläche ist nahezu rund.

Die Virus-RNA ist von einem geknäuelten Nukleokapsid umwickelt, dass die zwei Proteine F1 und F2 enthält. F1 besitzt eine Hämagglutinin- und Neuraminidase-Aktivität und kann so die Wirtszellenmembran spalten. Nachdem sich F1 und F2 als Heterodimere zusammenlagern, dringen sie als aktives Fusionsprotein in die Zelle ein.

Die Innenseite der Virushülle ist von einem Matrixprotein bedeckt. Das ermöglicht den Zusammenbau neuer Viruspartikel, wenn das Virus die befallene Zelle verlässt. Darüber hinaus ist die Hülle lipidhaltig. Das erklärt die hohe Empfindlichkeit der Mumpsviren gegenüber äußeren Einflüssen wie Hitze, Licht, UV-Strahlen, fettlösenden Substanzen und Desinfektionsmitteln.

Vom Mumpsvirus ist bislang nur ein humanpathogener Serotyp bekannt. Nach unterstützter Nomenklatur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2012 werden Mumpsviren in die Genotypen A bis N unterteilt. Diese können sich in ihren biologischen Eigenschaften wie der Neurovirulenz und der Fähigkeit zur Kreuzreaktion unterscheiden. Die einzelnen Genotypen kommen regional unterschiedlich verteilt vor. So treten die Genotypen A, C, D, G und H vor allem in der westlichen Hemisphäre auf. Die Genotypen B, F, I, J/K und L sind hingegen in den asiatischen und pazifischen Regionen verbreitet. In Deutschland waren in den letzten Jahren bevorzugt Genotyp G-Viren für Mumpsinfektionen verantwortlich.

Infektionsweg

Das einzige Erregerreservoir ist der Mensch. Das Mumpsvirus wird vorwiegend aerogen durch Tröpfcheninfektion über Atmen, Husten und Niesen übertragen. Ferner ist eine Weitergabe durch direkten Speichelkontakt oder über Schmierinfektion durch mit Speichel kontaminierte Gegenstände möglich. Eine etwaige Virusausscheidung über Harn oder Muttermilch hat praktisch keine Bedeutung.

Der Kontagionsindex liegt bei 40 Prozent, der Manifestationsindex ist mit 50 Prozent angegeben.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 16 bis 18 Tage. Mitunter vergehen aber 12 bis 25 Tage zwischen Ansteckung und Symptombeginn.

Dauer der Ansteckung

Die höchste Ansteckungsfähigkeit besteht zwei Tage vor bis vier Tage nach Symptombeginn. Insgesamt kann ein Mumps-Infizierter das Virus sieben Tage vor bis neun Tage nach Auftreten der Parotisschwellung weitergeben.

Cave: Auch klinisch inapparente Infektionen sind ansteckend.

Nach einer Erkrankung ist von einer lebenslangen Immunität auszugehen. Reinfektionen kommen nur sehr selten vor.

Pathogenese

Nachdem das Virus in den oberen Respirationstrakt eingedrungen ist, vermehrt es sich initial in den Schleimhäuten und regionalen Lymphknoten. Anschließend folgt eine Virämie mit sekundärer Infektion von Mund- und Ohrspeicheldrüsen. Weiterhin betroffen sein können:

  • Tränendrüsen
  • Schilddrüse
  • Brustdrüsen
  • Pankreas
  • Ovarien
  • Testes
  • Nieren
  • Gelenke
  • Herz
  • Leber
  • Innenohr

Befallene Organe weisen virusbedingte Parenchymschäden auf, die zum Teil heftige entzündliche Reaktionen bedingen können. Nach regelhafter Neuroinvasion zeigen etwa 70 Prozent der Mumps-Patienten eine Liquorpleozytose, jedoch ohne Zeichen einer Mumpsmeningitis.

Die für Mumps typische Klinik ist vermutlich auf die immunologische Wirtsreaktion zurückzuführen. Dabei scheinen spezifische T-Zellen eine entscheidende Rolle zu spielen. Bei gestörter immunologischer Abwehrfunktion, beispielsweise bei Patienten mit zytostatischer und/oder immunsuppressiver Therapie, verläuft die Infektion oft asymptomatisch.

Symptome

Mumps verläuft von Inapparenz bis zu schwerer Symptomatik sehr variabel. Zuweilen geht der Infektion ein ein- bis mehrtägiges Prodromalstadium mit leichtem Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Myalgien, Unwohlsein und Inappetenz voraus.

In etwa 30 bis 40 Prozent der Fälle zeigt sich das klassische Bild einer Mumpsinfektion. Betroffene leiden über drei bis acht Tage an einer bilateralen (70–80 Prozent) oder unilateralen (20–30 Prozent) entzündlichen teigigen Schwellung der Ohrspeicheldrüse. Kauen und Schlucken sind nur eingeschränkt möglich, Speicheldrüsen, Hals und Ohren schmerzen heftig. Die Haut über den geschwollenen Drüsen kann ödematös gespannt sein und glänzen. Bei sehr starker Schwellung stehen die Ohrläppchen ab und verleihen den Mumpspatienten einen tumben bzw. einfältigen Gesichtsausdruck. Dieser führte Überlieferungen zufolge zu den volkstümlichen Bezeichnungen wie Ziegenpeter, Tölpel, Feifel oder Bauernwetzel.

Bei 10 bis 15 Prozent der Krankheitsfälle sind obendrein die submandibulären und sublingualen Speicheldrüsen infiziert – mit resultierender Zungenschwellung und Gewebsverschiebungen unterhalb des Unterkiefers. Ein isolierter Befall dieser Drüsen ist in Einzelfällen beschrieben.

Fallweise wird die Parotitis von über drei bis vier Tage anhaltendem Fieber begleitet, das Werte bis zu 40 °C erreicht.

Inapparenter Verlauf

Mindestens 30 bis 40 Prozent aller Mumps-Infizierten, insbesondere Kinder, haben kaum oder keine Symptome. Bei Kleinkindern unter zwei Jahren verläuft sogar der Großteil der Mumpsinfektionen subklinisch. Vor dem 5. Lebensjahr sind in 40 bis 50 Prozent der Fälle nur akute respiratorische Symptome wie leichter Katarrh und subfebrile Temperaturen die einzigen Hinweisgeber.

Komplikationen

Mumps ist eine komplikationsträchtige Erkrankung. Das Risiko nimmt mit steigendem Alter zu. Männer sind öfter betroffen als Frauen. Weitere Risiken sind:

  • Orchitis
  • Ertaubung
  • Pankreatitis
  • Oophoritis, Adnexitis
  • Thyreoiditis
  • Prostatitis
  • Mastitis
  • Myokarditis
  • Nephritis
  • Iritis
  • Polyarthritis
  • Anämie

ZNS-Beteiligung

Mit ca. 60 Prozent gehört die ZNS-Beteiligung zu den häufigsten Komplikationen. Zentral-neuronale Symptome manifestieren sich meist vier bis fünf Tage nach der Parotitis und dauern sieben bis zehn Tage an. Sie können der Parotitis vorangehen oder das einzige Symptom von Mumps sein.

Bei bis zu 50 Prozent der Fälle besteht nur eine asymptomatische Pleozytose. Bis zu 1 Prozent der Infizierten erkrankt an einer Enzephalitis. Hinweisgebende Symptome sind Krampfanfälle, Benommenheit, Bewusstseinseintrübung und Koma sowie Hirnnervenlähmungen und Hemiplegien. Eine Mumps-Enzephalitis endet in 1,5 Prozent der Fälle letal.

1 bis 10 Prozent der Mumpsinfizierten leiden an einer symptomatischen aseptischen Meningitis. Anzeichen dafür sind Kopfschmerzen, Nausea, Emesis, Photophobie und Nackensteifigkeit. Eine Meningitis ist in der Regel nicht mit persistierenden Spätfolgen oder tödlichem Ausgang assoziiert.

Cave: Bei jeder aseptischen Meningitis ist eine Mumpsinfektion differentialdiagnostisch abzuklären.

Orchitis  

Mit 15 bis 30 Prozent gehört die Mumpsorchitis zu den häufigeren Komplikationen bei männlichen postpubertären Adoleszenten und jungen Männern. Sie tritt in 15 bis 30 Prozent der Fälle bilateral auf. Üblicherweise steigt das Fieber vier bis acht Tage nach der Parotitis (unter Umständen auch ohne) für etwa ein bis zwei Wochen an. Zudem ist das Skrotum schmerzhaft, überwärmt, ödematös geschwollen und gerötet. Eine testikuläre Atrophie wird in 40 bis 70 Prozent und ein abnormes Spermatogramm bei bis zu 25 Prozent der Betroffenen beschrieben. Eine daraus resultierende Sterilität ist zwar gefürchtet, aber selten.

Ertaubung

Bei circa 4 Prozent der Mumpsinfektionen bleibt eine transiente Taubheit im Hochfrequenzbereich bestehen. Eine persistierende unilaterale Taubheit tritt bei einem von 20.000 Mumps-Patienten auf.

Pankreatitis

Bei ebenfalls etwa 4 Prozent entwickelt sich gegen Ende der ersten Krankheitswoche eine Mumps-Pankreatitis. Diese äußert sich durch plötzliche Inappetenz, Nausea, Emesis, epigastrische Schmerzen und Steatorrhoe. Mitunter fällt eine transitorische Glykosurie und Azetonurie auf.

Schwangerschaft

Eine Ansteckung während der Schwangerschaft führt nicht zu einer erhöhten Rate an kongenitalen Missbildungen. Frühere Hinweise auf eine gesteigerte Fehlbildungs- und Abortrate infolge einer Mumpsinfektion während des ersten Trimesters sind bislang nicht bestätigt. Ebenso gibt es keine klassische Mumps-Embryopathie.

Mumps und Diabetes

Einzelfallberichte beschreiben eine transitorische Glukoseverwertungsstörung und das Auftreten von Inselzellantikörpern. Dennoch besteht nach derzeitiger Lehrmeinung kein direkter Kausalzusammenhang zwischen Mumps und Diabetes Typ 1.

Diagnostik

Aufgrund des typischen Krankheitsbilds von Mumps wird die Diagnose häufig klinisch anhand der charakteristischen Ohrspeicheldrüsenschwellung gestellt (Blickdiagnose). Dennoch sollte bei den heutzutage niedrigen Mumps-Inzidenzen eine Laboruntersuchung zur Diagnosesicherung veranlasst werden. Insbesondere hält das RKI die Labordiagnostik (Serologie und PCR) bei Infektionen von Geimpften für unerlässlich.

Labordiagnostisch gibt es mehrere Methoden zum Nachweis von Viren und spezifischen Antikörpern.

De Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA) ist ein immunologisches Verfahren, um virusspezifische IgM-Antikörper bei akuter Mumpsinfektion zu detektieren. IgM-Antikörper sind bereits in den ersten Tagen der Erkrankung nachweisbar. Ihr Maximum erreichen sie etwa sieben Tage nach Symptombeginn und sie bleiben über Wochen erhöht. Erkranken gegen Mumps geimpfte Personen, ist IgM trotz Infektion häufig nicht nachweisbar. In diesen Fällen empfiehlt das RKI eine weitere Serumprobe im Abstand von 10 bis 14 Tagen. Zwischen den beiden Serumproben wird der Titer verglichen und ggf. ein signifikanter IgG-Antikörperanstieg (> 4-facher Anstieg) festgestellt. Ein ausbleibender Titer-Anstieg schließt Mumps bei Geimpften allerdings nicht sicher aus. Deshalb ist bei geimpften Patienten neben der Serologie unbedingt eine RT-PCR aus Urin, Rachenabstrich oder Zahntaschenflüssigkeit (oral fluid) – möglichst umgehend nach Symptombeginn – empfohlen.

Die Proben für die PCR können kostenfrei im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Masern, Mumps, Röteln durchgeführt werden. Eine PCR ist in speziellen Fällen (zum Beispiel bei ZNS-Manifestationen) auch aus Liquor oder Biopsie¬material möglich. Bei positivem RNA-Nachweis ist ggf. eine Mumps¬virus-Genotypisierung indiziert.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnosen bei Mumps sind Sialadenose, Sialadenitis und Sialolithiasis sowie virale Infektionen mit dem:

  • Epstein-Barr-Virus (Mononukleose)
  • Parvovirus B19 (Ringelröteln)
  • Parainfluenzavirus Typ 1 und 3
  • Influenzavirus A
  • Coxsackievirus
  • Adenovirus 

Therapie

Eine Kausalbehandlung bei Mumps gibt es nicht. Die symptomatische Therapie beschränkt sich in der Regel auf körperliche Schonung und die Anpassung der Kostform. Milde Getränke und weiche Speisen können vielfach besser geschluckt werden. Wadenwickel, Paracetamol und Ibuprofen sind zur Fiebersenkung – letztere auch zur Analgesie – geeignet. Bei ausgeprägten Krankheitsverläufen bzw. Komplikationen ist unter Umständen die Gabe von Kortikosteroiden gerechtfertigt.

Prognose

Mumps ist eine überwiegend akute, selbstlimitierende Erkrankung mit guter Prognose. Chronische Verläufe sind selten. Unkomplizierte Infektionen heilen meist folgenlos aus.

Je älter der Betroffene bei Ansteckung ist, umso größer ist das Risiko für Komplikationen. Mitunter bleiben lebenslange Auswirkungen wie beispielsweise Innenohrschwerhörigkeit bzw. Taubheit, Hirnnervenlähmungen und Infertilität bestehen.

Prophylaxe

Die wirksamste Präventivmaßnahme ist die Immunisierung. Bei allen Kindern, seronegativen Adoleszenten und Erwachsenen wird eine zweimalige Impfung zum Schutz vor Mumps empfohlen. Eine Altersbegrenzung für die Impfung gibt es nicht.

Spezielle Immunglobuline zur passiven Immunisierung sind derzeit nicht verfügbar.

Mumps-Impfung

Die Mumps-Vakzine sind ein Lebendimpfstoff. Sie bewirken eine humorale und zellulär-vermittelte Immunität. Der Impfstoff enthält attenuierte, auf Hühnerembryozellen gezüchtete Mumpsviren vom Stamm Jeryl Lynn bzw. davon abgeleitet RIT 4385. Seit dem Jahr 1976 ist der Impfstoff als Masern-Mumps-Röteln- bzw. seit 2006 als Masern-Mumps-Röteln-Varizellen-Kombinationsimpfstoff (MMR- bzw. MMRV-Vakzine) zugelassen.

Ab 1976 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) Berlin eine einmalige Mumps-Impfung ab dem 2. Lebensjahr. Seit 1991 weitete sich die Empfehlung auf eine Gabe von zwei Impfdosen aus. Diese sollten im 2. und 6. Lebensjahr verabreicht werden – vorzugsweise als MMR-Kombinationsimpfstoff.

Seit 2001 gilt die bis heute (2019) gültige Impfempfehlung. Die erste Dosis wird zwischen 11 und 14 Lebensmonaten und die zweite Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten verabreicht.

Bei nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder nur einer Impfung in der Kindheit besteht laut RKI eine berufliche Indikation für eine Immunisierung, wenn sie Tätigkeiten ausüben in:

  • Gesundheitsdienstberufen in der unmittelbaren Patientenversorgung
  • Gemeinschaftseinrichtungen
  • Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene

Maßnahmen bei Erkrankten

An Mumps erkrankte Patienten sollten in stationärer Umgebung von anderen Patienten getrennt untergebracht werden.

In Gemeinschaftseinrichtungen dürfen nach § 34 IfSG an Mumps erkrankte oder dessen verdächtige Personen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstige Tätigkeiten (bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben) ausüben, bis ein Arzt die Ansteckungsfähigkeit und damit die Weiterverbreitung der Krankheit als beendet erklärt hat.

Ebenso dürfen in Gemeinschaftsinstitutionen Betreute, die an Mumps erkrankt oder dessen verdächtig sind, nicht:

  • die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume betreten
  • etwaige Einrichtungen nutzen
  • an deren Veranstaltungen teilnehmen

Gemeinschaftseinrichtungen dürfen nach Abklingen der klinischen Beschwerden, jedoch frühestens fünf Tage nach dem Beginn der Mumps-Erkrankung, wieder besucht werden. Ein schriftliches ärztliches Attest über die Symptomfreiheit muss nicht vorliegen.

Maßnahmen bei Kontaktpersonen

Personen, in deren Wohngemeinschaft vom Arzt eine Mumpsinfektion bestätigt oder ein Mumps-Verdacht ausgesprochen wurde, gelten als ansteckungsverdächtig. Sie dürfen nach IfSG § 34 Abs. 3 solange nicht in Gemeinschaftseinrichtungen tätig sein oder Kontakt zu Betreuten haben bzw. diese als Betreute besuchen, bis nach ärztlichem Ermessen eine Weiterverbreitung der Krankheit sicher ausgeschlossen wurde.

Maßnahmen bei Ausbrüchen

Gemäß IfSG § 34 Abs. 6 muss die Leitung von Gemeinschaftseinrichtungen Mumps-Erkrankungen in ihrer Institution unverzüglich dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Nur so kann das Gesundheitsamt zeitnah Schritte zur Verhütung weiterer Erkrankungen einleiten.

Wichtigste Maßnahme, um eine weitere Ausbreitung der Mumpsinfektion zu verhindern, ist die postexpositionelle Impfung bisher ungeimpfter bzw. nur einmal geimpfter Kontaktpersonen. Diese sogenannte Riegelungsimpfung sollte möglichst innerhalb der ersten drei Tage nach Erreger-Exposition erfolgen.

Meldepflicht gemäß IfSG

Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG muss dem Gesundheitsamt der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Mumps namentlich gemeldet werden. Gemäß § 7 Abs. 1 IfSG ist eine namentliche Meldung ebenso für den direkten oder indirekten Nachweis von Mumpsviren, soweit Hinweise auf eine akute Infektion vorliegen, vorgeschrieben.

Das Gesundheitsamt muss die Meldungen spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vorliegen haben.

In § 8 IfSG sind die zur Meldung verpflichteten Personen gelistet. § 9 IfSG legt fest, welche Angaben an das Gesundheitsamt weiterzugegeben sind.

Benachrichtigungspflicht gemäß IfSG

Gemäß § 34 Abs. 6 IfSG müssen Leiterinnen und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich benachrichtigen, wenn:

  • in ihrer Einrichtung betreute oder betreuende Personen an Mumps erkrankt bzw. dessen verdächtig sind oder
  • betreute oder betreuende Personen in den Wohngemeinschaften der Einrichtung eine ärztlich bestätigte Erkrankung an bzw. einen ärztlich geäußerten Verdacht auf Mumps haben.

Übermittlung

Gemäß § 11 Abs. 1 IfSG übermittelt das Gesundheitsamt nur Erkrankungs- oder Todesfälle und Erregernachweise an die zuständige Landesbehörde, die der Falldefinition gemäß § 11 Abs. 2 IfSG entsprechen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 28.10.2019

Quelle:
  1. Robert Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Mumps. Stand 20. Dezember 2013.
     
  2. Speer, C. P. et al.: Pädiatrie. Springer Verlag. 5. Auflage, 18. Dezember 2018.
     
  3. Berner, R. et al.: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie DGPI. Thieme Verlag. 7. Auflage, 05. September 2018.
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