Neueinführung Alprolix

Alprolix enthält den Wirkstoff Eftrenonacog alfa (rFIXFc) und wird zur Behandlung von Patienten mit Hämophilie B (Christmas-Krankheit) eingesetzt. Das Medikament ist grundsätzlich für alle Altersgruppen geeignet. Für den Einsatz bei zuvor unbehandelten Patienten und Patienten über 65 Jahren gibt es bislang aber nur begrenzte Erfahrungen.

Hämophilie

Eftrenonacog alfa ist ein langwirksames Fusionsprotein. Es besteht aus dem Gerinnungsfaktor IX (Christmas-Faktor), der kovalent an das Fc-Fragment des humanen Immunglobulins G1 gebunden ist. Dadurch konnte die Halbwertszeit des Blutgerinnungsfaktors verlängert werden.

Mit der Fc-Domäne bindet IgG1 an den lebenslang exprimierten membranständigen neonatalen Fc-Rezeptor und schützt so Immunglobuline - und auch Eftrenonacog alfa - vor dem lysosomalen Abbau.

Dosierung von Alprolix

Alprolix wird als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung mit 250 IE, 500 IE, 1000 IE, 2000 IE und 3000 IE angeboten. Für eine effiziente Blutungsprophylaxe empfiehlt der Hersteller für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene 50 IE pro Kilogramm Körpergewicht einmal pro Woche oder 100 IE pro Kilogramm Körpergewicht alle zehn Tage. Für Kinder unter zwölf Jahren beträgt die empfohlene Dosis 50 bis 60 IE pro Kilogramm Körpergewicht alle sieben Tage. Dosisintervall und Dosierung können im Therapieverlauf individuell angepasst werden.

Studien und Hintergrundwissen

Für die Zulassung von Alprolix waren vor allem zwei multinationale, nicht-verblindete, pivotale Studien relevant. Die erste Studie umfasste als Phase-III-Studie 123 Patienten zwischen 12 und 71 Jahren. Studie 2 war eine pädiatrische Phase-III-Studie, an der 30 Kinder unter 12 Jahren teilnahmen. Alle Probanden waren vorbehandelt und litten mit einer maximal zweiprozentigen endogenen Faktor-IX-Aktivität an einer schweren Hämophilie B.

Studie 1: 90 Prozent der Blutungen mit einmaliger Injektion kontrolliert

In Studie 1 wurde den Patienten über einen Zeitraum von bis zu 77 Wochen Alprolix einmal wöchentlich, in einem individualisierten Dosisintervall (beginnend mit einer Zeitspanne von zehn Tagen zwischen zwei Injektionen) oder alternativ bei Bedarf verabreicht. Zu Beginn der Behandlung wurden im ersten Arm mit wöchentlich routinemäßigem Dosierungsintervall 50 IE pro Kilogramm Körpergewicht injiziert. Im zweiten Arm mit individualisiertem Dosierungsintervall erhielten die Patienten 100 IE pro Kilogramm Körpergewicht. Die medianen annualisierten Blutungsraten betrugen:

  • 2,95 bei der wöchentlichen Gabe
  • 1,38 bei individualisiertem Dosisintervall
  • 17,69 bei der Bedarfstherapie.

Bei 42 Prozent der Patienten mit individualisierter Prophylaxe und 23 Prozent mit wöchentlicher Prophylaxe traten keine Blutungsepisoden auf. Insgesamt kam es in der Studie zu 636 Blutungsereignissen. Davon konnten 90,4 Prozent mit einer einmaligen Alprolix-Injektion kontrolliert werden und 97,3 Prozent mit zwei oder weniger Injektionen.

Studie 2: 75 Prozent der Blutungen bei Kindern mit erster Injektion kontrolliert

Studie 2 verlief über einen Zeitraum von 52 Wochen. Alle teilnehmenden Kinder wurden nach einem individualisierten Dosierungsschema behandelt. Zu Beginn wurden 50 bis 60 IE Eftrenonacog alfa pro kg Körpergewicht in wöchentlichem Rhythmus gespritzt. Anschließend wurde die Dosis bedarfsgerecht bis zu maximal 100 IE pro Kilogramm Körpergewicht mindestens ein- bis höchstens zweimal wöchentlich angepasst. Die annualisierte Blutungsrate betrug hier 1,97.

33 Prozent der Kinder erlitten gar keine Blutungsepisoden. Von den 60 in Studie 2 beobachteten Blutungsereignissen konnten 75 Prozent mit einer Injektion kontrolliert werden und insgesamt 91,7 Prozent der Blutungsepisoden mit zwei oder weniger Injektionen.

Hämophilie B ist eine hereditäre Koagulopathie mit einem Mangel an Faktor IX der Blutgerinnungskaskade (Christmas-Faktor). Sie wird X-chromosomal rezessiv vererbt, sodass fast ausschließlich Männer daran erkranken. Insgesamt ist Hämophilie B nach Hämophilie A die zweithäufigste Form der Hämophilie. Die Symptome können von episodenhafter Symptomfreiheit bis zu lebensbedrohlichen Blutungen variieren.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 01.06.2016

Quelle:

European Medicines Agency (EMA)

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