Alzheimer bei Mäusen reversibel

Wissenschaftlern aus Manchester ist es gelungen, Alzheimer Symptome bei Mäusen vollständig aufzuheben. Der erstaunliche Erfolg wurde mit Mefenaminsäure, einem Vertreter aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID), erbracht.

Forscherin mit Mikroskop

Noch konnte der Gedächtnisverlust nur im Mausmodell gestoppt werden. Das britische Forscherteam ist aber bereits in Vorbereitung einer Phase-II-Studie, mit der gezeigt werden soll, ob der Erfolg auch auf den Menschen übertragbar ist. Dr. Doug Brown, Forschungsleiter der amerikanischen Alzheimergesellschaft, setzt große Hoffnungen in Mefenaminsäure als neue Demenzdroge. Er warnt jedoch davor, bereits jetzt Mefenaminsäure-haltige Medikamente gegen Alzheimer-Demenz einzusetzen.

Wirkweise von Mefenaminsäure

Mefenaminsäure ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum aus der Gruppe der Anthranilsäurederivate, auch Fenamate genannt. Der Wirkstoff hemmt die Cyclooxygenasen Cox-1 und Cox-2 und beeinträchtigt so die Prostaglandinsynthese. Zudem blockiert Mefenaminsäure den volumenregulierten Anionenkanal VRAC in der Plasmamembran und in Folge auch das NLRP3-Inflammasom (nucleotide-binding oligomerization domain like receptors containing pyrin domain). Das NLRP3-Inflammasom ist ein zytosolischer Multiproteinkomplex, der unter anderem von den ß-Amyloid-haltigen Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten innerviert wird und das proinflammatorische Zytokin Interleukin-1ß aktiviert. Die Blockade des NLRP3-Inflammasoms über den VRAC könnte bei infektiös und nicht-infektiös ausgelösten Entzündungsprozessen wie der Alzheimer-Erkrankung, aber auch bei Gicht, Atherosklerose oder Diabetes Typ II die Symptome stoppen.

Mefenaminsäure im Mausmodell

Ein Forscherteam der University of Manchester veränderte zehn Mäuse gentechnisch so, dass sie an einer Alzheimer-typischen Demenz erkrankten. Den Tieren wurde anschließend täglich 25 mg Mefenaminsäure pro Kilogramm Körpergewicht über eine implantierte Minipumpe injiziert. Nach einer einmonatigen Behandlung waren die Mäuse frei von kognitiven Beeinträchtigungen. Ebenso konnten bei der Sektion der Mäusegehirne keine Alzheimer-typischen Veränderungen gefunden werden.

Zukunftsaussichten

Wenn der Erfolg aus dem Mausmodell auch auf den Menschen übertragen werden kann, steht mit Mefenaminsäure als NLRP3-Inflammasom-Inhibitor ein vielversprechendes Therapeutikum zur Verfügung. Dabei hat Mefenaminsäure den großen Vorteil, dass es bereits Medikamente mit diesem Wirkstoff in der Humanmedizin gibt. Bei einem völlig neu entwickelten Wirkstoff würden mehrere Jahre bis zur Zulassung am Menschen vergehen. Vorerst bleibt aber abzuwarten, wie sich Mefenaminsäure im menschlichen Gehirn bewährt. Denn leider lässt sich nicht jeder therapeutische Erfolg, der im Maus-Experiment funktioniert, auch im humanen Organismus reproduzieren.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 30.08.2016

Quelle:

www.nature.com

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