Bcl-3 – Auslöser von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen entdeckt

Allem Anschein nach ist das Onkogen Bcl-3 Auslöser von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Zu diesem Ergebnis kamen Forscher aus Mainz und München.

Bcl-3 – Auslöser von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen entdeckt

Bislang sind die Ursachen oder Auslöser für chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht bis ins letzte Detail entschlüsselt. Nach heutiger Auffassung beruhen CED auf einer gestörten körpereigenen Immunabwehr. Folge ist eine intestinale Intoleranz gegenüber mikrobiellen Antigenen und die Darmmucosa reagiert inflammatorisch. Offenbar sind Wissenschaftler jetzt einen Schritt weiter in der Ursachenforschung chronischer Darmentzündungen. Wissenschaftler der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Instituts für Diabetes und Adipositas des Helmholtz Zentrums München deckte einen biochemischen Mechanismus auf, der als Auslöser für die Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen fungiert.

Erhöhte Bcl-3-Konzentration bei CED

Das Forscherteam fand heraus, dass die Konzentration des onkogenen Proteins Bcl-3 im Darm von Patienten mit Colitis ulcerosa erhöht war. Wie genau Bcl-3 Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Co. begünstigt, publizierten sie im Fachmagazin Nature Communications (2017; DOI:10.1038/NCOMMS15069).

Demnach greift Bcl-3 die regulatorischen T-Zellen (Tregs) an. Diese spielen eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der intestinalen Immunhomöostase. Dabei hemmen sie die Bildung von Zytokinen in TH1 und TH2-Zellen. Zudem werden Tregs als Toleranz-Mediatoren im Intestinaltrakt gebraucht. Bislang gibt es Studien, die belegen, dass eine gestörte Tregs-Entwicklung und –Funktion die Entstehung einer CED begünstigen. Man wusste allerdings nicht, welche modularen Faktoren genau für die Funktionalität der Treg–Zellen verantwortlich sind.

Das Onkogen Bcl-3

Den Wissenschaftlern aus Mainz und München zufolge inhibiert Bcl-3 die Aktivierung von Treg-Zellen. Elke Glasmacher, Gruppenleiterin am Institut für Diabetes und Adipositas des Helmholtz Zentrums München und Wissenschaftlerin im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung: „Wir konnten zeigen, dass Bcl-3 die Aktivierung von Treg unterbindet, indem es das Ablesen dafür notwendiger Gene verhindert. Denn Bcl-3 interagiert mit dem Transkriptionsfaktor p50, der für die Aktivierung notwendig wäre, und blockiert ihn.“ Das intestinale Immunsystem wird also fehlreguliert und entzündliche Mucosaveränderungen sind die Folge. Je mehr Bcl-3 vorhanden sind, umso heftiger fallen die Inflammationen - und dementsprechend die Beschwerden - aus.

Bcl-3 als neuer therapeutischer Ansatzpunkt

Die neue Erkenntnis über den Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Bcl-3 birgt möglicherweise einen neuen Therapieansatz. Damit würde sich das Therapiemanagement bei Colitis und Co. bahnbrechend verändern. Damit dieser Ansatz kein langfristiges Luftschloss bleibt, forschen die Mainzer Wissenschaftler bereits an Wirkstoffen, die die Interaktion zwischen dem Onkogen Bcl-3 und dem Transkriptionsfaktor p50 unterbinden. In Folge sollte die intestinale Immunhomöostase wieder hergestellt sein und inflammationsbedingte colitische Schübe verschwinden. Ob, wann und wie CED-Patienten tatsächlich von dieser neuen Behandlungsoption profitieren, bleibt vorerst aber noch abzuwarten.


Datum: 17.05.2017

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Quelle: Nature Communications, Uni-Mainz