Beschleunigte Zulassung für orales Ivermectin gegen Skabies

Ivermectin ist nach einem beschleunigten Zulassungsverfahren seit dem 1. Mai zur oral applizierbaren Therapie verfügbar.

Beschleunigte Zulassung für orales Ivermectin gegen Skabies

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilte bereits am 25. Februar 2016 in einem dezentralisierten Verfahren die Zulassung für Ivermectin in Tablettenform. Das Medikament wird unter dem Namen Scabioral mit 3 mg Ivermectin erhältlich sein. Das freut insbesondere die medizinisch Verantwortlichen in Sammelunterkünften für Flüchtlinge. Gerade dort besteht ein erhöhtes Risiko für Skabies-Ausbrüche. Mit Ivermectin als Tablette ist man nun deutlich besser für etwaige Fälle gerüstet.

Anwendung von Scabioral

Scabioral darf zur Therapie von Scabies gegeben werden, wenn die Diagnose klinisch und/oder durch parasitologische Untersuchungen gesichert ist. Pruritus ohne entsprechende dermatologische Hinweise rechtfertigt den Einsatz hingegen nicht. Scabioral sollte als einmalige Gabe von 200 µg Ivermectin pro Kilogrammkörpergewicht verordnet werden. Bei einem Körpergewicht von 70 kg wären das 5 Tabletten mit je 3 mg Wirkstoff. Die Tabletten sollten alle zur gleichen Zeit eingenommen werden. Mitunter ist es erforderlich, die Behandlung mit einer zweiten Einzeldosis innerhalb von 8 bis 15 Tagen zu wiederholen. Alle Personen, die mit dem Skabies-Patienten in Kontakt waren, sollten sich schnellstmöglich medizinisch untersuchen lassen. Im Bedarfsfall sind auch die Kontaktpersonen mit Verdacht auf Krätze zu therapieren.

Jeweils 2 Stunden vor und nach der Einnahme von Scabioral sollte nichts gegessen werden. Für Kinder können die Tabletten zum erleichterten Schlucken zerkleinert werden. Sicherheit und Wirksamkeit bei der Anwendung an Kindern mit weniger als 15 Kilogramm Körpergewicht wurde bislang nicht untersucht.

Weitere Indikationen

Scabioral wird nicht nur zur Skabies-Therapie angewandt. Weitere Indikationen sind die gastrointestinale Strongyloidiasis (Anguillulosis) sowie eine vermutete oder diagnostizierte Mikrofilarämie bei Patienten mit einer durch Wuchereria bancrofti verursachten lymphatischen Filariose. Bei diesen Erkrankungen gelten andere Einnahme- und Anwendungsempfehlungen als bei Scabies.

Neue Leitlinie in Arbeit

Nach der Markteinführung von Scabioral wird laut Prof. Dr. Cord Sunderkötter, verantwortlicher Autor und Koordinator der AWMF-Leitlinie „Skabies“, die Leitlinie zur Krätze-Behandlung novelliert werden müssen. Dabei soll Ivermectin zunächst als Folgebehandlung für ansonsten gesunde Patienten empfohlen werden, die nicht von einer Vorbehandlung mit Permethrin profitierten. Als Therapeutikum der 1. Wahl gilt oral appliziertes Ivermectin, bei immunsupprimierten Patienten, Patienten mit sehr ekzematöser oder erosiver Haut sowie bei Patienten, bei denen keine korrekte topische Ganzkörperbehandlung möglich ist. Gründe dafür können körperliche Behinderungen, kognitive Einschränkungen sowie größere organisatorische Schwierigkeiten wie beispielsweise in Sammelunterkünften sein.

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