Frau nimmt Tablette zu sich

Nachfolger von Levetiracetam. Der neue Wirkstoff ist für die Zusatzbehandlung fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren indiziert.

Briviact: gut verträglich und einfaches Therapieregime

 Mit Briviact erweitert sich das Portfolio der Antiepileptika um ein neues Antikonvulsivum, dass bei Nichtansprechen einer Therapie eine alternative Therapieoption darstellt. Briviact muss nicht titriert werden. Vom ersten Behandlungstag an ist die Gabe der therapeutischen Dosis möglich. Die Hersteller hoffen, dass das daraus resultierende einfache Einnahmemuster die Patienten-Compliance erhöht. Weiterer Vorteil ist das geringe Arzneimittel-Interaktionsrisiko von Brivaracetam. Bislang sind beispielsweise keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit anderen Antiepileptika oder oralen Kontrazeptiva bekannt.  In den Zulassungs-Studien wurde eine verlässliche Anfallskontrolle oder Anfallsfreiheit bei unzureichend eingestellten Patienten nachgewiesen, nachdem diese zusätzlich Briviact erhielten.

Neurologen begeistert

Viele Neurologen setzen in Briviact große Hoffnungen. Prof. Dr. Martin Holtkamp, Medizinischer Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg aus Berlin, sieht als hervorstechende Eigenschaft von Briviact „die gute Verträglichkeit bei gleichzeitig adäquater Wirksamkeit". Auch Dr. Stephan Arnold, Facharzt für Neurologie aus München, bezeichnet das neue Medikament als eine sehr gute Option, wenn eine Add-on-Therapie die Behandlungsmethode der Wahl ist. „Die Gründe dafür sind: Gute Verträglichkeit, einfaches Therapieregime und niedriges Interaktionspotenzial. Das sind Charakteristika, die ein weiteres Patientenspektrum eröffnen: von Patientinnen, die Kontrazeptiva nutzen, bis hin zu Senioren mit einer Multimedikation.", so Arnold.

Wirkweise von Brivaracetam

Brivaracetam ist - wie sein Vorgänger Levetiracetam - ein Ligand am synaptischen Vesikelprotein 2A (SV2A). SV2A sind Transmembranglykoproteine, die sich auf präsynaptischer Ebene in Neuronen und endokrinen Zellen befinden. Zudem inhibiert der Wirkstoff spannungsabhängige Natriumkanälchen im neuronalen System. Die Bindung an SV2A wird jedoch für den primären antikonvulsiven Wirkmechanismus verantwortlich gemacht.  In Tiermodellversuchen an Mäusen konnte gezeigt werden, dass Brivaracetam weit stärker antikonvulsiv wirksam ist als Levetiracetam. Gründe sind UCB zufolge die selektive Bindung und eine etwa zehnfach höhere Affinität zum synaptischen Vesikel-Protein 2A-Rezeptor, als sie sein Vorgänger aufweist. Somit kann Briviact besser präventiv die Anfallsaktivität kontrollieren.

Darreichungsformen

Briviact wird als Filmtablette, Lösung zum Einnehmen und als Lösung zur intravenösen Injektion angeboten. Nach oraler Einnahme wird Brivaracetam fast vollständig im Gastrointestinaltrakt resorbiert und renal ausgeschieden. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt 100%. Die gleichzeitige Einnahme mit fettreicher Nahrung verlangsamt die Resorptionsrate und reduziert die maximale Plasmakonzentration. Nach intravenöser Anwendung ist die maximale Plasmakonzentration etwas höher als nach oraler Anwendung.

Nebenwirkungen

Briviact gilt als relativ gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen in den zulassungsrelevanten Studien waren insbesondere Somnolenz, Vertigo, Fatigue sowie Vomitus und Emesis.
 Antiepileptika – einschließlich Brivaracetam – sorgen mitunter für Suizidgedanken und suizidales Verhalten. Der Mechanismus dahinter ist bislang noch unklar. Patienten müssen aber in jedem Fall über die Anzeichen von Suizidgedanken aufgeklärt und dahingehend ärztlich überwacht werden. Patienten (und deren Betreuer) sollten bei suizidalen Gedanken oder Verhalten unbedingt frühzeitig ärztlichen Rat einholen.
 

Autor: Redaktion Gelbe Liste

Stand: 21.07.2016

Quelle:

UCB Pharma GmbH