Brivudin und 5-Fluoropyrimidine: Potenziell tödliche Interaktion

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft erinnert anlässlich aktueller Fallberichte mit teils tödlichem Ausgang an die Wechselwirkung zwischen Brivudin und 5-Fluoropyrimidinen.

Warnhinweis Arzneimittel

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im vergangenen Jahr noch einmal auf die potenziell tödlichen Interaktionen hingewiesen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) nahm das nun zum Anlass dazu noch einmal grundsätzlich zu informieren.

Brivudin ist ein Virustatikum, das zur Herpes-zoster-Behandlung bei immunkompetenten Erwachsenen eingesetzt wird.

5-Fluoropyrimidine sind antineoplastisch (z. B. 5-Fluorouracil und dessen Prodrugs Capecitabin und Tegafur) bzw. antimykotisch (Flucytosin) wirksam

Da Brivudin das 5-FU-abbauende Enzym Dihydropyrimidindehydrogenase (DPD) hemmt, kann es bei gleichzeitiger Gabe von Brivudin und 5-Fluoropyrimidinen zur Akkumulation und verstärkten 5-FU-Toxizität kommen.

Deshalb gibt die AkdÄ die folgenden Warnhinweise:

  • Brivudin darf nicht in Kombination mit 5-FU (einschließlich seiner topischen Zubereitungen), dessen Prodrugs wie Capecitabin oder Tegafur sowie anderen 5-Fluoropyrimidinen wie Flucytosin verabreicht werden.
  • Zwischen der Anwendung von Brivudin und Behandlung mit 5-Fluoropyrimidinen muss ein Abstand von mindestens vier Wochen eingehalten werden.
  • Bei Patienten, die kürzlich Brivudin erhalten haben, sollte vor Behandlung mit 5-Fluoropyrimidinen die Aktivität der DPD bestimmt werden.
  • Treten Symptome einer 5-FU-Toxizität, wie verstärkte Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, schwere Schleimhautentzündungen, Ulzerationen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Knochenmarkdepression, auf, sollte die Behandlung sofort abgebrochen werden. Zusätzlich sollen Maßnahmen zur Verringerung der 5-FU-Toxizität ergriffen werden
  • Werden beide Arzneimittel versehentlich gleichzeitig gegeben, ist die Behandlung sofort abzubrechen, der Patient sollte stationär eingewiesen werden.
  • Als Antidot einer 5-FU- oder Capecitabin-Intoxikation kann das in Europa nicht zugelassene Uridintriacetat eingesetzt werden, es muss dann aus dem Ausland gemäß §73 Abs. 3 importiert werden. Krankenhausapotheken können es auf Vorrat lagern. Alternativ kann Uridin als Rezeptursubstanz verwendet werden, um eine Individualrezeptur herzustellen.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 06.03.2019

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