Cefiderocol neues Harnwegs-Antibiotikum in Studien wirksam

Cefiderocol ist das erste Antibiotikum der Siderophor-Cephalosporine, das sich In einer Phase-II-Studie als wirksam gegen Harnwegsinfektionen erwiesen hat.

Harnwegsinfektion

Cefiderocol wurde entwickelt, um dem wachsenden Problem der Resistenzbildung gramnegativer Bakterien gegen Carbapenem zu begegnen.
Bakterien nutzen drei Mechanismen, um sich gegen Antibiotika zu wehren:

  • Bakterien besitzen zwei äußere Mmembranen, die das Eindringen in die Zelle erschweren.
  • Die Aufnahme von Fremdsubstanzen wird über Porinkanäle reguliert.
  • Effluxpumpen befördern Antibiotika, die es in die Zelle geschafft haben, wieder nach draußen.

Was ist Cefiderocol?

Das japanische Pharmaunternehmen Shionogi Seiyaku hat die Struktur des Cephalosporins modifiziert, damit es sich wie ein trojanisches Pferd den Resistenzmechanismen entziehen kann. Dazu wurde das Molekül um ein Katechol erweitert, das wie ein Chelat freies Eisen bindet. Für den Eintritt in das Bakterium nutzt Cefiderocol dann den aktiven Eisentransporter, der für die Bakterien unverzichtbar ist, da der Bakterien-Stoffwechsel auf das Eisen angewiesen ist.

Cefiderocol ist außerdem gegenüber allen Betalaktamasen resistent. Laut Herstellers kann es auch nicht über die Effluxpumpen entfernt werden.

Studienlage Cefiderocol

Cefiderocol wurde in einer Studie mit 448 erwachsenen Patienten, die an einer komplizierten Harnwegsinfektion litten, mit Imipenem-Cilastin verglichen. Dabei war Cefiderocol bei 73 Prozent der Patienten wirksa, Imipenem-Cilastin dagegen bei 55 Prozent.

Da Cefiderocol in der Studie mit Imipenem verglichen wurde, konnten Patienten mit Carbapenem-resistenten Erregern nicht gezeigt werden. Die  Wirksamkeit gegen Carbapenem-resistente Bakterien soll aber im Zuge der begonnen  beiden Phase-3-Studien (CREDIBLE-CR und APEKS-NP) untersucht werden. Nach dem erfolgreichem Abschluss der beiden Studien dürfte es zu einer Zulassung des neuen Wirkstoffes kommen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen traten unter Cefiderocol bei 41 Prozent der Studienteilnehmer auf, bei Inipenem-Cilastin waren es 51 Prozent. Die Nebenwirkungen betrafen bei beiden Gruppen zumeist den Magen-Darm-Trakt und äußerten sich in Durchfall, Übelkeit, Verstopfung, Bauchschmerzen und Erbrechen. Die häufigste Nebenwirkung unten den schwerwiegenden Nebenwirkungen war eine Clostridium difficile-Infektion.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 09.11.2018

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