Akzidentelle Überdosierung von Colchicin mit Todesfolge

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) berichtet über einen Fall von akzidenteller Überdosierung von Colchicin mit Todesfolge.

Gicht

Ein 73jähriger Patient nimmt 25 mg Colchicin zur Behandlung eines akuten Gichtanfalles ein und stirbt 2 Tage später an den Folgen der Vergiftung.

Die AkdÄ erachtet die Aufklärung der Patienten über eine Begrenzung der Abgabemenge als notwendig und drängt darauf, die Packungsgrößen so anzupassen, dass eine Packung nur für die Behandlung eines Gichtanfalles reicht. Außerdem bittet sie um Meldung beobachteter Fälle von unerwünschten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Colchicin, um weitere Risikofaktoren aufdecken zu können.

Anwendung von Colchicin

Akute Gichtanfälle werden mit Prednisolon und/oder nichtsteroidalen Antiphlogistika behandelt. Ist eine solche Behandlung nicht möglich, wird Colchicin als Mittel zweiter Wahl eingesetzt. Colchicin besitzt eine geringe therapeutische Breite. Eine Tagesdosis von 8 mg bzw. von 12 mg pro Gichtanfall darf nicht überschritten werden.

Colchicin ist in flüssiger und fester oraler Darreichungsform erhältlich. Die Tabletten enthalten 0,5 mg Colchicin pro Stück, die flüssige Darreichung enthält 0,5 mg Colchicin pro Milliliter. Damit ist die maximale Tagesdosis auf 16 ml bzw. 16 Tabletten limitiert.

Vergiftung durch Colchicin

Toxische Symptome treten zunächst an Organen und Geweben mit hoher Proliferationsrate auf (z. B. Gastrointestinaltrakt). Bei Erwachsenen treten Intoxikationen nach Einnahme von circa 20 mg auf. Es kann aber auch bei therapeutischer Dosierung zur Intoxikation und zum Tod kommen. Die Symptome der Vergiftung beginnen nach etwa zwei bis fünf Stunden. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Tenesmen, Koliken und Diarrhoen. Der Tod durch Atemlähmung oder Herzversagen tritt in der Regel nach zwei bis drei Tagen ein.

Behandlung einer Colchicin-Vergiftung

Es gibt kein spezielles Antidot. Die Behandlung einer Überdosierung von Colchicin erfolgt rein symptomatisch. Die Entfernung des Giftes aus dem Körper kann durch Herbeiführen von Erbrechen, Magenspülung sowie die Gabe von medizinischer Kohle versucht werden, wird aber durch die rasche Resorption des Colchicins eingeschränkt.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 20.01.2017

Quelle:

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Meistgelesene Meldungen

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Pharma News

Innere Medizin

Newsletter