Crysvita - neue Behandlung für XLH

Ende Februar wurde von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die bedingte Zulassung für das Orphan-Arzneimittel Crysvita (Burosumab) zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie (XLH) erteilt.

Kind an der Wand

Damit ist die erste Behandlung für XLH zugelassen worden, die auf die ursächliche Erkrankung abzielt. Das Arzneimittel wurde von Kyowa Hakko Kirin und Ultragenyx gemeinsam entwickelt.

Über XLH

XLH ist eine seltene, chronisch progressive Muskel-Skelett-Erkrankung, die durch einen übermäßigen Abbau von Phosphat in den Nieren infolge einer Überproduktion von FGF23 gekennzeichnet ist. Die Krankheit wird in Verbindung mit dem X-Chromosom dominant sowohl an Jungen als auch an Mädchen vererbt. XLH tritt in erster Linie bei Säuglingen auf, die Krankheit kann aber auch Erwachsene treffen. Bei Kindern verursacht XLH eine Skeletterkrankung, die zu Deformierungen der unteren Gliedmaßen führt und die Körpergröße verringert.

Die konventionelle Behandlung von XLH besteht aus mehreren täglichen Dosen von Phosphat und aktivem Vitamin D, um den Auswirkungen des FGF23-Überschusses entgegenzuwirken, was jedoch nicht die zugrunde liegende Erkrankung korrigiert.

Mit Crysvita steht nun eine neuartige Behandlung von X-chromosomaler Hypophosphatämie (XLH) mit radiologischem Nachweis der Knochenerkrankung bei Kindern ab 1 Jahr und Jugendlichen mit noch wachsendem Skelett zur Verfügung. Die CHMP-Empfehlung beruht auf den Daten aus klinischen Studien zum Antikörper bei Kindern mit XLH.

Was ist Crysvita?

Crysvita (Burosumab) ist ein rekombinanter, vollständig humaner monoklonaler IgG1-Antikörper gegen das phosphaturische Hormon Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF23).
FGF23 ist ein Hormon, das die Serumspiegel von Phosphor und aktivem Vitamin D verringert, indem es die Phosphat-Ausscheidung und die Produktion von aktivem Vitamin-D durch die Nieren reguliert. Der Wirkmechanismus von Crysvita zielt darauf ab, FGF23 zu binden und damit seine biologische Aktivität zu hemmen. Durch die Blockierung von überschüssigem FGF23 bei Patienten mit XLH soll Crysvita die erneute Absorption von Phosphat aus der Niere sowie die Produktion von Vitamin D erhöhen, das die Aufnahme von Phosphat und Kalzium durch den Darm unterstützt.

Wie wird Crysvita angewendet?

Crysvita wird unter die Haut gespritzt. Die empfohlene Dosis beträgt einmal 0,4 mg/ kg Körpergewicht zu Beginn der Behandlung und wird dann auf  0,8 mg/kg Körpergewicht alle 2 Wochen erhöht. Die Höchstdosis beträgt 90 mg alle 2 Wochen.

Studienlage

Das Arzneimittel wurde in einer laufenden Hauptstudie unter Beteiligung von 52 Kindern im Alter zwischen 5 und 12 Jahren beurteilt. Alle Kinder erhielten Crysvita enweder alle zwei Wochen oder alle vier Wochen. Als Beurteilungskriterium für die Wirksamkeit des Arzneimittels wurde der Schweregrad der Rachitis im Handgelenk und im Knie (gemessen anhand einer Skala von 0-10) genommen. Vor der Behandlung betrug der Durchschnittswert 1,9 bei den Patienten, die Crysvita alle 2 Wochen erhielten. 64 Wochen nach der Behandlung fiel der Wert um 1,0 Punkte. Bei den Patienten, die Crysvita alle 4 Wochen erhielten fiel der Ausgangswert von 1,7 um 0,8 Punkte.

Es wurde außerdem eine Verbesserung der Phosphatspiegel bei den Patienten festgestellt. Besonders auffällig war dies bei den Patienten, die das Arzneimittel alle 2 Wochen erhalten hatten.
Eine weitere Studie bei 13 kleineren Kindern zeigt, dass Crysvita auch bei Kindern von 1-4 Jahren wirksam ist.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen treten während der Behandlung auf:

  • Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen in Armen und Beinen
  • erniedrigte Vitamin-B-Spiegel
  • Ausschlag
  • Zahnschmerzen, Zahnabszesse
  • Muskelschmerzen
  • Schwindelgefühl

Kontraindikationen

Während der Behandlung mit Crysvita sind Phosphat- und Vitamin-D Präparate kontraindiziert. Keine Anwendung bei Patienten mit hohen Phosphatspiegeln oder Patienten mit einer schweren Nierenerkrankung.

Zulassungsauflagen

Der CHMP hat es dem Hersteller zur Auflage gemacht, aktualisierte Ergebnisse aus den beiden bereits laufenden Studien vorzulegen und eine weitere Studie zum Vergleich von Crysvita mit Phosphat- und Vitamin-D-Arzneimitteln zum Einnehmen bei Kindern zwischen 1 und 12 Jahren mit XLH durchzuführen und die Ergebnisse nachzureichen.
 

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 23.03.2018

Quelle:

Pressemitteilung Ultragenyx und Kyowa Kirin, European Medicine Agency

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