Warnung vor Dextromethorphan-Missbrauch

Die AMK warnt vor dem Missbrauch von Dextromethorphan. Das zentralwirksame Antitussivum sei in den letzten sechs Jahren am häufigsten mit dem Verdacht auf Missbrauch an die AMK gemeldet worden.

Blaue Kapseln

Hintergrund

Bereits im Oktober wurde der Wirkstoff Dextromethorphan (DXM) vom Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA überprüft. Als Resultat sollten die Fach- und Gebrauchsinformationen Warnhinweise zum Serotonin-Syndrom, zur Medikamentenabhängigkeit und zur Anwendung bei Kindern enthalten. In Deutschland sind alle DXM-Arzneimittel rezeptfrei erhältlich.

Aktuelle Warnung der AMK

Die AMK bittet pharmazeutisches Personal nun um besondere Aufmerksamkeit bei der Abgabe von DXM-haltigen Arzneimitteln. Insbesondere die Abgabe von Kapsel-Monopräparaten an Jugendliche oder an junge Erwachsene soll kritisch hinterfragt werden. In nahezu allen gemeldeten Missbrauchsverdachtsfällen seien DXM-Monopräparate in Kapselform verlangt worden.
Die Missbrauchsverdachtsmeldungen stammten vor allem aus dem süddeutschen Raum. Es handle sich überwiegend um männliche Personen, die nach Angaben der meldenden Apotheken in auffälliger Weise nach DXM verlangten:

  • ein Reizhusten scheint nicht gegeben zu sein,
  • wiederholter Bedarf, in immer kürzeren Zeitabständen,
  • der Kauf mehrerer Packungen wird auf eine Gruppe verteilt,
  • der Notdienst der Apotheke wird zum Erwerb der Packungen genutzt,
  • zur Begründung der Menge werden Besorgungen für Freunde vorgegeben, Alternativpräparate oder Beratungsangebote abgelehnt oder gleichzeitig mehrere Packungen gefordert,
  • DXM wird zusammen mit anderen Arzneimitteln gewünscht (z. B. Diphenhydramin), die ebenfalls missbräuchlich verwendet werden können,
  • in Einzelfällen wirken Betroffene zum Teil apathisch, verlangsamt, verwirrt oder zittrig. 

„DXM-Bombe“

Laut AMK finden sich im Internet dubiose Anleitungen zum Bau einer „DXM-Bombe“, die den Inhalt von bis zu 14 Kapseln DXM enthalten. Bei der Bauanleitung wird empfohlen vornehmlich Kapseln zu verwenden, da sich diese einfach öffnen lassen. In der Literatur lassen sich Fallberichte mit Einmaldosierungen von mehr als 1000 mg DXM finden.

Kombination mit Diphenhydramin

In 20 Prozent der Missbrauchsverdachtsfälle wurde zusätzlich nach Diphenhydramin-haltigen OTC-Arzneimitteln verlangt. Aus Sicht der AMK ist noch unklar, ob diese gezielt eingesetzt werden, um z. B. additive zentralnervöse Effekte zu erzielen, den DXM-Abbau zu verlangsamen oder potentielle Nebenwirkungen, wie Übelkeit und Erbrechen, zu vermindern.

Wirkung von DXM

DXM ist ein nichtkompetitiver Antagonist von N-Methyl-D-Aspartat-(NMDA)-Rezeptoren und Agonist von Sigma-1- und 5-HT-Rezeptoren. Die Hemmung von NMDA-Rezeptoren scheint für das Abhängigkeitspotential von DXM verantwortlich zu sein.

DXM wird über Cytochrom P450 2D6 metabolisiert. Die Aktivität dieses Enzyms ist genetisch bedingt. Etwa 10 % der Allgemeinbevölkerung sind langsame Metabolisierer von CYP2D6. Bei ihnen und bei gleichzeitiger Anwendung von CYP2D6-Inhibitoren kann es zu einer übermäßig starken und/oder verlängerten Wirkung von Dextromethorphan kommen.

Gefahr Überdosierung

Bei Überdosierungen besteht ein erhöhtes Risiko für Übelkeit und Erbrechen, Unruhe, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Herzrasen, QTc-Verlängerung, Psychosen mit visuellen Halluzinationen und Übererregbarkeit. Im Falle einer massiven Überdosierung sind Krämpfe, Atemdepression, und Koma beschrieben.

Maßnahmen gegen den DXM-Missbrauch

Laut AMK sollen Apotheker folgende Maßnahmen treffen, um dem Missbrauch entgegenzuwirken:

  • Erfragen Sie zunächst konkrete Informationen über die Anwendung und Absichten im vertraulichen und verständnisvollen Gespräch und beraten Sie eindringlich über die potentiellen Risiken.
  • Sehen Sie von der gleichzeitigen Abgabe weiterer OTC-Präparate ab, die ihrerseits (additive) zentralnervöse Effekte verursachen oder mit der Pharmakokinetik von DXM interagieren können.
  • Bei Ablehnung von Beratungsangeboten kann die Abgabe in letzter Konsequenz verweigert werden.
     

Autor: Dr. Isabelle Viktoria Maucher (Apothekerin)

Stand: 15.11.2019

Quelle:
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