3 neue Antibiotika gegen Hautinfektionen und Mukoviszidose

3 neue Antibiotika haben von der Europäischen Kommission die Zulassung erhalten. Sivextro mit dem Wirkstoff Tedizolid-Phosphat (Cubist Pharmaceuticals) und Orbaktiv mit dem Wirkstoff Oritavancin (The Medicines Company) werden zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit akuten bakteriellen Infektionen der Haut und Hautstrukturen (ABSSSI) beziehungsweise komplizierten Haut- und Weichgewebeinfektionen (cSSTI) gegeben.

3 neue Antibiotika gegen Hautinfektionen und Mukoviszidose

Vantobra mit dem schon länger bekannten Wirkstoff Tobramycin (Pari Pharma) wird zur Therapie chronischer Infektionen der Lunge mit Pseudomonas aeruginosa bei Mukoviszidose-Patienten ab 6 Jahren eingesetzt.

Tedizolid

Tedizolid (Medikament Sivextro) gehört zur Substanzklasse der Oxazolidinonen. Ein bekannter Vertreter dieser Gruppe ist Linezolid. Wie Linezolid hemmt Tedizolid die Proteinbiosynthese von Ribosomen und wirkt so gegen grampositive Bakterien, einschließlich des Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA).

Studien zufolge wirkt Tedizolid jedoch 4 bis 8 Mal stärker als Linezolid. So ist der Therapieerfolg bei einer einmal täglichen Dosis von 200 mg Tedizolid gleichwertig der zweimal täglichen Gabe von 600 mg Linezolid. Zudem verkürzt sich die Therapiedauer unter Tedizolid von 10 auf 6 Tage.

Dabei bezeichnen die Autoren die Verträglichkeit beider Wirkstoffe als ähnlich gut. Als häufige Nebenwirkungen von Tedizolid wurden Nausea, Emesis und Diarrhö sowie Cephalgie und Vertigo beschrieben.

Sivextro oral und intravenös verfügbar

Sivextro erhielt die Zulassung sowohl für die intravenöse als auch für orale Darreichungsformen. Dies ermöglicht eine flexible Umstellung der intravenösen Gabe auf eine orale Behandlung. So kann beispielsweise eine stationär begonnene Therapie unkompliziert ambulant fortgeführt werden.

Oritavancin

Oritavancin (Medikament Orbaktiv) ist ein neuer Vertreter der Lipoglykopeptid-Antibiotika. Der Wirkstoff wirkt über 3 Mechanismen auf die Zellwandbiosynthese:

Hemmung der Transglycosylierung (Polymerisations-Schritt) durch Bindung an das Stammpeptid der Peptidoglykan-Vorläufer

Hemmung der Transpeptidierung (Vernetzungs-Schritt) durch Bindung an die Peptid-überbrückenden Segmente der Zellmembran

Störung der Integrität der bakteriellen Membran.

Das führt zu einer Depolarisierung, Permeabilisierung und einem raschen Zelltod von sensiblen designierten grampositiven Bakterien, einschließlich multiresistenter Entero-, Staphylo- und Streptokokken.

Orbaktiv –- Einzeldosis ausreichend

Orbaktiv steht als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung zur Verfügung. Es wird als Einzeldosis von 1200 mg intravenös über einen Zeitraum von 3 Stunden infundiert. Studien ergaben, dass eine Einzeldosis Orbaktiv ebenso therapeutisch erfolgversprechend ist wie eine zweimal tägliche intravenöse Gabe von Vancomycin über 7 bis 10 Tage.

Tobramycin

Tobramycin (Medikament Vantobra) gehört zur Substanzklasse der Aminoglykosid-Antibiotika und wirkt primär gegen gramnegative Stäbchen, ferner auch gegen grampositive Kokken. Der Wirkstoff unterbricht die mikrobielle Proteinbiosynthese in den Ribosomen und verändert so die Zellmembranpermeabilität. Über eine progressive Zellhüllenauflösung stirbt die Zelle schließlich ab. Studiendaten zufolge ist mit einer Wirkung gegen folgende Erreger bei Mukoviszidose-Lungeninfektionen zu rechnen:

Pseudomonas aeruginosa

Haemophilus influenzae

Staphylococcus aureus.

Vantobra - Zyklusbehandlung empfohlen

Vantobra wird als Lösung für einen Vernebler angeboten. Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich 1 Ampulle (170 mg pro 1,7 ml). Die Anwendung sollte in alternierenden Zyklen von 28 Tagen erfolgen. Das heißt, nach 28 Behandlungstagen folgen 28 Tage Therapiepause. Bei der Behandlung ist zu bedenken, dass Vantobra - wie andere Aminoglykoside - Nieren und Gehör schädigen kann.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 27.04.2015

Quelle:

European Medicines Agency (EMA)

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