Dysfunktion bei Lithiumtherapie

Wissenschaftler bestätigen ein erhöhtes Risiko von endokrinen Dysfunktionen der Schild- und Nebenschilddrüse sowie das Auftreten von Nephropathien während einer Lithium-Therapie. Das ergab eine Analyse von Labordaten des Oxford University Hospitals NHS Trust von 500.000 Patienten über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Dysfunktion bei Lithiumtherapie

Wissenschaftler bestätigen ein erhöhtes Risiko von endokrinen Dysfunktionen der Schild- und Nebenschilddrüse sowie das Auftreten von Nephropathien während einer Lithium-Therapie. Das ergab eine Analyse von Labordaten des Oxford University Hospitals NHS Trust von 500.000 Patienten über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Die retrospektive Auswertung zeigte nach Anpassung der patientenspezifischen Individualfaktoren tatsächlich eine erhöhte Inzidenz renaler und endokriner Dysfunktionen. Dazu gehören Nierenerkrankungen (akut-toxische Effekte, nephrogener Diabetes insipidus und chronische Nierenfunktionsstörungen), Hypothyreoidismus sowie eine erhöhte Serum-Calcium-Konzentration.

Erhöhtes Risiko vor allem bei jungen Frauen

Endokrine und renale Funktionsveränderungen traten insbesondere bei hohen Lithium-Konzentrationen und am Anfang der Behandlung auf. Weibliche Patienten waren häufiger betroffen als männliche, jüngere Frauen öfter als Frauen über 60 Jahren.

Lithium-Therapie besser überwachen

Bekanntermaßen ist die Lithiumtherapie fester Bestandteil bei der Behandlung der bipolaren Störung, Manie oder Depression. Ferner wird Lithium angewendet, um die Wirksamkeit von Antidepressiva zu steigern oder auch um Cluster-Kopfschmerzen vorzubeugen. Diese Therapien sollten zukünftig besser überwacht werden.

Drug-Monitoring

Lithium hat eine sehr geringe therapeutische Breite (0,5 bis 1,5 mmol/l). Deshalb wird ein Drug-Monitoring empfohlen. So können zu hohe Lithiumspiegel erkannt und Lithiumintoxikationen vermieden werden.

Kontrolle von Blutparametern

Um Funktionsveränderungen der Schild- und Nebenschilddrüse sowie der Nieren frühzeitig zu erkennen, sind Laborkontrollen indiziert. So sollten regelmäßig neben den Lithiumwerten die Kreatinin-, Calcium-, Thyrotropin-, TSH- und HbA1c-Spiegel sowie die Kreatinin-Clearance gemessen werden.

Begleitmedikation beachten

Viele Wirkstoffe können die renale Ausscheidung von Lithium negativ beeinflussen. Um das Risiko einer Überdosierung zu minimieren sollten insbesondere Analgetika, Antiepileptika, ACE-Hemmer und Saluretika auf der Patientenkartei vermerkt und bei der Dosisrate bedacht werden.

Halsumfang und Körpergewicht

Wie bereits in der S3-Leitlinie zur Therapie bipolarer Störungen festgelegt, sind auch weiterhin regelmäßig der Halsumfang und das Körpergewicht zu überwachen.

Intensive Beratung und vor allem bei jungen Frauen

Vor allem jüngere Patientinnen sollten vor einer Lithium-Therapie über mögliche Funktionsveränderungen von Neben- und Schilddrüse sowie der Nierenfunktion aufgeklärt werden. So können sie bei Symptomen wie Oligurie, Polyurie und Polydipsie, unerklärlichen Gewichtszunahmen, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche oder Dysphagien frühzeitig den Arzt aufsuchen.

Originaldatei: http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(14)61842-0.pdf

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 16.07.2015

Quelle:

The Lancet

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