Neueinführung Empliciti

Empliciti ist ein neu zugelassenes immunstimulierendes und indirekt zytotoxisch wirkendes Medikament. Es enthält den Wirkstoff Elotuzumab und wird in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zur Therapie von erwachsenen Patienten mit Multiplem Myelom eingesetzt, die mindestens eine vorausgegangene Behandlung erhielten.

Ärzte im Gespräch

Empliciti soll die Überlebensrate und Krankheitsprogression bei Multiplem Myelom signifikant verbessern. Die Therapie sollte von einem in der Behandlung des Multiplen Myeloms erfahrenen Arztes eingeleitet und überwacht werden.

Wirkweise von Empliciti

Empliciti ist ein Zytostatikum aus der Gruppe der monoklonalen IgG1-Antikörper. Der Wirkstoff Elotuzumab bindet spezifisch an das Glykoprotein Signaling Lymphocyte Activation Molecule Family, Member 7 (SLAMF7) auf Myelomzellen sowie an den Fc-Rezeptor (CD16) auf natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Dabei wirkt Elotuzumab mit dualem Wirkmechanismus: Die NK-Zellen werden aktiviert und die Myelomzellen markiert. So können die Myelomzellen von den NK-Zellen leichter erkannt und über antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) eliminiert werden.

Dosierung von Empliciti

Empliciti wird als 300 mg oder 400 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung angeboten und intravenös infundiert. Die Therapie sollte im 28-tägigen Zyklus erfolgen. Dabei wird in den ersten beiden Zyklen einmal wöchentlich an den Tagen 1, 8, 15 und 22 infundiert. In den folgenden Zyklen sollte der Abstand auf einmal alle zwei Wochen an den Tagen 1 und 15 erweitert werden. Der Hersteller empfiehlt eine Dosis von 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die Gabe sollte so lange fortgesetzt werden, bis die Erkrankung fortschreitet oder die Nebenwirkungen nicht mehr zu tolerieren sind.

Um infusionsbedingten Reaktionen vorzubeugen, müssen Patienten 45 bis 90 Minuten vor der Empliciti-Infusion prämediziert werden. Der Hersteller empfiehlt:

  • 8 mg Dexamethason i.v.
  • 25 bis 50 mg Dipenhydramin oral oder i.v. (oder ein äquvivalentes H1-Antihistaminikum)
  • 50 mg Ranitidin i.v. oder 150 mg oral (oder ein äquvivalentes H2-Antihistaminikum)
  • 650 bis 1000 mg Paracetamol oral

Trotz einer solchen Prämedikation entwickeln etwa 10 Prozent aller Patienten Infusionsreaktionen. In diesem Fall müssen die Vitalparameter alle 30 Minuten bis zwei Stunden nach Infusionsende überwacht werden. Sehr schwere Reaktionen können eine Notfallbehandlung erfordern.

Studien und Hintergrundwissen

Die Zulassung von Empliciti basiert insbesondere auf der randomisierten, offenen Phase-III-Studie ELOQUENT-2. Dabei wurde die Behandlung mit Empliciti, Revlimid (Wirkstoff Lenalidomid) und Dexamethason (Therapie-Kürzel ELd) mit der Behandlung mit Revlimid und Dexamethason (Therapie-Kürzel Ld) verglichen.

Die 646 Teilnehmer der Studie hatten ein rezidiviertes Multiples Myelom mit einer bis drei Vorbehandlungen. 321 Probanden erhielten 10 mg Elotuzumab pro Kilogramm Körpergewicht in einem vierwöchigen Zyklus in Kombination mit Ld und 325 Patienten bekamen Ld alleine. Primäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS) und die Gesamtansprechrate (ORR).

ELd  verbessert Tumoransprechrate um fast 80 Prozent

Im Ergebnis verringerte ELd verglichen mit Ld das Risiko einer Progression oder eines tödlichen Verlaufs um 32 Prozent. Zudem verbesserte sich die PFS-Rate mit ELd im Vergleich zu Ld relativ um 21 Prozent nach einem Jahr und 50 Prozent nach zwei Jahren. Die Tumoransprechrate verbesserte sich sogar signifikant um 78,5 Prozent mit ELd versus 65,5 Prozent mit Ld. Im Vergleich zu Ld konnte mit ELd die Zeitspanne bis zur nächsten Behandlung durchschnittlich um ein Jahr verlängert werden (ELd 33,35 Monate vs. Ld 21 Monate).

Multiples Myelom

Das Multiple Myelom (MM) ist auch als Plasmozytom, Kahler-Krankheit oder Morbus Kahler bekannt. Dabei handelt es sich um eine maligne Erkrankung des blutbildenden Systems mit einer vermehrten Anzahl an entarteten Plasmazellen. Diese Zellen produzieren Antikörper oder Antikörperbruchstücke (freie Leichtketten). Die malignen Plasmazellen stammen alle von einer gemeinsamen Vorläuferzelle ab. Darum sind sie genetisch weitgehend identisch und bilden ebenfalls identische (monoklonale) Antikörper. Die Malignität und der Krankheitsverlauf des MM kann von schwelend, langsam bis hochaggressiv und schnellfortschreitend reichen. Betroffene klagen über Knochenschmerzen, die Knochen brechen leichter und verändern sich osteolytisch. Lagern sich die entarteten Plasmazellen, Antikörper und freie Leichtketten in Organen und Geweben ein, sind (Multi)Organfunktionsstörungen und Durchblutungsstörungen die Folge.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 01.06.2016

Quelle:

European Medicines Agency (EMA)

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