Forscher analysen gemeinsam

Das Ependymom: ein häufiger Hirntumor bei Kindern

Ependymome sind Tumore, die aus Ependymzellen entstehen. Diese Zellen kleiden die Ventrikel und den Rückenmarkskanal aus und trennen somit die Hirnflüssigkeit vom Hirngewebe. Im Kindesalter gehören sie zu den häufigsten Hirntumoren. Diese Tumore verhalten sich überwiegend resistent gegen Chemotherapien. Außerdem sind die genetischen Ursachen ihrer Entstehung weitgehend unbekannt, so dass eine zielgerichtete Therapie bisher nicht möglich ist.

In einer Pressemitteilung [1] vom 21.12.2017 informieren KiTZ und DKFZ über die Publikation [2] neuer Behandlungsansätze im renommierten Magazin Nature.

Enhancer als alternativer Ansatzpunkt

Wissenschaftler vom KiTZ Heidelberg und Kollegen der Cleveland Clinic (Ohio, USA) und des Hospital for Sick Children in Toronto (Kanada) untersuchten einen alternativen Ansatz auf dem Weg zur zielgerichteten Therapie der Ependymome.

Die Forscher beschäftigten sich dazu mit so genannten Enhancern. Bei Enhancern handelt es sich um Regionen im Erbgut, die regulierend auf die Aktivität bestimmter Gene wirken, indem sie z.B. als Andockstelle für Transkriptionsfaktoren (Steuerproteine) dienen. Zeigt eine Gruppe von Enhancern ein besonderes Verstärkerpotential für zentrale Zellvorgänge, so bezeichnet man diese als „Super-Enhancer“. Super-Enhancer wurden bereits bei anderen Krebsarten mit der Tumorentwicklung in Verbindung gebracht.

Analysen identifizieren fast 1700 Super-Enhancer

„Mit verschiedenen genetischen und epigenetischen Analysemethoden konnten wir an 42 Ependymom-Proben fast 1700 Super-Enhancer identifizieren und diese bestimmten molekularen Gruppen von Ependymome zuordnen“, sagte Marcel Kool, Gruppenleiter in der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am DKFZ und Mitarbeiter des Hopp-Kindertumorzentrums. „Anschließend haben wir gezeigt, dass viele dieser Super-Enhancer die Aktivität von Genen beeinflussen, die mit der Krebsentstehung in Verbindung stehen.“

Perspektive für neue Behandlungsmöglichkeiten

In weiteren Analysen untersuchten die Forscher die 15 häufigsten Super-Enhancer genauer. Sie konnten zeigen, dass diese Verstärkerelemente bei der Regulation von Molekülen beteiligt sind, die wiederum in zentrale Zellvorgänge involviert sind. Dadurch könnten sich Super-Enhancer als Targets (Angriffsstellen) für eine zielgerichtete Therapie eignen. 

Kristian Pajtler, Gruppenleiter der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am DKFZ und KiTZ-Mitarbeiter und Kinderarzt am Universitätsklinikum Heidelberg, berichtet, dass die Forscher ganz neue Regelkreise identifiziert haben, die die Tumorentwicklung bei Ependymomen steuern. „Diese Regelkreise konnten wir mit bestimmten Wirkstoffen unterbrechen – daraufhin wuchsen die Ependymomzellen langsamer und starben schließlich ab“ sagt Kristian Pajtler. Und Stefan Pfister, Direktor „Präklinische Kinderonkologie“ am KiTZ, DKFZ-Abteilungsleiter und Oberarzt am Universitätsklinikum fasst zusammen: „Die Forschungsergebnisse eröffnen perspektivisch völlig neue Behandlungsmöglichkeiten für Kinder mit Ependymomen, eine Gruppe von Tumoren, für die wir bislang keine guten medikamentösen Behandlungsansätze zur Verfügung hatten.“

Das Projekt wurde durch den an Kristian Pajtler verliehenen Förderpreis für Neuroonkologie der Sibylle Assmus Stiftung gefördert.
 

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 22.12.2017

Quelle:

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), „Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg“ (KiTZ)

  1. Pressemitteilung
  2. Mack et al. (2017): Therapeutic Targeting of Ependymoma as Informed by Oncogenic Enhancer Profiling. NATURE, Online-Publikation, DOI: 10.1038/nature25169