Grünes Licht lindert Schmerzen

Grünes Licht könnte ein neuer nicht-pharmazeutischer Ansatz gegen Schmerzen sein. Die antinozizeptive Wirkung bei Ratten ist jedenfalls erstaunlich ausgeprägt.

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Das Portfolio an potenten Analgetika auf dem Arzneimittelmarkt ist groß und vielfältig. Dennoch gibt es Schmerzpatienten, die nur unzureichend auf eine pharmakologische analgetische Behandlung ansprechen. Insbesondere Menschen mit chronischen Schmerzen hoffen auf neue, innovative und vor allem wirksame Alternativen zu den herkömmlichen Analgetika.

Eine neue tierexperimentelle Studie beweist, dass grünes Licht aus LED-Lampen eine potente Möglichkeit darstellt, Schmerzen erfolgreich zu lindern. Bereits bekannt ist die positive Wirkung von Licht bei Depressionen. Möglicherweise aber kann Licht in bestimmten Wellenlängen und Farben noch viel mehr. Sowohl naive Ratten als auch Artgenossen mit neuropathischen Schmerzen profitierten in Versuchen von grünen LED-Licht-Stimuli.

Grünes Licht erhöht Schmerzschwelle bei Ratten

Ein Forscherteam der University of Arizona berichtet im Fachmagazin „Pain“ von erfolgreichen Versuchen an Ratten. Professor Dr. Mohab M. Ibrahim und sein Team setzen Ratten einer grünen LED-Lichtquelle mit einer Wellenlänge von 525 nm aus. Die Dauer der Anwendung betrug 8 Stunden. Anschließend wurde bei den Tieren erstaunlicherweise eine signifikant erhöhte Schmerzschwelle nachgewiesen. Dieser Effekt war bei allen Versuchsratten zu beobachten, sowohl bei naiven als auch bei Ratten mit chronischen neuropathischen Schmerzen.

Ohne Nebenwirkungen und ohne Gewöhnung

Für den Versuch befestigten die Wissenschaftler zunächst grüne LED-Lampen an den Käfigen der Versuchstiere. Die Scherzempfindlichkeit wurde mittels thermischer Reize getestet. Dafür wurde die plantare Oberfläche der Hinterpfoten der Ratten einer Hitzequelle (hochintensive Projektorlampe) ausgesetzt. Die Tester ermittelten dann, bei welcher Temperatur die Pfoten zurückgezogen wurden.

Der analgetische Effekt und die veränderte Rückzugsreaktion verblüffte die Wissenschaftler. Zudem hielt die antinozizeptive Wirkung sogar noch 4 Tage nach Beendigung der Licht-Stimuli an. Auch zeigten die Versuchstiere keine Gewöhnungseffekte beziehungsweise keine Toleranzentwicklung. Ebenso blieben Nebenwirkungen aus.

Grüne Kontaktlinsen ebenso erfolgreich

Ibrahim und seine Mitarbeiter versuchten noch eine weitere Möglichkeit. Dafür setzen sie den Versuchstieren grüne Kontaktlinsen ein. Auch hier konnte eine Antinozizeption festgestellt werden. Bei Ratten mit Kontaktlinsen, die grünes Licht herausfilterten, blieb die analgetische Wirkung hingegen aus. Aus den Versuchen schließen die Wissenschaftler, dass eine verminderte Schmerzwahrnehmung stark vom visuellen System vermittelt wird.

Grünes Licht wirkt im ZNS

Das Forscherteam vermutet, dass die schmerzlindernde Wirkung von grünem Licht auf eine erhöhte Ausschüttung von Enkephalinen im zentralen Nervensystem beruht. Dafür spricht auch die Beobachtung, dass Naloxon die analgetische Wirkung des Lichts umkehrte. Das deutet stark auf eine Beteiligung der zentralen Opioid-Schaltstellen in Gehirn und Rückenmark hin. Des Weiteren beobachteten die Wissenschaftler, dass grünes LED-Licht die thermische und mechanische Hyperalgesie bei Ratten mit einer Verletzung der Spinalnerven (Spinalnerven-Ligatur, SNL) aufhob.

Ferner entdeckten die Forscher, dass grünes Licht bei LED-exponierten Ratten die Calciumkanalaktivität verändert, inklusive einer Abnahme der N-Typ-Aktivität.  Calciumkanäle vom N-Typ bewirken an den präsynaptisch nozizeptiven Nervenendigungen die Expression von Substanz P und Glutamat. Eine verminderte Aktivierung hat also eine veränderte Schmerzwahrnehmung zur Folge.

Therapeutischer Ansatz vielversprechend

Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Studienergebnisse auch auf den Menschen übertragen und therapeutisch genutzt werden können. Den experimentell gewonnenen Erkenntnissen zufolge, stellt die grüne LED-Lichttherapie einen vielversprechenden und neuartigen, nicht-pharmakologischen Ansatz zur Schmerzbewältigung dar. Weitere Studien an Menschen müssen nun zeigen, ob – und wenn ja – welche Patientengruppen vom analgetischen Effekt des grünen Lichts besonders profitieren können.

Grünes Licht lindert Migräne-Schmerzen

In einem Bereich hat grünes Licht schon überzeugt. Bereits 2016 konnte ein US-Forscherteam der Harvard Medical School in Boston nachweisen, dass Migräne-Patienten durch grünes Licht weniger Schmerzen wahrnehmen – blaues, gelbes, rotes und weißes Licht die Schmerzen jedoch verstärke. Spezialgläser für Migräne-Patienten sind aber immer noch Zukunftsmusik. Derzeit sind Entwicklung und Herstellung entsprechender Spezialgläser, die bis auf grün alle Lichtwellenlängen herausfiltern, noch zu kostenintensiv.

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 09.03.2017

Quelle:

PubMed, Ärzteblatt

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