Guanfacin bei ADHS zugelassen

Guanfacin (Intuniv von Shire Pharmaceuticals) hat von der EU-Kommission im September 2015 die Zulassung für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) erhalten.

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Das Medikament kann bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren rezeptiert werden, wenn Stimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin) nicht gegeben werden dürfen, nicht vertragen werden oder nur unzureichend wirksam sind. Guanfacin sollte jedoch nur im Rahmen eines multimodalen Gesamttherapiekonzepts mit psychologischen, pädagogischen und sozialen Maßnahmen eingesetzt werden.

Guanfacin bindet an Alpha-2-Rezeptoren

Guanfacin ist ein zentral wirksamer adrenerger Alpha-2-Agonist, der selektiv an zentrale postsynaptische Alpha2A-Adrenorezeptoren bindet. Präklinischen Forschungen zufolge sollen Signalwege im präfrontalen Kortex und in den Basalganglien durch eine direkte Modifizierung der synaptischen Noradrenalin-Übertragung an den alpha 2-adrenergen Rezeptoren verändert werden. Durch das minimierte Noradrenalin am Alpha2A-Rezeptor verringern sich die ADHS-typischen Symptome. Insbesondere wurden Verbesserungen bei Handlungsabläufen, in der Emotionsverarbeitung und Verhaltensregulation sowie bei der Impulskontrolle beobachtet.

Intuniv ist als Tablette in Dosierungen von 1 bis 4 mg Guanfacin (mit verzögerter Freisetzung) erhältlich.

Kein Missbrauch- und Abhängigkeitspotenzial

Der genaue Wirkmechanismus von Guanfacin bei ADHS ist noch nicht vollständig geklärt. Anders als zentrale Stimulanzien soll der Wirkstoff jedoch kein Missbrauchspotenzial haben und nicht abhängig machen. Es gehört nicht zu den berauschenden Substanzen und fällt auch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Hypotonie, Synkopen, Bradykardien, Somnolenz, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme und eine erhöhte Sturzgefahr.

Guanfacin als ehemaliges Antihypertensivum

Ursprünglich wurde Guanfacin (Estulic) als Antihypertensivum entwickelt und in den 1970er Jahren als Alternative zu Clonidin (Catapresan) eingesetzt. Mittlerweile ist der Wirkstoff als Blutdrucksenker nicht mehr im Handel. Aber auch als Antisymphatotonikum gegen ADHS muss der blutdrucksenkende Effekt beachtet werden. Vor Therapiebeginn ist es deshalb notwendig, den kardiovaskulären Status des Patienten zu beurteilen.

Originaldatei: http://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2015/20150917132789/anx_132789_de.pdf

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 23.09.2015

Quelle:

Europäische Kommission

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