H1-Antihistaminika - Gewichtszunahme bei Kindern

Eine rasche Gewichtszunahme im Kindesalter erhöht das Risiko für Übergewicht und Adipositas und für alle Krankheiten, die im Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas im späteren Leben stehen. Die Prävalenz von Übergewicht im Kindesalter ist steigend und mit erheblichen gesundheitlichen Risiken assoziiert.
Der Energiestoffwechsel wird unter anderem durch neuronales Histamin sowie H1- und H3-Rezeptoren reguliert. Deshalb ist eine Gewichtszunahme durch Blockade dieser Strukturen plausibel. Antihistaminika der zweiten Generation sollten aufgrund ihrer geringen ZNS-Penetration und peripheren H1-Selektivität jedoch weniger zentrale Effekte aufweisen.
Bei der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK) ging ebenfalls ein Bericht ein. Dieser Bericht ist in der Analyse ebenfalls berücksichtigt worden.

Fallbericht

Ein 7-jähriger Junge bekam zur Therapie einer starken Hausstaubmilbenallergie einmal täglich 2,5 mg einer Desloratadin-haltigen Lösung. Schlagartig wurde eine Steigerung des Appetits mit einhergehender Gewichtszunahme festgestellt. Die Appetitsteigerung war unabhängig vom jeweils verwendeten Produkt. Sie verschwand nach einer kurzen Pause und trat nach einer erneuten Einnahme des H1-Antihistaminikums der zweiten Generation wieder auf. Der Junge erhielt keine weiteren Arzneimittel.Innerhalb von etwa zwei Monaten dokumentierten die Eltern eine Zunahme des Körpergewichts des Jungen von 4,5 kg. Mittels Diät konnte das Gewicht im Laufe von drei Monaten um 2,5 kg gesenkt werden. Während dieser Zeit konnte die Desloratadin-haltige Medikation symptombedingt nicht pausiert werden.

Die Appetitsteigerung ist bei Loratadin-haltigen Arzneimitteln in der Produktinformation dokumentiert, allerdings nicht bei Desloratadin-haltigen Präparaten. Deshalb bittet die AMK eine Gewichtszunahme bei Kindern unter der Therapie mit H1-Antihistaminika aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls an die AMK zu melden.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 21.09.2017

Quelle:

Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), WHO