HCT erhöht Risiko für weißen Hautkrebs

In einem aktuellen „Rote-Hand-Brief“ wurde darauf hingewiesen, dass die Einnahme von Hydrochlorothiazid (HCT) vermutlich mit einem erhöhten Risiko für nichtmelanozytäre Karzinome bzw. weißen Hautkrebs assoziiert ist. Patienten, die HCT-haltige Präparate einnehmen, sollten über dieses Risiko informiert werden. Eine Umstellung der Therapie ist zu erwägen.

Aerztin Gespraech Patientin

Alle Zulassungsinhaber von HCT-haltigen Arzneimitteln haben nach Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einem Rote-Hand-Brief darauf hingewiesen, dass Hydrochlorothiazid möglicherweise das Risiko für weißen Hautkrebs erhöht. Zu diesem Ergebnis kam es nach Auswertungen medizinischer Gesundheitsdaten aus dänischen pharmakoepidemiologischen Studien.

Die Datenanalyse umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahren (2004 bis 2012). Die Wissenschaftler vermuten den Grund des erhöhten Risikos für nichtmelanozytäre Karzinome (Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome der Haut) in der photosensibilisierenden Wirkung von HCT.

Ein direkter Kausalbeweis zwischen der Einnahme von HCT und dem erhöhten Vorkommen von weißem Hautkrebs konnte in den Studien jedoch nicht erbracht werden. Zudem wurden weder der Hauttyp der Betroffenen noch das Ausmaß der Sonnenlichtexposition berücksichtigt. Dennoch sollte die Gefahr ernst genommen und eine HCT-haltige Medikation ggf. umgestellt werden.

Patienten über erhöhtes Risiko informieren

Nach Empfehlung der Zulassungsinhaber von HCT-haltigen Arzneimitteln sollten Patienten, die diesen Wirkstoff erhalten, auf das möglicherweise erhöhte Risiko von Basalzellkarzinomen und Plattenepithelkarzinomen der Haut durch HCT hingewiesen werden. Zudem wird angeraten, die Haut betroffener Patienten regelmäßig auf dermatologisch suspekte Veränderungen oder neu auftretende Hautanomalien zu untersuchen (inklusive Hautbiopsie). Die Patienten sollten darüber hinaus Informationen erhalten, welche Anzeichen auf weißen Hautkrebs hinweisen könnten. Bei entsprechenden Symptomen sollten diese mit einem Arzt besprochen werden. Gleichzeitig müssen Patienten davor gewarnt werden, ihre HCT-haltigen Arzneimittel ohne ärztliche Absprache abzusetzen.

HCT nicht eigenmächtig absetzen

HCT wird üblicherweise als blutdrucksenkender Wirkstoff zur Mono- oder Kombinationstherapie verabreicht. Ein eigenmächtiges Absetzen aus Angst vor weißem Hautkrebs könnte schwerwiegende Folgen haben, zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen erhöhen. Deshalb sollte eine Therapieumstellung nur in Begleitung eines Arztes erfolgen. Nach Einschätzung des individuellen Risikos wird gemeinsam für oder gegen eine Weiterbehandlung mit HCT entschieden.

Patienten, die ihre HCT-Behandlung beibehalten, sollten auf ausreichende Schutzmaßnahmen vor Sonnen- und UV-Einstrahlung hingewiesen werden und sich entsprechend angemessen vor Sonnenlicht und UV-Exposition schützen. Prof. Dr. Bernhard K. Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (DHL) e.V. empfiehlt Patienten, die HCT oder HCT-Kombinationspräparate erhalten, zudem ein regelmäßiges Hautkrebsscreening.

Therapieumstellung auf nicht HCT-haltige Arzneimittel

Weltweit wird das Thiazid-Diuretikum HCT in Kombination mit Renin-Angiotensin-Aldosteron-Inhibitoren (RAAS-Blocker) und Calcium-Antagonisten (Kalziumkanal-Blocker) als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Bluthochdruck eingestuft. In der Regel wird HCT gemeinsam mit anderen antihypertensiven Wirkstoffen verschrieben und nur relativ selten als Monopräparat eingesetzt. Weitaus häufiger ist HCT als Wirkstoffpartner in Zweifach- oder Dreifach-Kombinationspräparaten zur Blutdrucksenkung enthalten, da es als Diuretikum die blutdrucksenkende Wirkung anderer antihypertensiver Substanzen verstärkt.

Bei Patienten, die HCT als Monotherapeutikum einnehmen, kann eine Therapieumstellung auf ein anderes Thiazid-Diuretikum oder auf eine andere blutdrucksenkende Substanzklasse erwogen werden. Die aktuellen ESH/ESC-Leitlinien empfehlen zur Initialtherapie neben der Kombination aus RAAS-Inhibitor und Thiazid-Diuretikum die Kombination eines RAAS-Inhibitors mit einem Kalziumkanal-Blocker als gleichwertige Alternative. Letztere würde in der nächsten Eskalationsstufe um ein Thiazid-Diuretikum ergänzt werden.

Fazit: kein überstürztes Handeln erforderlich

Die Deutsche Hochdruckliga nimmt den Rote-Hand-Brief ernst. Ihrer Ansicht nach bieten die Informationen aber keinen Anlass für ein unüberlegtes und vorschnelles Handeln. Prof. Krämer mahnt, Ruhe zu bewahren: „Jedem Patienten bleibt ausreichend Zeit, gemeinsam mit dem Hausarzt den individuellen Nutzen gegen das individuelle Risiko abzuwägen und zu entscheiden, ob eine Therapieumstellung erfolgen soll bzw. auf welche Therapiealternative umgestellt werden kann.“ Darüber hinaus hält Krämer Probleme in der weiteren medizinischen Versorgung für irrelevant: „In Anbetracht der Marktlage, sehen wir auch keine Versorgungsengpässe auf uns zukommen, auch wenn die Mehrzahl der Patienten umgestellt werden möchte bzw. umgestellt werden müsste.“

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 22.10.2018

Quelle:

Meldung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Pottegård A, Hallas J, Olesen M, et al. Hydrochlorothiazide use is strongly associated with risk of lip cancer. J Intern Med. 2017;282(4):322-331. doi:10.1111/joim.12629

Pedersen SA, Gaist D, Schmidt SAJ, Hölmich LR, Friis S, Pottegård A. Hydrochlorothiazide use and risk of non-melanoma skin cancer: A nationwide case-control study from Denmark. J Am Acad Dermatol. 2018;78(4):673-581.e9. doi:10.1016/j.jaad.2017.11.042

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