HIV-Schnelltest für den Hausgebrauch

Die neuen HIV-Selbsttests sollen durch eine rechtzeitige Diagnose die Therapie verbessern und die Zahl der Neuinfektionen reduzieren.

Aids Zeichen

Mit der antiretroviralen Therapie lassen sich Patienten mit HIV-Infektion derzeit wirksam und sicher behandeln. Menschen mit HIV haben heute eine ähnliche hohe Lebenserwartung wie ohne Infektion. Zudem senkt eine erfolgreiche HIV-Therapie das Transmissionsrisiko. Damit die Therapie jedoch erfolgreich ist, sollte sie so früh wie möglich gestartet werden.

HIV-Diagnose wird oft zu spät gestellt

Der Deutschen Aidshilfe zufolge gibt es hierzulande dennoch immer noch rund 13.000 Menschen, die gar nichts von ihrer HIV-Infektion wissen. Etwa die Hälfte aller HIV-Diagnosen erfolge erst nach Jahren und damit viel zu spät. Mehr als tausend Menschen erkrankten jährlich an Aids oder einem schweren Immundefekt, weil sie jahrelang nichts von ihrer HIV-Infektion wussten.

Politik stimmt HIV-Selbsttests zu

Diese Situation könnte sich zukünftig ändern. Denn im September 2018 hat die Politik entschieden: HIV-Selbsttests sind ab sofort bundesweit frei in Apotheken, Drogerien oder über das Internet erhältlich. Bisher gab es eine HIV-Testung nur beim Arzt oder anonym beim Gesundheitsamt, bei Aidshilfen oder anderen Einrichtungen.

Ergebnis innerhalb von 15 Minuten

Mit den neuen Tests für zuhause können sich Menschen innerhalb einer Viertelstunde Gewissheit verschaffen, die sich aus Scham nicht in die Arztpraxis trauen oder aus anderen Gründen die bisherigen Testangebote nicht wahrnehmen konnten oder wollten. Der HIV-Selbsttest soll, so die Hoffnung von Experten, durch eine rechtzeitige Diagnose und Therapie, auch die Zahl der Neuinfektionen reduzieren.

Selbsttest 12 Wochen nach möglicher Infektion aussagekräftig

Bei einer HIV-Infektion entwickelt das Immunsystem Antikörper gegen das HI-Virus. Ein Selbsttest weist genau diese spezifischen Antikörper im Blut, Speichel oder Urin nach.

Wichtig ist, zu wissen, dass die Antikörperkonzentration erst zwölf Wochen nach einer potentiellen Risikosituation wie ungeschütztem Geschlechtsverkehr so hoch ist, dass sie eine mögliche HIV-Infektion anzeigen kann – der Test also erst nach drei Monaten aussagekräftig ist. Die meisten HIV-Selbsttests weisen die Antikörper aus einem Tropfen Blut nach. Da die Konzentration von Antikörpern im Speichel oder Urin immer geringer ist als die im Blut, sind die Tests auf der Basis von Blut am zuverlässigsten.

Wie sicher sind Tests für zuhause?

Wichtig ist, dass Interessierte nur solche Tests verwenden, die eine CE-Kennzeichnung tragen. Denn nur sie die erfüllen in Europa festgelegten Anforderungen an die Sicherheit und Leistungsfähigkeit. Zu den geprüften Produkten zählen zum Beispiel der Atomo HIV Self Test, der Autotest VIH, der Biosure HIV Self Test oder der Exacto Pro HIV.

Wissenschaftlich unstrittig ist außerdem, dass die Tests in Laienhand funktionieren. So bestätigte eine aktuelle Metaanalyse, dass die Anwendung eines Schnelltests zum HIV-Antikörpernachweis genauso zuverlässige und exakte Ergebnisse liefert wie die Testung durch ausgebildetes medizinisches Personal.

Vorgehen bei positivem Testergebnis

Ein positives Testergebnis sollte immer durch einen weiteren Test in der ärztlichen Praxis bestätigt werden. Denn Kreuzreaktionen können das Ergebnis verfälschen, nicht hinter jedem positiven Testergebnis steckt eine HIV-Infektion. Bestätigt sich aber der Verdacht, sollte dem Betroffenen konkret erklärt werden, dass eine HIV-Infektion sehr gut mit einer antiretroviralen Therapie behandelbar ist.

Vorgehen bei negativem Testergebnis

Bei einem negativen Testergebnis gibt es keinen Anhaltspunkt für eine HIV-Infektion, es sei denn der vermutete Infektionszeitpunkt liegt weniger als drei Monate zurück. Dann sollte der Test zum entsprechenden Zeitpunkt wiederholt werden oder aber eine Testung bei Arzt, Gesundheitsamt oder Aidshilfe erfolgen. Dort stehen Tests zur Verfügung, die eine Infektion schon ab der 6. Woche feststellen können.

Online-Beratungsangebot des Paul-Ehrlich-Institut

„Das Paul-Ehrlich-Institut verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen in der Bewertung von Tests zum Nachweis von Krankheitserregern wie HIV, insbesondere was die Empfindlichkeit, aber auch die Spezifität angeht, also die Sicherheit, keine falsch-positiven Ergebnisse zu bekommen“, sagte Klaus Cichutek, Präsident des PEI. „Es ist uns daher ein besonderes Anliegen, unsere Expertise nun auch einzubringen, wenn Menschen nun die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu testen.“

Das Paul-Ehrlich-Institut ist das für die HIV-Testsicherheit zuständige Bundesinstitut in Deutschland. Zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat das PEI daher ein Online-Beratungsangebot zu den verfügbaren Selbsttests vorgestellt. Die fachlichen Informationen auf der neuen Webseite geben HIV-Selbsttestern wichtige Orientierung und sollen helfen, Vorbehalte gegen die Tests abzubauen.

Autor: Beate Wagner (Ärztin)

Stand: 23.10.2018

Quelle:

Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Meistgelesene Meldungen

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Pharma News

Innere Medizin

Newsletter