Hydroxychloroquin gegen Zika-Virus?

US-Forscher haben im Tierexperiment Föten infizierter Muttertiere erfolgreich vor einer Infektion mit dem Zika-Virus schützen können. Unterdessen meldet Thailand zahlreiche neue Fälle von Zika-Virus-Infektionen.

Hydroxychloroquin gegen Zika-Virus?

Das Malariamittel Hydroxychloroquin bietet möglicherweise einen Ansatz zum Schutz vor Zika-Infektionen im Mutterleib. Mediziner der Universität von Washington berichten im Journal of Experimental Medicine von einem erfolgreichen Tierversuch mit Mäusen. Sie hatten mit dem Zika-Virus infizierten schwangeren Mäusen Hydroxychloroquin verabreicht und konnten die Föten so vor einer Übertragung schützen. Der schützende Effekt von Hydroxychloroquin geht demnach auf die Blockade der Autophagie in Trophoblasten zurück.

Autophagie-Gen Atg16l1

Zuvor stellten die Forscher nämlich fest, dass mit Zika infizierte schwangere Mäuse ohne das Autophagie-Gen Atg16l1 signifikant niedrigere Werte an detektierbarem Virusmaterial in der Plazenta aufwiesen als mit Zika-infizierte schwangere Mäuse mit diesem Gen. Zudem war die Rate an plazentaren und fetalen Schäden bei Atg16l1-defizienten Plazenten deutlich geringer. Da Hydroxychloroquin ein bekannter Autophagie-Inhibitor ist, vermuteten die Wissenschaftler ähnliche Ergebnisse – die sich dann auch bestätigten. Hydroxychloroquin ist bereits zur Malariaprophylaxe in Schwangerschaft und Stillzeit zugelassen. Möglicherweise folgt demnächst eine Indikationserweiterung zum Schutz vor fetalen Zikavirus-Infektionen. Zuvor sind dafür aber noch weitere Studien nötig.

Erneut Zika-Infektionen in Thailand

Unterdessen meldet Thailand einen erneuten Zika-Ausbruch. Nach Angaben der Seuchenschutzbehörde wurden nördlich der Hauptstadt Bangkok mindestens 11 Menschen infiziert. Damit steigt die Zahl der registrierten Infektionen in diesem Jahr auf 80. Das Risiko für Infektionen ist gegenwärtig besonders groß, da die übertragenden Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) in der aktuellen Regenzeit ideale Umweltbedingungen vorfinden. Im vergangenen Jahr war es in Thailand zu mehr als 600 Infektionen gekommen. Mindestens 2 Kinder kamen mit Mikrozephalie auf die Welt.

Zika-Virus in Deutschland

Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes sind bis Ende vergangenen Jahres in Deutschland etwa 200 Infektionen mit dem Zika-Virus registriert worden. Seit Mai 2016 ist die Infektion meldepflichtig.

Forschungsverbund „ZIKAlliance“

In Deutschland gilt das Universitätsklinikum Heidelberg als Schwerpunkt der Zika-Virus-Forschung. Das Uniklinikum wurde jetzt Partner des interdisziplinären Forschungsverbunds „ZIKAlliance“. Die Europäische Union fördert die Forschung über das Zika-Virus in diesem Projekt bis 2019 mit insgesamt 10 Millionen Euro.


Datum: 17.07.2017

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt), Charly Kahle

Quelle: Journal of Experimental Medicine, Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg