Infektionen gefährden Endoprothesen – lebenslang

Auch Jahrzehnte nach einer Implantation kann es zur bakteriellen Infektion des Kunstgelenkes kommen. Ursache sind dann meist Infektherde beispielsweise im Kieferbereich oder Bagatellverletzungen. Äußern Patienten Schmerzen im Bereich ihrer Endoprothese, sollten sie schnellstmöglich zum Orthopäden weitergeleitet werden, rät die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik.

Knie Endoprothese

Pro Jahr wird über 400.000 Menschen in Deutschland ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk implantiert. Zwar wird immer vor möglichen bakteriellen Infektionen gewarnt, doch hier hat man meist nur die perioperative Situation im Blick. Ist alles gut verlaufen und der Patienten wieder voll mobil, denken alle Beteiligten: „Das war‘s. Alles okay“. Doch weit gefehlt: Auch nach Jahren kann sich die Umgebung des künstlichen Gelenks noch infizieren. Und das ist gar nicht so selten: 0,5 bis zwei Prozent aller Patienten erleiden eine periprothetische Infektion ihres Hüft- oder Kniegelenks.

Keime aus Bagatellverletzungen

Ursache können über den Blutweg gestreute Bakterien sein, die aus chronischen oder akuten Infektionen stammen – beispielsweise von Blasen- oder Lungenentzündungen. Als weitere mögliche Bakterienquellen kommen aber auch Ulcus cruris, Nasennebenhöhlenentzündungen in Betracht. Auch von einer blutig verlaufenden Zahnbehandlung oder einer Darmspiegelung, bei der Polypen abgetragen werden, können Bakterien streuen. Und sogar kleine, entzündete Bagatellverletzungen, die man sich beim Heimwerken oder bei der Gartenarbeit zuzieht, können letztlich Ursache der periprothetischen Infektion sein.

Im Kunstgelenk keine Immunabwehr

Auf der Oberfläche der Prothesen beginnt sich bereits nach wenigen Tagen ein Schleimfilm zu bilden. Gelangen Bakterien auf diesen Biofilm, können sie sich ungestört vermehren. Denn der unbelebte Fremdkörper ist nicht durchblutet. Entsprechend kann das Immunsystem nur eingeschränkt wirken. Somit reichen schon wenige Bakterien für eine massive Entzündung aus.  Dabei rufen die Erreger zunächst eine Entzündung in der Implantatumgebung hervor. Später löst sich der prothesentragende Knochen auf. Schmerzen und eine Lockerung des künstlichen Gelenks sind die Folge.

Bei Verdacht auf Gelenkinfektion: schnell zum Spezialisten

Die Fachgesellschaft appelliert daher an Hausärzte, bei Patienten mit einem künstlichen Gelenk die Gefahr der periprothethischen Infektion durch vermeintlich kleine Entzündungsherde im Blick zu behalten und bei etwaigen Schmerzen sofort zum Spezialisten zu überweisen.

Denn nur in den ersten drei Wochen nach Beginn der Symptome besteht eine realistische Chance, die Infektion durch Antibiotika in den Griff zu bekommen. Die Therapie eines Protheseninfektes ist anspruchsvoll und erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, etwa Mikrobiologen, Infektiologen, Internisten, Orthopäden und Fachpflegekräften, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. 

Patienten müssen wissen: Gelenkschmerzen sind ein Alarmzeichen

Auch die Patienten sollten über die Gefahr aufgeklärt werden, dass jede Infektion im Körper irgendwann eine Entzündung im Bereich des künstlichen Gelenks auslösen kann. Daher sollten Endoprothesenträger ihr Leben lang ihren Körper von Kopf bis Fuß besonders aufmerksam pflegen. Bagatellverletzungen sollten immer sofort fachgerecht desinfiziert werden, und der weitere Heilungsverlauf im Auge behalten werden. Treten Rötung und Schwellung des Gelenks und vor allem anhaltende Belastungsschmerzen auf, ist dies ein Alarmzeichen und sollte so schnell wie möglich vom Arzt abgeklärt werden.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 09.08.2019

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