Inselzelltransplantation - Omentum majus als Alternative zur Leber

Wissenschaftler berichteten im New England Journal of Medicine aktuell über eine Patientin, die nach einer Omentum-Inselzelltransplantation bereits länger als zwölf Monate ohne Insulin-Injektionen auskommt.

Organspendenausweis

Patienten mit unzureichend einstellbarem Diabetes mellitus Typ I und dem Risiko schwerer Hypoglykämien können von einer Inselzelltransplantation profitieren. Bisher gilt die Leber als bevorzugtes Zielorgan insulinbildender Zellen. In einer Studie (Allogene Islet Cells transplantiert auf dem Omentum, ClinicalTrials.gov Nummer, NCT02213003) wird jetzt untersucht, ob eine Inselzellimplantation auf dem Omentum majus einer intrahepatischen Inselzelltransplantation überlegen ist.

Mit einer Inselzelltransplantation können bei Diabetes Typ I eine euglykämische Lage wieder hergestellt und schwere Hypoglykämien beseitigt werden. Das bisher bevorzugte Organ Leber bietet dabei allerdings gewisse Einschränkungen, unter anderem ein beschränktes Transplantatgewebevolumen, ein hohes Blutungsrisiko bei Implantierung der Zellen sowie die Exposition hoher Dosen von Immunsuppressiva nach Transplantation und reaktive Entzündungen.

Das Omentum majus könnte der Leber in mehrerer Hinsicht überlegen sein. Es ist leicht zugänglich, verfügt über eine dichte vaskularisierte Oberfläche und ist mit dem Pfortadersystem verbunden. In-vitro Experimente und Tiermodellversuche legen nahe, dass die Inselzellen auf dem Omentum länger überleben als in der Leber.

Patienten-Vorstellung und Operationsverlauf

Wissenschaftler berichteten im New England Journal of Medicine aktuell über eine Patientin, die nach einer Omentum-Inselzelltransplantation bereits länger als zwölf Monate ohne Insulin-Injektionen auskommt (2017; DOI:10.1056/NEJMc1613959).

In der Publikation wird eine 43-jährige US-amerikanische Frau mit seit 25 Jahren bestehendem Diabetes Typ I vorgestellt, die unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund schwere Hypoglykämien erlitt. Die Patientin wog 53,4 kg bei einem Body-Mass-Index von 21,5. Ihre mittlere Tagesdosis Insulin lag bei 32,9 ± 1,3 Einheiten.

Der Frau wurden 602.395 Inselzell-Äquivalente eines verstorbenen Spenders (Gesamtvolumen 6,5 ml) zusammen mit dem eigenen Blutplasma im Verhältnis 1:2 laparoskopisch auf das Omentum majus geschichtet. Um ein abbaubares biologisches Gerüst zu erzeugen, kamen darauf noch zwei Schichten aus rekombinantem Thrombin (Recothrom) und autologem Plasma. Das Induktions-Immunsuppressionsregime bestand aus Antithymozytenglobulin (ATG) und Etanercept. Zur immunsuppressiven Erhaltungstherapie wurden Mycophenolat und Tacrolimus, das später aufgrund von Alopezie auf Sirolimus umgestellt wurde, eingesetzt.

Insulin-frei nach Omentum-Inselzelltransplantation

17 Tage nach Transplantation und komplikationslosem chirurgischen Verlauf wurde das Insulin abgesetzt. Die neuen Inselzellen nahmen erfolgreich und zufriedenstellend ihre Arbeit auf. Die Patientin benötigt nunmehr seit über zwölf Monaten keine exogenen Insulin-Injektionen mehr. Zudem blieben auch hypoglykämische Episoden aus. Nach der Auswertung der diabetischen Kontrollparameter 6 Monate nach Transplantation sank die Insulinsekretion zwar und der Glukosespiegel stieg etwas, jedoch blieben alle Werte unter den Diagnose-Parametern von Diabetes mellitus. Der Therapieerfolg und die stabile glykämische Kontrolle werden durch eine kohlenhydratarme Ernährung unterstützt, die die Patientin nach der Transplantation sorgfältig einhält.

Langzeitdaten stehen noch aus

Die Ausgangswerte nach der Omentum-Inselzelltransplantation sprechen für sich. Langzeit-Auswertungen müssen nun zeigen, ob der therapeutische Erfolg auch Bestand hat. Eine aktuelle Studie prüft die Sicherheit der Therapie und Nachhaltigkeit der transplantierten Zellen. Es bleibt also vorerst abzuwarten, wie lange die Patientin tatsächlich insulinfrei und ohne Komplikationen leben kann. Neben der Wirksamkeit der transplantierten Zellen muss dabei auch das Risiko der dauerhaften Einnahme von Immunsuppressiva beachtet werden.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 01.06.2017

Quelle:

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), The New England Journal of Medicine

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