Intraartikuläre Kortison-Injektionen: nicht so sicher wie gedacht?

Glukokortikoide ins Gelenk zu injizieren, gehört zu den Routine-Maßnahmen bei Patienten mit Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk. Doch der Eingriff ist nicht ganz harmlos: etwa acht Prozent der Patienten schadet die Injektion dem Gelenk.

Arzt klaert Patientin auf

Wenn im Knie oder im Hüftgelenk aus der Arthrose eine Arthritis wird, ist eine der ersten Maßnahmen die Injektion eines Glukokortikoids in den Gelenkspalt, um die Entzündung und damit die Beschwerden zurückzufahren. Das klappt auch in der Regel. Dass diese Routine-Behandlung – abgesehen von technischen Problemen – auch Risiken birgt, ist den meisten Ärzten nicht bewusst. Und die Gefahren für die Gelenke sind nicht ohne, wie eine internationale Studiengruppe unter Leitung der Universität Boston (Massachusetts, USA) herausgefunden hat.

IASC bei 459 Patienten

In der Abteilung für Radiologie der Boston University School of Medicine untersuchten Mediziner die Auswirkungen der Kortikoid-Injektionen bei 459 Patienten, wobei die Injektionen mit IACS (40 mg Triamcinolon, 2 ml Lidocain 1 % und 2 ml Bupivacain 0,25 %) unter Ultraschallkontrolle von erfahrenen Radiologen durchgeführt wurden.

Vier verschiedene Gelenkschäden

Bei der Nachbeobachtung wurden die Gelenke geröntgt. Dabei stellte sich bei den 459 IACS-Injektionen 36 unerwünschte gelenkbezogene Ereignisse (8 %) ein – davon betrafen 19 Frauen. Die Patienten waren 37–79 Jahre alt und erhielten eine bis drei IACS-Injektionen, wobei zwischen dem Zeitpunkt der Injektion und der dokumentierten Bildgebung 2–15 Monate lagen. Im Einzelnen wurden in der Bildgebung vier verschiedene gelenkbezogenen Befunde identifiziert:

  • Beschleunigte Progression der Osteoarthritis (Rapid progressive Osteoarthritis Type 1 = RPOA 1)  (6 %)
  • Subchondrale Insuffizienzfraktur (0,9 %)
  • Osteonekrose (0,7 %)
  • Schnelle Gelenkzerstörung, einschließlich Knochenverlust (Rapid progressive Osteoarthritis Type 2 = RPOA 2) (0,7 %)

Unerwünschte Wirkungen bei 8 Prozent

Acht Prozent Nebenwirkungen bei IACS erscheint zunächst nicht viel. Da der Eingriff allerdings zur orthopädischen Routine gehört, verbirgt sich dahinter eine Vielzahl von Patienten. Daher empfehlen die Autoren, möglichst schon im Vorfeld der Injektion röntgenologisch nach Knorpel oder Knochenschäden im Gelenkbereich zu suchen. Mittels radiografischer Merkmale plus den jeweiligen individuellen Patientendaten lässt sich schon im Vorfeld abklären, ob ein Risiko für einen Gelenkschaden durch die IACS besteht.

Im Vorfeld Gelenkrisiken röntgenologisch abklären

Da Röntgenuntersuchungen heutzutage nicht mehr so teuer seien, sollte die Schwelle für diese Zusatzuntersuchung im Vorfeld der IACS in Knie- oder Hüftgelenk niedrig angesetzt werden – also lieber einmal zu viel als zu wenig das Knie geröntgt, so die Autoren.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 01.11.2019

Quelle:
  1. Kompel AJ et al. (2019): Intra-articular Corticosteroid Injections in the Hip and Knee: Perhaps Not as Safe as We Thought? Radiology. Doi: 10.1148/radiol.2019190341.
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