Multiple Myelome: Ixazomib als erster oraler Proteasom-Inhibitor verfügbar

Seit 15. Januar 2017 ist mit Ixazomib (Ninlaro von Takeda) der erste orale Proteasom-Inhibitor zur Behandlung des multiplen Myeloms in Deutschland erhältlich. Die bedingte EU-Zulassung als Orphan-Drug wurde bereits im November 2016 erteilt.

Ärzte im Gespräch

Ixazomib erhielt die bedingte EU-Zulassung in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zur Therapie des multiplen Myeloms bei erwachsenen Patienten, die mindestens einmal mit einer anderen medikamentösen Kombination vortherapiert wurden. Der Wirkstoff ist der erste oral einzunehmende Proteasom-Inhibitor. Frühere Vertreter dieser Wirkstoffklasse wie Bortezomib (Velcade) und Carfilzomib (Kyprolis) werden intravenös verabreicht.

Das Medikament Ninlaro mit dem Wirkstoff Ixazomib ist in Kapselform erhältlich. Der Behandlungszyklus umfasst vier Wochen. Die Kapsel wird jeweils an den Tagen 1, 8 und 15 eingenommen. Vorteil dieser neuen Triplet-Therapie ist die erstmals komplett orale Darreichung. Mit ihr erweitert sich das Portfolio der Therapieoptionen bei multiplem Myelom um eine infusionsfreie Möglichkeit. Das beschert Patienten größere Unabhängigkeit ohne störende ambulante Klinikaufnahmen in oftmals weit entfernten Behandlungszentren.

Ixazomib führt zum programmierten Zelltod

Ixazomib gehört zur Gruppe der Proteasom-Inhibitoren. Der Wirkstoff hemmt hochselektiv und reversibel die Aktivität der Beta-5-Untereinheit des 20S-Proteasoms.
Proteasome sind Enzymkomplexe, die im Zellkern und Zellplasma nicht mehr benötigte Proteine abbauen. Wird die Funktion des Proteasoms inhibiert, akkumulieren die nicht mehr nutzbaren Eiweiße. Infolge kommt es zu apoptotischen Fanalen und die Zelle stirbt ab. Proteasom-Inhibitoren wie Ixazomib verhalten sich besonders affin zu Zellen mit hoher und schneller Zellteilungsrate. Deshalb werden maligne Zellen bevorzugt programmiert abgetötet.

Studienaufbau

Wirksamkeit und Sicherheit von Ixazomib wurden in Studien an mehr als 1.800 Patienten bewertet. Die bedingte Zulassung erfolgte aufgrund der Ergebnisse einer multizentrischen, randomisierten und doppelblinden Studie Tourmaline-MM1 mit 722 Probanden. Alle Patienten hatten ein rezidiviertes und/oder refraktäres multiples Myelom. Als primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben definiert. Sekundäre Endpunkte waren unter anderem das allgemeine Gesamtüberleben sowie das Gesamtüberleben bei Patienten mit Hochrisiko-Mutationen auf den Chromosomen 4, 7 und 14 und damit assoziierter schlechter Prognose.

Die Probanden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Alle Patienten erhielten als Kombinationstherapie an den Tagen 1 bis 21 Lenalidomid und an den Tagen 1, 8, 15 und 22 Dexamethason oral. Zusätzlich nahmen 360 Patienten Ixazomib und 362 ein Placebo ein.

Ixazomib erhöht progressionsfreie Überlebenszeit

Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit war mit 20,6 versus 14,7 Monaten (p = 0,012) in der Ixazomib-Gruppe rund sechs Monate länger als in der Placebo-Gruppe. Damit wurde das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung bzw. das Nicht-Überleben um 35 Prozent minimiert.

Das Nebenwirkungsprofil unterschied sich kaum in den jeweiligen Gruppen. Zu den beschriebenen unerwünschten Wirkungen zählen unter anderem Diarrhoe, Obstipation, Nausea, Emesis, Fatigue, Exanthem, periphere Neuropathien, periphere Ödeme und Rückenschmerzen. Laborspezifisch wurden Neutropenie, Thrombozytopenie und Anämie beobachtet.

Multiples Myelom

Das multiple Myelom ist die zweithäufigste maligne Erkrankung des hämatopoetischen Systems. Es gehört zur Gruppe der B-Zell-Lymphome und entsteht im Knochenmark aus Antikörper-produzierenden Plasmazellen. Beim multiplen Myelom wandeln sich Vorläuferzellen zu malignen Myelom-Zellen. Diese setzen unkontrolliert nicht-funktionale monoklonale Antikörper frei. Diese sogenannten M-Proteine können in Blut und Urin von Betroffenen nachgewiesen werden.

Behandlung des multiplen Myeloms

Gegenwärtig wird das multiple Myelom als unheilbare Erkrankung eingestuft. Ziel der Therapie ist ein progressionsfreier Zustand mit weitest möglich normaler Lebensqualität. Die Behandlungsoptionen sind vielgestaltig. Je nach Ausmaß der Erkrankung, genetischer Risikokonstellation und Komorbiditäten beispielsweise kommen Bestrahlungsverfahren, Operationen, autologe Stammzelltransplantationen und medikamentöse Kombinationsbehandlungen in Frage.

Das neue komplett orale Triple-Therapieregime aus Ixazomib, Lenalidomid und Dexamethason wurde von Patienten, Angehörigen und Behandlern gleichermaßen hoffnungsvoll erwartet. Matthias Minhöfer, selbst Patient und Leiter der Berliner Selbsthilfegruppe Plasmozytom/Multiples Myelom subsummierte auf der Pressekonferenz von Takeda am 15. Dezember 2016 in Berlin: „Eine rein orale Medikation ist gerade für Patienten mit weiten Anfahrtswegen aufgrund geringer Arztdichte, wie sie zum Beispiel in Flächenländern gegeben sein kann, unbedingt zu begrüßen.“

Um eine zeitnahe Patientenversorgung zu gewährleisten, bietet Takeda Apothekern einen Direktbezug von Ninlaro an.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 24.01.2017

Quelle:

Europäische Arzneimittelagentur (EMA), Takeda

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