Einnahmeregeln für Levothyroxin

Das Einnahmemanagement von Levothyroxin (T4) bietet große Fallstricke. So können Kaffee, Medikamente oder Nahrungs(ergänzungs)mittel Resorption und Bioverfügbarkeit des Schilddrüsenhormons verringern. Hausärzte und Endokrinologen sollten Patienten deshalb regelmäßig über die richtige Einnahme informieren.

Einnahmeregeln für Levothyroxin

Schilddrüsenhormone sind sensibel und die Therapie mit Medikamenten ist durchaus störanfällig. Sehr häufig werden aus Unwissenheit Einnahmefehler begangen, die den Therapieerfolg erheblich gefährden. Oft können sich Patient und Behandler nicht erklären, warum Beschwerden tagesabhängig schwanken. Nicht selten sinkt der TSH-Wert trotz regelmäßiger Thyroxin-Einnahme nicht wie erhofft. Gerade bei der Einnahme von Levothyroxin (T4) sind viele Details zu beachten. Nicht selten führen Einnahmefehler bei Hypothyreose, Struma und Co. zu unerwünschten Hormonverschiebungen. Verfälschte TSH-Werte, Therapieanpassungen und unsichere Patienten sind die Folge. Das könnte mit einer regelmäßigen Patienteninformation verhindert werden. Professor Christian Menzel von Merck Pharma verweist redundant auf die wichtigsten Merkmale der T4-Einnahme.

Levothyroxin grundsätzlich nüchtern einnehmen

Levothyroxin sollte grundsätzlich nüchtern am Morgen eingenommen werden, etwa 30 Minuten vor dem Frühstück. Als Einnahmeflüssigkeit empfiehlt sich ausschließlich Wasser, vorzugsweise aus dem Wasserhahn. Keinesfalls sollte das Schilddrüsenhormon mit Kaffee – egal ob Milchkaffee, schwarzer Kaffee oder Espresso – eingenommen werden. Untersuchungen zufolge sinkt der T4-Wert bei Frauen signifikant, die ihre Schilddrüsentablette täglich mit Kaffee statt mit Wasser schlucken. So verzögert sich die Resorption des Medikaments um bis zu 40 Minuten, die Bioverfügbarkeit verringert sich um bis zu 32 Prozent. Auch Kaffee, der zeitnah nach der Levothyroxin-Einnahme getrunken wird, behindert Resorption und Bioverfügbarkeit des Hormons. „Deshalb sollte nach Nüchterneinnahme des Hormons mindestens eine halbe Stunde mit dem Kaffeetrinken abgewartet werden,“ rät Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI).

Einfluss anderer Medikamente

Etliche Wirkstoffe beeinflussen Resorption und Bioverfügbarkeit von Levothyroxin. Dazu gehören insbesondere Dopamin, Metformin, Kortikosteroide und Octreotide. Werden diese gleichsam mit Levothyroxin eingenommen, sinkt der TSH-Wert. Dieser ist so als Marker zur therapeutischen Kontrolle nicht mehr nutzbar. Menzel zufolge müssten in dem Fall die freien Hormone im Blut bestimmt werden.

Magen-pH-Wert und Levothyroxin

Die Levothyroxin-Resorption kann zudem durch Raloxifen, Cholestyramin und Protonenpumpeninhibitoren beeinträchtigt werden. Alle Wirkstoffe, die den Magen-pH-Wert heraufsetzen, verringern die Absorption des Schilddrüsenhormons. Erkrankungen, die die T4-Resorption beeinträchtigen sind unter anderem chronische Magen-Darm-Infekte, Helicobacter-Infektionen, Zöliakie/Sprue, atrophische Gastritis und Parasitosen.

Jod, Amiodaron und Lithium begünstigen eine Hypothyreose

Stark jodhaltige Kontrastmittel sowie Amiodaron und Lithium können die thyreoidale Hormonsekretion hemmen, so Menzel. Etwa 10 Prozent der Patienten, die Amiodaron einnehmen, entwickeln nach ein- bis zweijähriger Behandlung eine Hypothyreose. Lithium kann die Levothyroxin-Konzentration nach vierwöchiger Einnahme um 40 Prozent senken.

Einfluss von Soja, Kalzium und Eisen

Soja, Kalzium und Eisen können den Bedarf an Levothyroxin erheblich beeinflussen. Mitunter müssen die Dosis angepasst und das Therapieregime verändert werden. Wichtig ist, die Patienten über wechselseitige Interaktionen regelmäßig zu informieren. Veränderte Essgewohnheiten oder Substitutionen mit Nahrungsergänzungsmitteln (auch im Rahmen der Selbstmedikation) sollten während einer Schilddrüsensubstitutionstherapie ärztlich betreut werden.

Soja hemmt die Levothyroxin-Aufnahme

Soja und sojahaltige Nahrungsmittel können die intestinale Aufnahme von Levothyroxin herabsetzen und so den Bedarf des Schilddrüsenhormons erhöhen. Bei veränderten, zum Beispiel veganen Ernährungsumstellungen mit einem erhöhten Anteil an sojahaltigen Nahrungsmitteln, muss die Levothyroxin-Dosis unter Umständen angepasst werden.

Levothyroxin und Kalzium – Einnahmeabstände beachten

Die Levothyroxin-Resorption wird durch eine gleichzeitige Einnahme von Kalzium-Präparaten gehemmt. Durch Kalzium kann das freie T4 um bis zu 8 Prozent sinken, der TSH-Wert auf mehr als 4,5 mU/l ansteigen. Um das zu vermeiden, sollte das kalziumhaltige Medikament frühestens 30 bis 60 Minuten nach der Levothyroxin-Dosis eingenommen werden. Soll das Kalziumpräparat zuerst geschluckt werden, muss mit der Levothyroxin-Einnahme mindestens vier Stunden gewartet werden.

Eisenpräparate

Eisenpräparate können die Levothyroxin-Resorption beeinträchtigen. Grund hierfür scheint eine Komplexbildung mit dem polyvalenten Kation zu sein. Im schlimmsten Fall wird die Levothyroxin-Therapie dadurch unwirksam. Um eine solche Interaktion zu vermeiden, sollten Einnahmeabstände zwischen Levothyroxin und Eisen mindestens zwei, besser vier Stunden betragen. Empfohlen werden die Einnahme von Levothyroxin 30 Minuten vor dem Frühstück und die Eisensubstitution 30 Minuten vor dem Mittag- oder Abendessen.

Bestimmte Nahrungsmittel stören Schilddrüsenhormon-Bildung

Nüsse und Kohlgemüse gelten als gesund, sind jedoch für Patienten mit Hypothyreose, die Levothyroxin einnehmen, nicht unproblematisch.

Die Schilddrüse benötigt vor allem Jod, um Schilddrüsenhormone zu bilden. Thioglykoside und zyanogene Glykoside beeinflussen den Jodstoffwechsel.

  • Thioglykoside blockieren die Bindung von Jod an Tyrosin und hemmen so die Umwandlung von Jod in Schilddrüsenhormone. Thioglykoside sind vor allem in Kohl, Erdnüssen, Senf, Meerrettich und Radieschen enthalten.
  • Zyanogene Glykoside werden im Verdauungssystem zu Zucker und Zyanid abgebaut. Zyanid verringert die thyreoidale Aufnahme von Jod. Das wiederum reduziert die Bildung der Schilddrüsenhormone. Zyanogene Glykoside kommen insbesondere in Hirse, Leinsamen, Sprossen und Bittermandeln vor.

Pflaumen, Lactose und Flohsamenschalen

Patienten mit Hypothyreose leiden häufig an chronischer Obstipation. Um dieser auf natürlichem Weg vorzubeugen, greifen viele Patienten zu Pflaumen, Lactose oder Flohsamenschalen. Diese Hilfsmittel erhöhen die Darmaktivität und beschleunigen die Darmpassage. Schilddrüsenhormone wie Levothyroxin benötigen aber einige Zeit, bis sie aus dem Gastrointestinalkanal aufgenommen werden. Bei einer beschleunigten Darmentleerung würde das Levothyroxin ungenutzt mit dem Stuhl ausgeschieden werden und die Wirkung verringert sich oder bleibt im Extremfall ganz aus. Bei abführenden Stoffen gilt deshalb die 2-Stunden-Regel. Es sollten also mindestens zwei Stunden nach der Levothyroxin-Einnahme vergehen, bevor Laxanzien eingenommen werden.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 02.05.2017

Quelle:

Pressemeldung des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI)

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