Lumbalkanalstenose: Was hilft bei der Diagnose?

In einem systematischen Review analysierten die Mediziner 49 Tests. Keine der Untersuchungsmethoden für sich erwies sich als aussagekräftig genug, um eine Lumbalkanalstenose zu bestätigen oder auszuschließen.

Wirbelsäule

Hintergrund

Es gibt derzeit keinen einheitlichen Standard für die Diagnose einer Lumbalkanalstenose (lumbar spinal stenosis [LSS]). Typischerweise führen Ärzte eine sorgfältige Evaluierung der klinischen Zeichen und Symptome durch und bestätigen die Diagnose radiologisch.

Zielsetzung

Ein wissenschaftliches Team um Christian Jaeger Cook vom Department of Biology der University of North Carolina in Chapel Hill, USA, prüfte im Rahmen eines systematischen Review aktueller Publikationen das mögliche diagnostische Potential von Parametern, die auf demografischen Informationen und Patientenanamnese beruhten, sowie von klinischen Befunden und körperlichen Untersuchungen, eine LSS zu identifizieren. Außerdem untersuchten Sie die Korrelation zwischen dem Vorliegen bestimmter Testergebnisse und der Wahrscheinlichkeit für eine LSS [1].

Methodik

Die Wissenschaftler durchsuchen PubMed, CINAHL und Embase mit Kombinationen von Begriffen mit Bezug auf Schmerzen im unteren Rückenbereich, Stenose und diagnostische Genauigkeit. In die Analyse wurden prospektive oder retrospektive Studien aufgenommen, in denen die diagnostische Genauigkeit von Anamnese, klinischen Befunden und / oder körperlichen Tests in Bezug auf LSS untersucht wurde.

Das Verzerrungspotenzial und die Anwendbarkeit wurden mithilfe des QUADAS 2-Instruments (Quality Assessment of Diagnostic Accuracy Studies) bewertet.

Ergebnisse

Es wurden neun Studien für die Analyse berücksichtigt. Diese umfassten Daten von insgesamt 36.228 Teilnehmern. In diesen Studien wurden 49 verschiedene Tests untersucht, 30 basierten auf demografischen und anamnestischen Parametern, 19 auf klinischen Befunden oder Ergebnissen von körperlichen Untersuchungen. Von den neun eingeschlossenen Studien wiesen nur zwei ein geringes Verzerrungspotential auf, und sieben zeigten eine gute klinische Anwendbarkeit gemäß QUADAS 2.

Die meistverwendeten demografie- und anamnesebasierten Tests berücksichtigten Schmerzen beim Gehen/Stehen, Nachlassen der Schmerzen im Sitzen und ein Alter von über 60 Jahren. Die meistverwendeten auf klinischen Befunden und den Ergebnissen von körperlichen Untersuchungen basierenden Tests berücksichtigten Ganganomalien und intermittierende Verschlüsse.

Fazit

Die demografie- und anamnesebasierten Tests sowie die klinischen Befunde und Ergebnisse körperlicher Tests verbesserten die Diagnose einer LSS, fanden die Studienautoren. Lagen anhand des vom Patienten ausgefüllten Anamnesefragebogens keine Schmerzen im Sitzen aber ein Taubheitsgefühl im Dammbereich vor oder wurden Symptome nach einem Laufbandtest und ein abnormaler Romberg-Test beobachtet, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für eine LSS um mehr als 25%.

Abgesehen von einer Studie, in der das Vorliegen einer LSS bei Fehlen funktioneller neurologischer Veränderungen vollständig ausgeschlossen werden konnte, war keiner der Befunde für sich aussagekräftig genug, um eine LSS zu bestätigen oder auszuschließen.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 08.08.2019

Quelle:
  1. Cook et al. (2019) Systematic review of diagnostic accuracy of patient history, clinical findings, and physical tests in the diagnosis of lumbar spinal stenosis. European Spine Journal, DOI: 10.1007/s00586-019-06048-4
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