Ansteckung mit Masernviren im Tiermodell erforscht

Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben an einem Tiermodell nachvollzogen, was für die hohe Ansteckungsrate des Masernvirus verantwortlich ist. Die Forscher konnten zeigen, dass zwei zelluläre Rezeptoren eine entscheidende Rolle bei der Übertragung der Infektionskrankheit spielen.

Masern

Diese Erkenntnisse könnten klinische Bedeutung in der Therapieentwicklung gewinnen.

Masern sind für Menschen hoch ansteckend. Bei Kontakt mit einer infizierten Person liegt die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, bei mehr als 90 Prozent, sofern man nicht geimpft ist oder die Masern bereits durchgemacht hat. Aufgrund der nicht ausreichenden Durchimpfungsrate in der Bevölkerung kommt es trotz aller Bemühungen, das Masernvirus auszurotten, immer wieder zu lokalen Masernausbrüchen. Im Jahr 2017 in Deutschland fast dreimal so viele Menschen an Masern wie in 2016. Insgesamt waren es in 2017 929 gemeldete Fälle.

In der Untersuchung wurde der Hundestaupevirus verwendet, der wie der Masernvirus zur Gruppe der Morbilliviren gehört und ebenfalls hochinfektiös ist. Bekannt ist, dass die Viren bei der Infektion und Vermehrung im infizierten Wirt mit zwei unterschiedlichen Rezeptoren auf den Zellen des Wirts interagieren. Es wird angenommen, dass Masernviren bei der Ansteckung erst an einen Rezeptor auf Immunzellen andocken, sich hier weiter vermehren und später an einen zweiten Rezeptor auf Zellen der Atmungswege andocken und über diese auf den nächsten Wirt übertragen werden. Inwieweit die Interaktion zwischen Virus und einem oder beiden Zellrezeptoren für die Übertragung des Erregers erforderlich ist, ist nicht bekannt. Da der Mensch der einzige Wirt des Masernvirus ist, ist eine Erforschung der zugrundeliegenden Mechanismen bei Masern schwierig. Deshalb griffen die Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts auf ein Ersatzmodell zurück: Sie nutzen Frettchen, die hochempfänglich für den engen Verwandten des Masernvirus, das Hundestaupevirus, sind.


Um die Bedeutung der Rezeptorinteraktionen für die Übertragung zu ermitteln, infizierten die Forscher in Zusammenarbeit mit Forschern der Mayo Clinic, Rochester, Minnesota, USA, Frettchen mit dem natürlichen Hundestaupevirus oder mit Virusmutanten, die nicht länger in der Lage waren, mit einem der beiden zellulären Rezeptoren zu interagieren. Wie erwartet infizierten sich die Frettchen, die mit dem natürlichen Hundestaupevirus in Kontakt kamen, und erkrankten. Dabei übertrugen bereits erkrankte Tiere das Virus am effizientesten. Bei den  genetisch veränderten Viren, die nur an einen der beiden Rezeptoren andocken konnten, wurde der Hundestaupevirus nur in Einzelfällen übertragen und erzeugte keine Krankheit.

Die Forschungsergebnisse belegen die Bedeutung der Interaktion mit den zellulären Rezeptoren für die Übertragung von Morbilliviren. Sie ist für die Weiterverbreitung der Erkrankung von zentraler Bedeutung. Diese Erkenntnisse könnte künftig genutzt werden, um Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielt diese Interaktion unterbinden. Ein Vorteil einer solchen Strategie: Hier ist die Entwicklung von Resistenzen unwahrscheinlich. Ungeimpfte könnten hiervon nach Kontakt mit Masernerkrankten profitieren, auch wenn die Impfung immer noch der beste Schutz vor Masern ist.
 

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 07.06.2018

Quelle:

Pressenmitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts "Ansteckung mit Masernviren: Andocken an zwei Zellrezeptoren notwendig"

Originalarbeit: Sawatsky B, Cattaneo R, von Messling V (2018): Canine Distemper Virus Spread and Transmission to Naive Ferrets: Selective Pressure on SLAM-Dependent Entry.
J Virol May 23 http://jvi.asm.org/content/early/2018/05/17/JVI.00669-18.abstract

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