Kann Metformin zukünftig Frühgeburten vermeiden

Metformin könnte bei erhöhtem Risiko eine drohende Frühgeburt verhindern - so ein Bericht im US-amerikanischen Journal of Clinical Investigation.

Kann Metformin zukünftig Frühgeburten vermeiden

Metformin könnte bei erhöhtem Risiko eine drohende Frühgeburt verhindern – so ein Bericht im US-amerikanischen Journal of Clinical Investigation. Dr. Wenbo Deng aus der Abteilung für Reproduktionswissenschaften des Cincinnati Children’s Hospital Medical Center in Ohio und sein Team veröffentlichten dahingehende Studienergebnisse aus Experimenten an Mäusen. Ob diese Erkenntnisse auch auf den Menschen zu übertragen sind, bleibt abzuwarten. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise, dass Metformin in der Schwangerschaft teratogene Auswirkungen hat. Bei Kinderwunsch und polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) erfolgt die Behandlung mit Metformin bereits heute off-label.

Gendeletion für Frühgeburten verantwortlich

Entzündungen und oxidativer Stress können Risikofaktoren für eine Frühgeburt sein. Die genauen Mechanismen dafür sind jedoch noch nicht vollständig bekannt. Wissenschaftler der amerikanischen Forschungsgruppe zeigten zunächst, dass sich bei Mäusen über den mTORC1 (Mammalian Target of Rapamycin Complex 1) Signalweg das Risiko einer uterin-spezifischen Deletion des Transformationsproteins 53 erhöht.  Im Uterus fungiert das gesunde Gen p53 physiologisch als sogenanntes Schutzengel-Gen, um Frühgeburten zu verhindern. Gendeletionen oder auch ein Mangel an p53 allerdings bewirken eine Zellalterung im schwangeren Endometrium, die bei Mäusen spontan- und entzündungsbedingte Frühgeburten auslöst.

Metformin im Mausmodell erfolgreich

Das Forscherteam untersuchte nun am Mausmodell, ob Metformin über eine Inhibition des mTORC1-Signalwegs und einer Stimulierung der Adenosinmonophosphat-aktivierten-Proteinkinase (AMPK) Einfluss auf das Frühgeburtenrisiko hat. Das Antidiabetikum bewirkt beide Effekte vermutlich über die Freisetzung des Proteins Sestrin 2 (SESN2).

Die Wissenschaftler untersuchten schwangere Mäuse, denen das Gen p53 fehlte. Die Behandlung erfolgte entweder mit dem Biguanid Metformin oder dem Antioxidans Resveratrol. Im Ergebnis senkten beide Wirkstoffe die Anzahl spontaner und entzündungsbedingter Frühgeburten. Dabei schnitt das Antidiabetikum Metformin erfolgreicher ab als das Polyphenol Resveratrol. Zudem erhöhte sich die Anzahl von lebend geborenen Mäusekindern nach der Gabe von Metformin und Resveratrol. Teratogene Wirkungen konnten in beiden Fällen nicht beobachtet werden.

Metformin weckt Hoffnungen in der Reproduktionsmedizin

Den Wissenschaftlern zufolge soll eine deziduale Zellalterung infolge einer gesteigerten mTORC1-Aktivität auch bei Menschen das Risiko von Frühgeburten erhöhen. Wenn die Erkenntnisse an Mäusen tatsächlich auf den Menschen übertragbar wären, hätte das Forscherteam mit Metformin und Resveratrol eine potenzielle therapeutische Strategie zur Vermeidung von Frühgeburten entdeckt. Das wäre für Frauen mit erhöhtem Frühgeburten-Risiko und Mediziner mit Schwerpunkt Reproduktionsmedizin ein starker Hoffnungsschimmer.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 03.08.2016

Quelle:

The Journal of the American Medical Association (JAMA)

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