Neueinführung MilnaNeurax

Das neu zugelassene Milnaneurax enthält den Wirkstoff Milnacipran und kann jetzt auch in Deutschland zur Behandlung Erwachsener mit Major Depression eingesetzt werden. In anderen Ländern wie Österreich, Frankreich, Finnland oder Japan wird das Antidepressivum schon länger verordnet. Nach bisheriger Studienlage ist Milnaneurax ebenso wirksam wie Venlafaxin, jedoch besser verträglich.

Frau mit Depression

Milnacipran gehört wie Venlafaxin und Duloxetin zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI). Jedoch scheint das Verhältnis der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme zur Noradrenalin-Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt in die präsynaptischen Vesikel bei Milnacipran ausgeglichener zu sein. Ebenso kann positiv bewertet werden, dass der Wirkstoff nicht über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert wird. Somit müssen auch keine CYP-abhängigen Wechselwirkungen beachtet werden.

Der Wirkstoff hat keine Affinität zu α1-Adreno-, Histamin-H1-, Dopamin-, Benzodiazepin- oder Opioidrezeptoren. Zudem wirkt Milnacipran nicht anticholinerg, ist kaum sedierend und verursacht kardial keine signifikanten Veränderungen bei der Repolarisation oder der Erregungsleitung. Auch kognitive Tests werden durch die Einnahme von Milnaneurax nicht beeinträchtigt.

Milnacipran kann sich positiv bei depressiven Patienten mit Schlafstörungen auswirken. In Studien wurden die Latenzzeit beim Einschlafen und die Häufigkeit nächtlicher Aufwachepisoden verringert. Zudem erhöhte sich die Latenzzeit bis zum Beginn des REM-Schlafs und die Gesamtschlafdauer verlängerte sich.

Dosierung von Milnaneurax

Milnaneurax (Firma neuraxpharm Arzneimittel GmbH) ist in Form von Hartkapseln mit 25 und 50 mg Milnacipranhydrochlorid erhältlich. Der Hersteller empfiehlt eine Dosis von 100 mg pro Tag, verteilt auf zwei Gaben von je 50 mg. Die Einnahme sollte vorzugsweise mit einer Mahlzeit erfolgen.

Wie bei anderen Antidepressiva tritt auch die Wirkung von Milnaneurax üblicherweise erst nach einer bis drei Wochen ein. Patienten sollten über einen ausreichend langen Zeitraum (in der Regel über sechs Monate) behandelt werden. Bei Beendigung der Therapie wird empfohlen, das Medikament schrittweise abzusetzen und die Dosis auszuschleichen.

Studien und Hintergrundinformationen

Milnacipran konnte bezüglich Wirksamkeit in mehreren Studien überzeugen. In einer Studie zeigten täglich 100 mg Milnacipran die gleiche Wirksamkeit wie 150 mg Amitriptylin pro Tag. In einer anderen Studie waren täglich 100 mg Milnacipran über vier bis zwölf Wochen ähnlich wirksam wie 150 mg Imipramin und Clomipramin pro Tag. Eine Metaanalyse der Vergleichsstudien von Milnacipran und Imipramin bei hospitalisierten Patienten mit Major Depression ergab eine ähnliche Wirksamkeit (Responder mit Imipramin 66%, mit Milnacipran 64 %, Remissionsrate 41 versus 38 %). Eine Metaanalyse der Vergleichsstudien mit Trizyklika zeigte für Milnacipran eine Responderrate von 64 Prozent und für Trizyklika von 67 Prozent. In sechs Studien remittierten mit Milnacipran 39 Prozent und 42 Prozent mit dem Trizyklikum Imipramin.

Zudem bewerteten 2008 zwei Gutachter unabhängig voneinander 16 randomisierte Studien mit 2277 erwachsenen Teilnehmern in einer Meta-Analyse. Dabei zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in Wirksamkeit, Akzeptanz und Verträglichkeit beim Vergleich von Milnacipran und anderen Antidepressiva. Im Vergleich zu Trizyklika kam es während der Behandlung mit Milnacipran zu weniger Therapieabbrüchen aufgrund unerwünschter Ereignisse. Zudem erlebten die Milnacipran-Probanden weniger Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Benommenheit, Mundtrockenheit und Obstipation.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Milnacipran insbesondere für Patienten geeignet ist, die eine Behandlung ihrer Major Depression mit anderen Antidepressiva aufgrund inakzeptabler Nebenwirkungen in der akuten Phase der Therapie abbrechen.


Datum: 01.08.2016

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Quelle: European Medicines Agency (EMA)