Neue Informationen und Empfehlungen zu diabetischen Ketoazidosen unter SGLT2-Inhibitoren

Der Ausschuss für Risikobewertung der Europäischen Arzneimittelagentur (PRAC) gibt neue Informationen und Empfehlungen bekannt, um das Risiko einer diabetischen Ketoazidose während einer SGLT2-Inhibitoren-Therapie zu minimieren.

Diabetes

Im Fokus stehen insbesondere atypische Fälle, bei denen zunächst nicht an diese mitunter lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung gedacht wird. Die Erkenntnisse resultieren aus einem Risikobewertungsverfahren, das der Pharmakovigilanzausschuss im vergangenen Jahr zu SGLT2-Inhibitoren einleitete. Anstoß waren mehr als 100 Meldungen schwerwiegender Ketoazidosefälle, die der europäischen Nebenwirkungsdatenbank EudraVigilance gemeldet wurden.

SGLT2-Inhibitoren-assizoierte Diabetische Ketoazidosen

Eine diabetische Ketoazidose ist bekanntermaßen eine schwere metabolische Entgleisung infolge niedriger Insulinspiegel. Beobachtungen zufolge trat diese insbesondere bei Typ-II-Diabetikern auf, die SGLT2-Inhibitoren einnahmen. EU-zugelassene SGLT2-Inhibitoren beinhalten die Wirkstoffe Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin als Monosubstanz oder in Kombination mit dem Biguanid Metformin. Unter dieser Therapie kam es mehrfach zu atypischen Fällen mit niedrigeren Blutzuckerspiegeln, als sie bei einer diabetischen Ketoazidose zu erwarten gewesen wären. Atypische Fälle bergen die große Gefahr einer verzögerten Diagnose und Therapie-Einleitung. Deshalb informiert der Pharmakovigilanzausschuss, insbesondere bei einer Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren auf Anzeichen einer diabetischen Ketoazidose zu achten. Zudem sollten auch die Patienten für entsprechende Symptome sensibilisiert werden.

Symptome und Risikofaktoren einer diabetischen Ketoazidose

Anzeichen einer diabetischen Ketoazidose, auf die Patienten hingewiesen werden sollten, sind insbesondere Übelkeit und Erbrechen, abdominale Schmerzen, Polydipsie, kompensatorische Kußmaul-Atmung, süßlicher oder azetonartiger Foetor ex ore, sowie  süße oder metallische gustatorische Wahrnehmung, Verwirrtheit, schnelle und ungewöhnliche starke Ermüdbarkeit bzw. Erschöpfung sowie abnormer Ketonkörper-bedingter Geruch von Schweiß und Urin. Bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose muss sofort ärztliche Hilfe angefordert werden. Die Einnahme von SGLT2-Inhibitoren und anderen Antidiabetika ist unverzüglich bis zur Ursachenidentifizierung der Ketoazidose abzubrechen. Besondere Risikofaktoren für diabetische Ketoazidosen sind unter anderem eine eingeschränkte Nährstoffaufnahme, schwere Dehydratation, eine abrupte Reduzierung des Insulins oder ein erhöhter Insulinbedarf infolge Krankheit (z.B. fieberhafter Infekt), Operation oder übermäßigem Alkoholkonsum sowie eine niedrige Reserve von Insulin-sezernierenden Zellen.

Weitere PRAC-Empfehlungen

Der Pharmakovigilanzausschuss empfiehlt weiterhin, eine SGLT2-Inhibitoren-Therapie vorübergehend zu unterbrechen, wenn der Patient infolge einer schweren Erkrankung oder größeren Operation stationär behandelt wird. Zudem wird erneut daran erinnert, dass SGLT2-Inhibitoren nicht zur Behandlung des Diabetes Typ I zugelassen sind und off label einige Fälle von Ketoazidosen auffielen. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von SGLT2-Inhibitoren in der Diabetes-Typ II Therapie wird vom PRAC jedoch weiterhin positiv eingestuft.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 19.02.2016

Quelle:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC)

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