Testreihen

Nach den überdurchschnittlich vielen Neuzulassungen im Jahr 2018 werden auch im Jahr 2019 zahlreiche neue Arzneimittel erwartet. Die Schätzungen belaufen sich auf rund 30 neue Medikamente. Hauptsächlich sollen die Therapieoptionen in der Krebstherapie verbessert und das Portfolio der Antibiotika aufgestockt werden. Den forschenden Pharma-Unternehmen zufolge wird jedes dritte neu zugelassene Arzneimittel ein Krebsmedikament sein. Schon jetzt gibt es viele Zulassungsbeantragungen. Als weitere Neuzulassungen sind Medikamente gegen Blutgerinnungsstörungen, Orphan Diseases, Diabetes, Migräne und Osteoporose denkbar.

Neue Arzneimittel gegen Infektionskrankheiten

Wie bereits 2018 wird ein Hauptaugenmerk der Pharmaunternehmen auf dem Sektor der Antibiotika liegen. Es ist wichtiger als je zuvor, Medikamente zu entwickeln, die auch resistente Bakterien gegen ältere Arzneimittel sicher bekämpfen. Zwei dieser neuen Antibiotika haben bereits 2018 die Zulassung erhalten, vier weitere Zulassungsbeantragungen laufen.

HIV-infizierte Patienten können ebenfalls hoffen. Möglicherweise wird es einen monoklonalen Antikörper geben, der selbst bei derzeitigen Therapieversagern wirkt. Zudem wird über neue Wirkstoffe gegen die Infektionskrankheiten Grippe und Anthrax spekuliert.

Neue Arzneimittel gegen Krebserkrankungen

Experten rechnen 2019 verstärkt mit neuen Krebsmedikamenten. Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (VfA), verweist dabei auf den hohen Bedarf in der Onkologie: „Denn fast jeder Zweite in Deutschland erkrankt im Laufe seines Lebens an der einen oder anderen Art von Krebs; und Krebs ist nach wie vor die zweithäufigste Todesursache“, so Fischer. Im neuen Jahr könnten bis zu vier Neuzulassungen gegen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) vergeben werden. NSCLC sind derzeit vor allem im fortgeschrittenen Stadium kaum zu behandeln.

Im Zulassungsverfahren sind darüber hinaus Medikamente gegen das kutane Plattenepithelkarzinom, bestimmte Leukämieformen und Lymphome sowie gegen Mamma-, Ovarial- und Prostatakarzinome.

Organübergreifendes Krebsmittel erwartet

Neben den lokal wirkenden Krebsmedikamenten könnte es 2019 auch ein organübergreifendes Onkologikum geben. Die Zulassung wurde für alle Karzinome beantragt, die bestimmte Mutationen im NTRK-Gen aufweisen. Fischer dazu: „Dass erstmals in der EU für ein Krebsmedikament ein gen- statt organ-bezogenes Anwendungsgebiet festgelegt werden könnte, zeigt den Erkenntnisfortschritt der Krebsforschung auf molekularer Ebene. Für viele Patienten heißt dies, dass neue Behandlungsmöglichkeiten sie schneller als früher erreichen können.“

Immunonkologische Modulatoren und direkt wirkende Anti-Tumor-Medikamente

Wie bereits 2018 rechnet der VfA mit einer immunonkologischen Methode, die körpereigene Abwehrzellen im Kampf gegen Krebszellen „aufrüstet“. Diese modifizierten Zellen können anschließend als Arzneimittel verabreicht werden.

Zudem sind chemisch-synthetische lokale Onkologika zu erwarten, die direkt am Tumor die intrazelluläre Signalübertragung blockieren oder die DNA-Reparatur stören.

Neue Arzneimittel gegen Blutgerinnungsstörungen

Das nächste Jahr könnte auch das Hoffnungsjahr für Menschen mit einer erhöhten Blutungsneigung sein. Insbesondere werden Medikamente erwartet, die Patienten mit einem Mangel des Gerinnungsfaktors VIII oder des von-Willebrand-Faktors helfen. Als weitere Option wird über neue Therapiemöglichkeiten bei Blutgerinnungsstörungen infolge einer Thrombozytenanomalie diskutiert.

Ebenso könnte sich die Situation vor Notfalloperationen bei Patienten, die bestimmte Antikoagulantien (beispielsweise zur Schlaganfall-Prophylaxe) einnehmen, entspannen. Experten rechnen mit einem Arzneimittel, dass im Notfall rasch die volle Gerinnungsfähigkeit wieder herstellen kann.

Neue Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen

Seit einigen Jahren setzen Pharmaunternehmen vermehrt den politisch geforderten Wunsch um, einen erhöhten Beitrag im Kampf gegen Orphan Diseases zu leisten. So dürften auch 2019 Patienten mit bestimmten seltenen Erkrankungen erstmalig Therapiechancen erhoffen. Schätzungen zufolge werden ein Drittel der Neuzulassungen einen Orphan-Drug-Status bekommen. Zu erwarten sind unter anderem Gentherapeutika gegen Lebersche Amaurose und Retinitis pigmentosa. Beide angeborenen Krankheiten können unbehandelt zur Erblindung führen.

Weitere neue Arzneimittel

Weitere neue Arzneimittel im Jahr 2019 dürften Wirkstoffe gegen bestimmte Dermatitis- und Vaskulitisformen sowie gegen Osteoporose sein. Ebenso wird sich vermutlich das Portfolio der Migräne-Prophylaktika erweitern.

Darüber hinaus wird 2019 wieder einmal spekuliert, ob es endlich gelingt, eine orale Möglichkeit zur Blutzuckerkontrolle zu entwickeln. Davon würden vor allem Patienten mit Diabetes Typ I profitieren.

Besserer Schutz vor Fälschungen

Neben den Neuzulassungen setzen Pharmaunternehmen 2019 ihren Schwerpunkt auf die Fälschungsabwehr. Ziel ist, dass jede Packung ein Unikat wird. Dieses kann von Apotheken und Krankenhäusern leichter auf Fälschungen hin überprüft werden. Patienten sollen besser vor Arzneimittelfälschungen geschützt werden, indem die Packungen aller rezeptpflichtigen Medikamente zusätzliche Sicherheitsmerkmale erhalten. Das kann zum Beispiel ein spezielles Sicherungssiegel sein, das nach dem Öffnen der Kartonage in einzelne Fragmente zerfällt und so den Erstöffnungsschutz gewährleistet.

Ab Februar wird das Sicherheitssystem securPharm etabliert, das Hersteller, Großhändler, Apotheken und klinische Einrichtungen im Sicherungsablauf einbindet und zur täglichen Fälschungsabwehr beitragen soll.

Fazit

Die Hauptgeschäftsführerin des VfA resümiert: „Für viele Patientinnen und Patienten wird es 2019 neue Behandlungsmöglichkeiten für ihre Leiden geben. Denn Pharma-Unternehmen haben für zahlreiche neue Medikamente die europaweite Zulassung beantragt – oder bereits erhalten – und könnten diese in diesem Jahr auf den Markt bringen.“

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 08.01.2019

Quelle:

Die forschenden Pharma-Unternehmen, Pressemitteilung, 2. Januar 2019