Virus

Am 10. November 2017 folgte eine positive Empfehlung zur Marktzulassung in Europa von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Bereits im Juni 2012 erteilte der COMP-Ausschuss (Committee for Orphan Medicinal Products) Prevymis den Status eines Orphan Drugs.  Prevymis (Letermovir) ist ein neuartiger nicht-nukleosidischer Inhibitor des Cytomegalievirus (CMV).

Was ist Prevymis?

Das Medikament Prevymis von MSD (Handelsname von Merck & Co., Inc., Kenilworth, N.J., USA) ist indiziert zur Prävention von CMV-Infektionen und -Erkrankungen bei adulten (erwachsenen) CMV-seropositiven Empfängern allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantationen („allogeneic hematopoietic stem cell transplants“, HSCT). Die FDA-Zulassung gilt sowohl für die orale Einnahme in Tablettenform als auch für die intravenöse Infusion.

CMV-Infektion und Letermovir

CMV ist ein weitverbreitetes Virus, das bei immunkompetenten Personen nur milde Infektionen verursacht. Anschließend bleibt das Virus typischerweise lebenslang inaktiv oder latent im Organismus nachweisbar. Bei einem geschwächten Immunsystem kann es zu einer Reaktivierung des Virus kommen. Die Immunsuppression im Rahmen einer HSCT erhöht das Risiko einer Virusreaktivierung. Dabei kann es zu potentiell schwerwiegenden Virusinfektionen bei Stammzellempfängern kommen. Organschäden im Magen-Darm-Trakt, Pneumonie (Lungenentzündung) oder Retinitis (Entzündung der Netzhaut) können die Folge sein. Das Risiko für ein Transplantatversagen mit Todesfolge ist bei HSCT-Empfängern, die nach der Transplantation eine CMV-Infektion entwickeln, erhöht.

Andere antivirale Arzneimittel zur CMV-Prophylaxe stehen in Verdacht Myelosuppression (Knochenmarksdepression) und Nierentoxizität als arzneimittelspezifische Nebenwirkungen zu verursachen. Letermovir gehört einer neuen Klasse nicht-nukleosidischer CMV-Inhibitoren an. Durch die gezielte Inhibition (Hemmung) des viralen Terminasekomplexes wird die Virusreplikation blockiert. Kreuzresistenzen zu bereits vorhandenen Medikamenten sind nicht zu erwarten. Prevymis ist gegen Viren, die gegenüber CMV-DNA-Polymerase-Inhibitoren resistent sind, voll wirksam.

Studien

Die Evaluierung von Prevymis als Prophylaxe einer CMV-Infektion oder Erkrankung bei CMV-seropositiven Empfängern einer HSCT erfolgte in einer doppelblinden, placebokontrollierten Multi-Center-Studie der Phase 3 mit 565 Teilnehmern. Die Studienteilnehmer der Experimentalgruppe erhielten entweder Prevymis in einer Dosis von 480 mg einmal täglich oder 240 mg einmal täglich, wenn eine zusätzliche Therapie mit Ciclosporin erfolgte. Die Applikation erfolgte entweder oral oder intravenös. Die Prevymis-Gabe wurde am Tag der Stammzelltransplantation bzw. nicht später als 28 Tage post Transplantation begonnen und dauerte bis zur 14. Woche nach Transplantation an. In dieser Studie traten bedeutend weniger klinisch signifikante CMV-Infektionen in der Prevymis-Gruppe (38 %, n=122/325) im Vergleich zur Placebo-Gruppe auf (61 %, n=103/170). Auch Behandlungsabbrüche waren seltener. Die häufigste Nebenwirkung, die zum Abbruch der Studie führte war Übelkeit. Weitere häufige Nebenwirkungen waren Diarrhö und Vomitus.

Über AiCuris

AiCuris wurde im Jahr 2006 als Spin-Off von Bayer gegründet. Die AiCuris Anti-infective Cures GmbH konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten. Im Unternehmen werden Medikamente gegen Viren wie das humane Cytomegalovirus (HCMV), das Herpes-simplex-Virus (HSV), das Hepatitis-B-Virus (HBV) und Adenoviren entwickelt. Auch innovative Therapieansätze zur Behandlung (multi-)resistenter Krankenhauserreger sind Gegenstand der Forschung bei AiCuris.

Prevymis wurde von AiCuris bis zum Ende der Phase 2 entwickelt und 2012 an MSD auslizenziert. Dr. Holger Zimmermann, CEO von AiCuris, freut sich über die Marktzulassung von Prevymis durch die FDA und über die positive Empfehlung des CHMP-Ausschusses (Committee for Medicinal Products for Human Use) der EMA: „Im Falle einer Zulassung durch die EU-Kommission wäre PREVYMIS (Letermovir) damit auch in Europa erhältlich. Dies wäre nicht nur ein weiterer bedeutender Meilenstein für AiCuris, sondern auch eine mögliche neue Therapieoption für entsprechende Patienten, die sich in Europa einer allogenen Stammzelltransplantation unterziehen müssen.“ MSD geht davon aus, dass die Europäische Kommission die Entscheidung  innerhalb von etwa zwei Monaten treffen wird.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 15.11.2017

Quelle:

AiCuris Anti-infective Cures GmbH, European Medicines Agency (EMA), Food and Drug Administration (FDA), Merck & Co., Inc.