Neuer Neurokinin B-Antagonist gegen menopausale Hitzewallungen

Ein neuer Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonist (MLE4901) soll vasomotorische Symptome von Frauen in der Menopause effektiv lindern können.

Wechseljahre Frau

Entsprechende Ergebnisse einer Phase-II-Studie wurden in Orlando/Florida auf der Jahrestagung der Endocrine Society vorgestellt und im Fachmagazin Lancet publiziert (2017; DOI: 10.1016/S0140-6736(17)30823-1).

Ein neuer, oral verfügbarer Wirkstoff könnte in Zukunft das Portfolio gegen vasomotorische Wechseljahresbeschwerden bei Frauen erweitern. MLE4901 wirkt im Hypothalamus und beeinflusst so direkt die hormonelle Thermoregulation. Eine Phase-II-Studie von AstraZeneca berechtigt nach Angaben der beteiligten Forscher zu Optimismus. Demnach soll der neue Wirkstoff insbesondere Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen um nahezu drei Viertel reduzieren. Den Studienautoren zufolge fühlen sich 70 Prozent der Frauen im klimakterischen Alter durch diese Beschwerden in ihrem körperlichen, psychosozialen, sexuellen und allgemeinen Wohlbefinden gestört.

Hitzewallungen als Folge von menopausalem Östrogenmangel

In der Menopause sistiert die ovarielle Östrogenproduktion und das Östrogen-Negativ-Feedback erlischt. In Folge erhöht sich die Bildung der Gonadotropin-Releasing-Hormone (GRH) im Hypothalamus. Damit nimmt die Aktivität der Kisspeptin-Neurokinin-B-Neurone zu, die über die Area praeoptica die Thermoregulation steuern. Dafür binden die Neurone zunächst an NK3-Rezeptoren. Die dermalen Gefäße erweitern sich und die Wärmeabgabe steigt. Übermäßige Hitzewallungen und Nachtschweiß sind die Folge. Die meisten Frauen im Klimakterium empfinden diese vasomotorischen Symptome als alltagsbeeinträchtigend.

Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonisten gegen klimakterische Beschwerden

Der Wirkstoff MLE4901 gehört zur Gruppe der Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonisten. Diese beeinflussen die Thermoregulation im Hypothalamus. Je mehr Neurokinin-B-Neurone in der Menopause vorhanden sind, umso höher ist die dermale Wärmeabgabe. MLE4901 blockiert die Neurokinin-3-Rezeptoren und verringert so die Erweiterung der Hautgefäße. Damit wird eine erhöhte Abgabe von Wärme unterbunden.

MLE4901 reduziert Hitzewallungen um knapp drei Viertel

MLE4901 wurde an 28 klimakterischen Frauen (physiologisch oder nach bilateraler Ovarektomie) in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-II-Studie untersucht. Die Frauen im Alter von 40 bis 62 Jahren gaben sieben oder mehr Hitzewallungen pro Tag an. Als Parameter für die Menopause dienten ein FSH-Anstieg > 20 mlU/ml oder ein Abfall der Estradiolkonzentration < 90 pmol/l. Die Frauen erhielten jeweils vier Wochen in einem Cross-Over-Design zweimal täglich 40 mg MLE4901 oder zweimal täglich Placebo. Zwischen dem Therapiewechsel lag eine zweiwöchige Washout-Periode.

Ergebnis: Während der Therapie mit dem Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonisten sank die Gesamtrate der Hitzewallungen um 73 Prozent. Mit Placebo konnte nur ein Rückgang um 28 Prozent verzeichnet werden. MLE4901 wurde von allen Teilnehmerinnen gut vertragen.

Vorteile gegenüber Hormonersatztherapie und Naturheilkundeverfahren

Bisher lag der Fokus bei menopausalen Hitzewallungen und Co. primär auf dem Ersatz von Östrogenen sowie der Gabe von Phytotherapeutika oder homöopathischen Mitteln. Bei letzteren war die Wirkung häufig zu schwach oder der Wirksamkeitsnachweis fehlte ganz. Die Hormonersatztherapie (HET) war mit unerwünschten Risiken und Nebenwirkungen vergesellschaftet. So führte die Substitution von Östrogenen beispielsweise zu einer erhöhten Rate von Thrombosen, apoplektischen Insulten und Mammakarzinomen. Der neue Neurokinin B-Antagonist erscheint sicherer. Da er direkt in den Pathomechanismus der menopausalen Beschwerden eingreift, birgt er vermutlich weniger Risiken als eine HET. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob der Optimismus der Studienautoren berechtigt ist und Frauen in der Menopause tatsächlich - auch langfristig - von der neuen Therapieoption profitieren.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 11.04.2017

Quelle:

The Lancet

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