Wirklich ein Fall für die Notaufnahme?

Eine aktuelle Studie untersuchte, warum Patienten hierzulande in der Notaufnahme vorstellig werden, obwohl eine Behandlung beim Hausarzt ausreichend gewesen wäre.

Notaufnahme

Hintergrund

Nicht nur in Deutschland, auch international ist eine Zunahme von Fällen festzustellen, die in Notaufnahmen behandelt werden, obwohl eine adäquate Therapie beim niedergelassenen Arzt möglich gewesen wäre.

Die Zunahme solcher vermeintlichen Notfälle führt zu Überlastungen in den Notaufnahmen, was die Patientensicherheit beeinflussen kann.

Zielsetzung

Die Autorinnen Wiebke Schüttig und Leonie Sundmacher vom Fachbereich Health Services Management der Ludwig-Maximillians-Universität München erstellten die erste konsensbasierte Liste von Diagnosen, die häufig in deutschen Notaufnahmen vorkommen, aber beim Hausarzt adäquat therapiert werden könnten [1]. Außerdem suchten die Autorinnen nach Prädiktoren für diese vermeidbaren Fälle in Notaufnahmen.

Methodik

Die Studie nutzte ein Delphi-Konsensverfahren. Mithilfe dieses Verfahrens stellten 30 Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen eine Liste mit Diagnosen zusammen, die in Notaufnahmen vorkommen, aber von einem niedergelassenen Arzt hätten behandelt werden können.

Weiterhin wurden Merkmale von Patienten ausgewertet, die mit ambulant therapierbaren Krankheiten in der Notaufnahme vorstellig werden. Auch das Zusammenwirken von Patientenmerkmalen und dem Umfeld der ambulanten Versorgung wurden untersucht.

Ergebnisse

Diagnosen, die häufig in Notaufnahmen gestellt wurden, obwohl eine adäquate Therapie beim niedergelassenen Arzt möglich gewesen wäre, umfassten unter anderem:

Insgesamt umfasst die Liste 31 Diagnosen, die in absteigender Wahrscheinlichkeit von einem niedergelassenen Mediziner hätten therapiert werden können.

In Regionen mit einer niedrigeren Arztdichte wurden Notfallaufnahmen häufiger besucht. Patientenwahrnehmung und –präferenz wurden als Hauptfaktoren für die „unnötige“ Vorstellung in Notaufnahmen identifiziert. Außerdem haben die Patienten häufig einen höheren Grad an Begleiterkrankungen und weisen tendenziell einen niedrigeren sozialen Status auf.

Fazit

Die Autorinnen sehen in den Studienergebnissen die Bestätigung dafür, dass in Deutschland eine steuernde Instanz fehlt. Den Patienten ist es freigestellt, ob sie niedergelassene Ärzte oder eine Notfallambulanz aufsuchen.

Ziel der Politik sollte die Schaffung von besseren Koordinations- und Leitungsstrukturen sein, so dass Patienten die beste Versorgung in der adäquaten Versorgungseinrichtung erhalten, so die Autorinnen abschließend.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 31.05.2019

Quelle:
  1. Schuettig und Sundmacher: Ambulatory care-sensitive emergency department cases: a mixed methods approach to systemize and analyze cases in Germany. European Journal of Public Health, DOI: 10.1093/eurpub/ckz081
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