Obeticholsäure bei primärer biliärer Cholangitis

Der Wirkstoff soll Patienten helfen, die nicht genügend auf eine Behandlung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) ansprechen, diese nicht vertragen oder aus anderen Gründen keine UDCA erhalten dürfen. Obeticholsäure kann als Monotherapeutikum oder in Kombination mit Ursodesoxycholsäure gegeben werden.

Galle

Der Wirkstoff soll Patienten helfen, die nicht genügend auf eine Behandlung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) ansprechen, diese nicht vertragen oder aus anderen Gründen keine UDCA erhalten dürfen. Obeticholsäure kann als Monotherapeutikum oder in Kombination mit Ursodesoxycholsäure gegeben werden.

Wirkung von Obeticholsäure

Das Orphan Drug Obeticholsäure ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe, der selektiven Farnesoid-X-Rezeptor-Agonisten. FXR beeinflussen als nukleäre Gallensalzrezeptoren diverse Stoffwechselvorgänge und sind insbesondere an der Regulation der Gallensäurehomöostase sowie an Fibrose- und Entzündungsvorgängen beteiligt. Sie werden in großer Anzahl von Hepatozyten und Enterozyten exprimiert. Durch Bindung von Gallensalzen wird die Gallensäurensynthese verringert und der Gallensäureabbau verstärkt. In Folge werden Hepatozyten vor den Gallensäuren geschützt.

Wirkweise

Obeticholsäure ist ein halbysnthetisches Derivat der natürlichen primären Gallensäure Chenodesoxycholsäure (CDCA). Sie wirkt agonistisch am Farnesoid-X-Rezeptor, der im Zellkern als Transkriptionsfaktor die Aktivität der Cholesterol-7-alpha-Hydroxylase hemmt. Diese Hydroxylase spielt als Schlüsselenzym eine wichtige Rolle bei der Synthese, Konjugation und den Transport der Gallensäuren. Nachdem Obeticholsäure die FX-Rezeptoren aktiviert, erhöht sich der Gallenfluss aus der Leber und die intrahepatische Gallensäuresynthese wird gehemmt. Die Leber wird in Folge vor toxischen Mengen an Gallensäure und einem Gallenstau geschützt.

Studienlage: Obeticholsäure signifikant besser als Placebo

In Studien zeigte Obeticholsäure, dass sie schnell und nachhaltig alkalische Phosphatase (ALP)- und Bilirubin-Werte verbessern konnte. Bei der Zulassungs-Phase-III-POISE-Studie mit 216 Probanden sank der ALP-Wert bei den mit Obeticholsäure behandelten Patienten signifikant besser als durch Placebo (im Vergleich etwa 46% zu 10%). Primärer Endpunkt der Studie war die Verringerung der ALP unter einen Schwellenwert des 1,67-fachen der Obergrenze des Normbereichs. Kombinierter Endpunkt war nach 12 Behandlungsmonaten eine Reduktion von mindestens 15 Prozent vom Ausgangswert und eine Gesamt-Bilirubin-Konzentration bei oder unterhalb der Obergrenze des Normbereichs. Bei 77 Prozent der Probanden verbesserten sich die biochemischen Leber-Marker wie Gammaglutamyltransferase, Alanin-Transaminase, Aspartat-Transaminase und konjugiertes Bilirubin (auch wenn der kombinierte Endpunkt nicht immer erreicht wurde) – im Vergleich zu Placebo mit 29 Prozent.

Primäre biliäre Cholangitis

Die primäre biliäre Cholangitis (PBC) ist eine seltene Autoimmunerkrankung der Leber. Je nach Quelle leben in Deutschland zwischen 4.000 bis 12.000 Patienten mit PBC. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Typisch für PBC ist die entzündliche Zerstörung der intrahepatischen Gallengänge. Im Verlauf weitet sich die Entzündung auf das gesamte hepatogene Gewebe aus und endet unbehandelt in einer Leberzirrhose. Deshalb nannte man die PBC früher auch primär biliäre Zirrhose. Heute trifft diese Bezeichnung zum Glück nicht mehr zu. Dank frühzeitiger Diagnose und rasch beginnender Therapie bleibt eine Zirrhose bei etwa zwei Drittel der Patienten aus.

Anwendung

Ocaliva wird als Tablette mit 5 oder 10 mg Obeticholsäure erhältlich sein. Die Einnahme kann unabhängig von einer Mahlzeit erfolgen. Bei der zusätzlichen Einnahme von Gallensäuren-bindenden Harzen muss zwischen beiden Medikamenten ein Einnahmeabstand von vier bis sechs Stunden liegen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Obeticholsäure sind starker Pruritus und Müdigkeit. Während der Behandlung sollten die Leberwerte regelmäßig überprüft werden, um einer möglichen hepatischen Dekompensation frühzeitig entgegenwirken zu können.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 27.12.2016

Quelle:

European Medicines Agency (EMA)

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