Missbrauch von Pregabalin - Verordnungen prüfen

Pregabalin (Lyrica) wird immer häufiger in der Straßendrogen-Szene gedealt. Darüber informierte die Polizei jetzt Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung. Die Polizei bittet, die Indikation von Pregabalin-Verordnungen sehr sorgfältig abzuwägen.

Aerztin Verordnung

Lyrica von Pfizer ist seit 2004 als antikonvulsives Medikament auf dem deutschen Arzneimittelmarkt. Inzwischen gibt es bereits viele Generika mit dem Wirkstoff Pregabalin. Die Indikationen sind Epilepsie, neuropathische Schmerzen und generalisierte Angststörungen. Zudem wird Pregabalin in der Substitutionstherapie eingesetzt.

Neuerdings wird der Wirkstoff  in der Drogenszene auf der Straße immer beliebter. Die Polizei nimmt immer wieder Dealer fest, die mit den Medikamenten Geschäfte machen. In der Regel stammen sie aus der hausärztlichen Praxis. Dort werden sie gestohlen oder über als Patienten getarnte Strohmänner eingefordert. Daher empfehlen Polizei und Ärztekammern, die Verordnungsmengen von Pregabalin im Auge zu behalten.

Pregabalin: euphorisierend und sedierend

Pregabalin wirkt einerseits ähnlich wie Benzodiazepine, entspannend und leicht sedierend. „[...] gleichzeitig kann es aber auch euphorisieren.“, so Professor Jens Reimer, Chefarzt der Abteilung für Suchtmedizin im Klinikum Bremen-Ost. Und diese beiden Wirkungen sind in der Drogenszene beliebt. Mit bis zu 3 Euro pro Kapsel ist Pregabalin zwar verhältnismäßig teuer, im Vergleich zu anderen Drogen aber durchaus erschwinglich. Doch auch bei Pregabalin gilt, wie bei anderen abhängigkeitserzeugenden Substanzen, dass die Dosis immer weiter erhöht werden muss, um eine gleichbleibend sedierende/euphorisierende Wirkung zu erzielen.

Abhängige nehmen bis zu 25 Kapseln á 300 mg Pregabalin

Die Menge Pregabalin, die Abhängige benötigen, geht weit über die therapeutische Dosis hinaus. Je nach Indikation nehmen Patienten zwischen 150 und 300 mg Pregabalin. Die Tageshöchstdosis beträgt 600 mg. Suchtspezialist Professor Felix Tretter weiß, dass Konsumenten mindestens die doppelte, teilweise sogar mehr als die zehnfache Tagesdosis einnehmen. In der Drogenszene sind Tages-Dosen bis zu 7.500 mg keine Seltenheit.

Verordnungsmengen und Indikation sorgfältig prüfen

Suchtmediziner und Drogenberater halten es für wichtig und notwendig, dass alle Kolleginnen und Kollegen über das Abhängigkeitspotenzial von Pregabalin informiert und für einen entsprechenden Missbrauch sensibilisiert werden. Mit diesem Wissen wird der Blick für große Verordnungswünsche des Antikonvulsivums geschärft. Reimer äußert: „Diagnose und Verordnung des Medikaments müssen zusammenpassen. Das Medikament sollte insbesondere bei psychischen Störungen nur im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplanes eingesetzt werden. Hier sollte initial bei einer Erstverordnung die kleinste Packungsgröße gewählt werden.“ Weiterhin rät der Suchtmediziner: „Bei Patienten mit einer Suchtstörung sollte das Medikament sehr zurückhaltend und nur übergangsweise verordnet werden.“

Bei Fehlverordnung drohen Arzneimittelregress und Staatsanwalt

Die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung Bremen raten Ärztinnen und Ärzten dazu, Pregabalin verantwortungsvoll zu rezeptieren. Großzügige Verordnungsmengen – insbesondere von N3-Größen – und eine bedenkenlose bzw. unachtsame Indikationsstellung können weitreichende Folgen haben. Und das sind nicht nur unnötige Arzneimittelregresse. Je nach Ausmaß kann eine solche Fehlverordnung sogar staatsanwaltliche Ermittlungen nach sich ziehen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 22.11.2016

Quelle:

Kassenärztliche Vereinigung Bremen

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Meistgelesene Meldungen

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter