Protonenpumpenhemmer (PPI)-Deprescribing

Die Verordnung von Protonenpumpenhemmern (PPI) sollte reduziert werden und kann auch, wie Dr. Rosien in der aktuellen Ausgabe der "Arzneiverordnung in der Praxis" der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aufzeigt.

Pantoprazol

Über viele Jahre ist die Verordnung von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) beinahe linear angestiegen. 2016 erreichte sie einen Höchststand mit 3,8 Milliarden Tagesdosen pro Jahr. Im Jahr 2017 war ein leicht rückläufiger Trend zu beobachten, wie dem Arzneiverordnungsreport 2018 zu entnehmen war.

Der Autor mahnt den Verordnungsrahmen auf die notwendigen Indikationen zu reduzieren, die sich trotz steigender Verordnungszahlen und vieler Diskussion über mögliche und tatsächliche Nebenwirkungen in den letzten 10 Jahren auch nicht ausgeweitet haben.

Deprescribing beschreibt dabei einen Prozess, der zu einer strukturierten Dosisreduktion und Beendigung einer Medikation führt, für die keine Indikation mehr besteht und die eine negative Nutzen-Risiko-Abwägung hat. Wie Dr. med. Ulrich Rosien ausführt, sei es möglich evidenzbasiert und leitlinienkonform eine Senkung der Verordnungszahlen auf Werte von 2008 (< 1,6 Milliarden Tagedosen) zu erreichen, ohne den Patienten damit zu schaden. Dr. Rosien führt sieben Indikationsgruppen einer PPI-Behandlung auf:

Indikationsgruppen einer PPI-Behandlung

Intensivmedizin

PPI werden zur Vorbeugung von Stress-Ulkus-Blutungen eingesetzt. Spätestens mit der Verlegung von der Intensivstation oder der Entlassung ist eine weitere Gabe von PPI nicht mehr notwendig.

Refluxsymptome

Bei Refluxsymptomen ohne Hinweis auf Tumorerkrankung soll nach der deutschen Reflux-Leitlinie der Einsatz von PPI über vier Wochen erfolgen. Danach sollen PPI nur noch bedarfsadaptiert, d.h. in reduzierter Dosis und nur im Bedarfsfall gegeben werden. Möglichweise ist auch eine Umstellung auf H2-Rezeptor-Antagonisten oder Antazida möglich. Bestehen die Beschwerden weiter ist eine weiterführende Diagnostik notwendig. Lifestyle-Änderungen, wie Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion, etc.) sollten die erste Empfehlung bei Reflux sein!

Refluxösophagitis

  • Endoskopisch nachgewiesene, leichte Refluxösophagitis, Grad A oder B nach der Los-Angeles-Klassifikation: Hier entspricht die leitliniengerechte Behandlung der von Refluxsymptomen.
  • Refluxösophagitis mit endoskopischen Veränderungen, Grad C oder D nach der Los-Angeles-Klassifikation: Im Anschluss an die Akutbehandlung soll eine Dosisreduktion bis hin zum Dosisausschleichen nach einem Jahr angestrebt werden.

Funktionelle Dyspepsie

Bei der Behandlung einer funktionellen Dyspepsie stehen allgemeine Maßnahmen im Vordergrund. PPI sind hier Off-Label-Use.

Helicobacter pylori-Infektionen

PPI sind Bestandteil jeder Eradikationstherapie, sind danach aber abzusetzen.

Patient nach gastroduodenaler Ulkusblutung

  • Patienten, die unter Dauerbehandlung mit ASS stehen und eine gastroduodenale Ulkusblutung hatten, sollen, wenn sie Helicobacter-pylori-positiv sind, mit einer Eradikationstherapie behandelt werden, danach sind PPI wieder abzusetzen.
  • Helicobacter-pylori-negative Patienten, die unter Dauerbehandlung mit ASS stehen und eine gastroduodenale Ulkusblutung hatten, benötigen eine PPI-Dauermedikation zur Reduzierung des Blutungsrisikos.

Risikofaktoren einer gastroduodenalen Ulkusblutung

Bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren (beispielsweise die dauerhafte Einnahme nicht-steroidaler Antirtheumatika (NSAR)) kann die prophylaktische Dauermedikation mit PPI gerechtfertigt sein. Dr. Rosien weist auf diverse Risikofaktoren hin, die hierbei zum Tragen kommen.

Algorithmus zum Deprescribing von PPI

Dr. Rosien stellt einen Algorithmus zum Deprescribing von PPI vor und formuliert ein strukturiertes Vorgehen, das zur Reduktion der PPI-Verordnungen auf leitlinienkonforme Indikationen und Dosierungen führt, ohne Schaden für die Patienten.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 18.07.2019

Quelle:

Deprescribing PPI, Artikel vorab online aus "Arzneiverorndung in der Praxis", abgerufen am 18.07.2019

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