Rituximab zur Therapie von Pemphigus vulgaris zugelassen

Der Antikörper Rituximab der Firma Roche (MabThera®) hat eine Zulassung für die Behandlung der seltenen Autoimmunerkrankung Pemphigus Vulgaris erhalten.

Antikoerper und Zellen

Was ist MabThera® und wofür wird es angewendet?

MabThera® mit dem Wirkstoff Rituximab wird zur Behandlung der folgenden Blutkrebsarten und entzündlichen Erkrankungen angewendet:

  • follikuläres Lymphom und diffuses großzelliges B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom
  • chronische lymphatische Leukämie (CLL)     
  • schwere rheumatoide Arthritis
  • Granulomatose mit Polyangiitis (GPA oder Wegener-Granulomatose) und mikroskopische Polyangiitis (MPA)
  • mittelschwerer bis schwerer Pemphigus vulgaris (PV)

Neue Indikation Pemphigus vulgaris

Mit der neuen Indikation von Rituximab steht Patienten mit PV zum ersten Mal eine biologische Behandlungsoption zur Verfügung. Ein bedeutender Fortschritt in der Therapie der Erkrankung.
PV ist eine seltene und unbehandelt lebensbedrohliche Erkrankung, bei der Autoantikörper gegen desmosomale Proteine der Epidermis (Desmogleine) gebildet werden und dadurch eine Blasenbildung bedingen. PV ist eine seltene Erkrankung mit einer Inzidenz von ca. 0,5 bis 2 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr. Bisher bestand die Therapie von PV in einer Unterdrückung der Immunreaktion bspw. durch Prednisolon, das auch in Kombination mit Azathioprin gegeben wird oder alternativ Cyclophosphamid mit Dexamethason.
MabThera® besitzt bei der seltenen Erkrankung PV jedoch keinen Patentschutz, was bedeutet, dass auch Hersteller von Rituximab-Biosimilars ihre Zulassung bei PV beantragen können.

Wie wird MabThera® angewendet?

MabThera® wird als Infusion in eine Vene verabreicht. Vor jeder Infusion oder Injektion sollte dem Patienten ein Antihistaminikum (zur Vorbeugung von allergischen Reaktionen) und ein Antipyretikum verabreicht werden. Abhängig von der zu behandelnden Erkrankung können den Patienten auch andere Arzneimittel verabreicht werden. Darüber hinaus sollte das Arzneimittel unter strenger Aufsicht eines erfahrenen medizinischen Fachpersonals und in einer Umgebung verabreicht werden, in der Einrichtungen zur Wiederbelebung von Patienten sofort verfügbar sind.

Dosierung

Bei der Indikation PV wird eine Dosierung von 1000 mg Rituximab als i.v. Infusion empfohlen. Zwei Wochen später folgt eine zweite i.v. Infusion von 1000 mg Rituximab in Kombination mit einem ausschleichenden Glukokortikoid-Zyklus. Als Erhaltungstherapie wird eine Dosierung von 500 mg Rituximab in den Monaten 12 und 18 als i.v. Infusion empfohlen, die bei Bedarf alle 6 Monate wiederholt werden kann. Kommt es zu einem Rückfall können Patienten 1000 mg i.v. erhalten. Nachfolgende Infusionen dürfen frühestens 16 Wochen nach der vorhergehenden Infusion verabreicht werden.

Wie wirkt MabThera®?

Der Wirkstoff in MabThera®, Rituximab, ist ein monoklonaler Antikörper, der auf der Oberfläche von B-Lymphozyten das Protein CD20 bindet. Durch die Anlagerung von Rituximab an CD20 wird der Tod der B-Lymphozyten ausgelöst. Bei GPA und MPA verringert die Zerstörung der B-Lymphozyten die Produktion von Antikörpern, von denen angenommen wird, dass sie eine wichtige Rolle beim Angriff auf die Blutgefäße und bei der Entstehung von Entzündungen spielen.

Gegenanzeigen

Patienten mit schweren Infektionen oder bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Rituximab oder gegenüber Maus-Proteinen sollten MabThera® nicht erhalten. Es ist nicht bekannt, ob MabThera® bei Kindern sicher oder wirksam ist.

Nebenwirkungen

In der Zulassungsstudie zeigten sich keine neuen oder unbekannten Nebenwirkungen unter der Behandlung mit Rituximab. Die häufigsten Nebenwirkungen waren infusionsbedingte Reaktionen wie:

  • Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • hoher Blutdruck
  • Übelkeit
  • Asthenie
  • Schmerzen

Bei 37% der Patienten kam es unter Rituximab zu behandlungsbedingten Infektionen. Unter Prednison waren es 42%.
Das Nutzen-Risiko-Profil von Rituximab bei mäßigem bis schwerem PV wird als positiv bewertet.

Studienlage

In einer multizentrischen, offenen, randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie (Ritux 3) wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Rituximab in Kombination mit einer kurzzeitigen, niedrig dosierten Behandlung mit oralem Prednison im Vergleich zu einer Langzeitbehandlung mit oralem Prednison untersucht.
Die Studie zeigte, dass 89,5% der mit MabThera® behandelten Patienten mit PV in Kombination mit einer kurzzeitigen oralen Glukokortikoid-Behandlung eine vollständige Remission ohne die Verwendung von Glukokortikoiden für zwei oder mehr Monate erreichten, verglichen mit 27,8% der Menschen mit PV, die nur Glukokortikoide erhielten. Die Ergebnisse der Ritux 3-Studie wurden im Mai 2017 in The Lancet veröffentlicht.

Verglichen mit der Behandlung von oralem Prednison in Standarddosierung, erreichten unter Rituximab in Kombination mit niedrig dosiertem Prednison statistisch signifikant mehr Patienten mit mäßigem bis schwerem PV nach 24 Monaten eine Komplettremission. Unter Rituximab kam es weiterhin zu weniger schweren oder mittelschweren Rückfällen und es konnte ein steroidsparender Effekt erzielt werden.
Ob Rituximab auch im Vergleich zu anderen Behandlungsoptionen wie Azathioprin, Mycophenolat-mofetil, Cyclophosphamid und Methotrexat vergleichbare Effekte zeigt, bedarf zusätzlichen Studien und ist noch unklar. Zur Zeit läuft noch die multizentrische, randomisierte, doppelblinde PEMPHIX-Studie, die Rituximab mit Mycophenolatmofetil bei 135 Patienten mit mäßigem bis schwerem PV vergleicht. Ergebnisse werden für November 2019 erwartet.

Biosimilars zu MabThera®

In der EU sind folgende Rituximab-Biosimilars zugelassen:

  • Von der Firma Celltrion: Blitzima®, Ritemvia®, Rituzena®, Truxima®
  • Von der Firma Sandoz: Rixathon® und Riximyo®

Hersteller der Rituximab-Biosimilars müssen jedoch noch ihre Zulassung bei Pemphigus Vulgaris beantragen; Ein Austausch kann bis dahin nicht erfolgen.

Autor: Dr. Isabelle Viktoria Maucher (Apothekerin)

Stand: 06.09.2019

Quelle:
  1. Medienmitteilung Roche Basel, 15. März 2019
  2. Übersicht über zentralisiert in der EU zugelassene Biosimilars
  3. EMA MabThera
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