Rosacea als Risikofaktor für Parkinson-Krankheit

Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung Rosacea erhöht laut einer Studie das Risiko, an Parkinson zu erkranken.

Hautausschlag Frau

Die chronisch entzündliche Hauterkrankung Rosacea erhöht allem Anschein nach das Risiko, an Parkinson zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommen dänische Wissenschaftler, nachdem sie medizinische Daten von annähernd 5,5 Millionen dänischen Bürgern untersucht haben. Die Kohortenstudie umfasste einen Zeitraum von 14 Jahren. Dr. Alexander Egeberg von der Universität Kopenhagen und sein Team veröffentlichten die Datenanalyse der Studie im März 2016 im Journal of the American Medical Association (JAMA).

Rosacea und Parkinson in Zahlen

Innerhalb des Studienzeitraums erkrankten 22.387 Erwachsene an der Parkinson-Krankheit. Rosacea wurde in der gleichen Zeitspanne 68.053 Mal diagnostiziert. Das Studienteam errechnete für Parkinson in der Allgemeinbevölkerung eine Inzidenz von 3,54 pro 10.000 Personenjahren. Bei den Patienten mit Rosacea ergab sich hingegen eine Inzidenz von 7,62 pro 10.000 Personenjahren. Dänische Menschen mit der typischen Gesichtsröte erkrankten also mehr als doppelt so häufig an Parkinson als ihre Mitbürger ohne die Hauterkrankung. Zudem wurde die Parkinson-Krankheit bei Menschen mit Rosacea um etwa 2,4 Jahre früher diagnostiziert als bei anderen Dänen.

Die Inzidenz blieb auch erhöht, nachdem bekannte Risikofaktoren für Parkinson wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, Nikotinkonsum, Alkoholmissbrauch, Medikamente und Komorbiditäten herausgerechnet wurden. Die bereinigte Inzidenzrate sank nach der statistischen Analyse zwar auf 1,71, war aber bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,52 bis 1,92 weiterhin beachtlich. Bei der okulären Rosacea wurde nach der Adjustierung sogar noch eine Inzidenz von 2,03 ermittelt (1,67 – 2,48).

Tetracycline senken Parkinson-Risiko geringfügig

Das dänische Forscherteam machte noch eine weitere erstaunliche Beobachtung. Patienten, die zur Behandlung orale Tetracycline erhielten, erkrankten mit einer Inzidenzrate von 0,98 um 2% seltener an Parkinson als Dänen der Referenzpopulation. Das könnte laut Egeberg darauf hindeuten, dass das Antibiotikum protektiv gegen die Parkinson-Krankheit wirkt. Um daraus jedoch klinische Konsequenzen zu ziehen, sind noch weitere Studien und Untersuchungen erforderlich.

Zusammenhänge zwischen Rosacea und Parkinson

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass es bei Rosacea und Parkinson gemeinsame pathogene Mechanismen gibt. Bei vielen Rosacea-Patienten konnte eine erhöhte Aktivität der Matrix-Metalloproteinase beobachtet werden. Diese Eiweiß-abbauende Proteinase soll wissenschaftlichen Theorien zufolge ebenfalls an der Pathogenese von Parkinson beteiligt sein. Möglicherweise führt die erhöhte Enzym-Aktivität zum neuronalen Abbau in der Substantia nigra – und so zu den charakteristischen Parkinson-Symptomen. Ein zweifelsfreier Beleg für diese Annahme steht jedoch noch aus.

Bei Rosacea gezielt auf Parkinson-Symptome achten

Den Studienergebnissen zufolge ist Rosacea ein Risikofaktor für Parkinson. Auch wenn der kausale Beweis hierzu fehlt, können die Erkenntnisse praxisorientiert genutzt werden. Laut der US-amerikanischen Behörde zur Krankheitskontrolle und Prävention (Center for Disease Control and Prevention, kurz CDC) ist Parkinson nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Beide Erkrankungen sind bis heute nicht heilbar. Eine zeitige Diagnose aber sorgt für den frühzeitigen Einsatz optimaler und gezielter Behandlungsmaßnahmen und so für einen verbesserten Krankheitsverlauf.

Anzeichen, die auf Parkinson hindeuten, sind individuell verschieden. Charakteristische Symptome sind langsamer werdende Bewegungsabläufe (Bradykinese), einseitig verminderte Armbewegung beim Gehen, schlurfender und kleinschrittiger Gang, Haltungsinstabilität, Tremor, Rigor, Hypomimie sowie Wesensveränderungen und kognitive Beeinträchtigungen.

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