Neueinführung Rydapt (Midostaurin)

Zum 15. Oktober 2017 wurde Rydapt, ein Midostaurin-haltiges Arzneimittel, zur Behandlung von neu diagnostizierter FLT3-mutierte akuter myeloischer Leukämie und drei Arten von fortgeschrittener systemischer Mastozytose in den Markt eingeführt.

Krebs Chemotherapie

Was ist Rydapt?

Rydapt mit dem Wirkstoff Midostaurin stellt die erste und einzige zielgerichtete Therapie für FMS-ähnliche Tyrosinkinase 3 (FLT3)-mutierte akute myeloische Leukämie (AML) dar und ist die einzige Behandlung für drei Subtypen systemischer Mastozytose (SM) in der EU, die alle eine begrenzte Lebenserwartung und nur wenige Behandlungsmöglichkeiten aufweisen.

Das Arzneimittel wird angewendet

  • bei Erwachsenen mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML), die eine FLT3-Mutation aufweisen, in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie mit Daunorubicin und Cytarabin zur Induktion und mit einer Hochdosis-Chemotherapie mit Cytarabin zur Konsolidierung und anschließend als Rydapt-Monotherapie zur Erhaltungstherapie bei Patienten in kompletter Remission
  • als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit aggressiver systemischer Mastozytose (ASM), systemischer Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHN) oder Mastzellleukämie (MCL) eingesetzt.

Rydapt ist ein Arzneimittel der Novartis Pharma GmbH und zählt zur Gruppe der Orphan Arzneimittel.

Dosierung und Anwendung

AML: Erwachsene: Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg oral zweimal täglich. Rydapt wird an den Tagen 8 bis 21 der Induktions- und Konsolidierungs-Chemotherapie dosiert und dann für die Patienten in kompletter Remission zweimal täglich als Einzelmittel-Erhaltung bis zum Rezidiv für 12 Zyklen von jeweils 28 Tagen.

SM: Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich 100 mg.

Dosisanpassungen: Die Behandlung unerwünschter Arzneimittelwirkungen kann eine Unterbrechung der Behandlung, eine Dosisreduktion oder einen Abbruch der Behandlung erforderlich machen.

Wie wirkt Midostaurin?

Midostaurin hemmt multiple Rezeptor-Tyrosinkinasen, einschließlich der beiden Kinasen FLT3 und KIT. Es hemmt den FLT3-Rezeptor-abhängigen Signalweg und induziert Zellzyklusstillstand und Apoptose bei Leukämiezellen, die FLT3-ITD- oder TKD-mutierte Rezeptoren exprimieren oder FLT3-Wildtyp-Rezeptoren überexprimieren. Midostaurin beeinträchtigt den anomalen KIT D816V-vermittelten Signalweg und verhindert die Proliferation, das Überleben und die Histaminausschüttung der Mastzellen.

Außerdem hemmt Midostaurin weitere Rezeptor-Tyrosinkinasen wie PDGFR (platelet-derived growth factor receptor) oder VEGFR2 (vascular endothelial growth factor receptor 2), sowie Mitglieder der Serin/Threoninkinasefamilie PKC (Proteinkinase C).Der Wirkstoff bindet an den katalytischen Abschnitt dieser Kinasen und hemmt die mitogene Signalfunktion der betreffenden Wachstumsfaktoren in den Zellen, was zu einem Wachstumsstillstand führt.

Studienlage

AML

Die Beurteilung der Sicherheit von Rydapt (50 mg zweimal täglich) bei Patienten mit neu diagnostizierter FLT3-mutierter AML basiert auf einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase III-Studie mit 717 Patienten, der Ratify –Studie.

Insgesamt betrug die mediane Dauer der Exposition 42 Tage (Spannweite 2 bis 576 Tage) für Patienten im Behandlungsarm Rydapt plus Standard-Chemotherapie gegenüber 34 Tage (Spannweite 1 bis 465 Tage) für Patienten im Behandlungsarm Placebo plus Standard-Chemotherapie. Für die 205 Patienten (120 im Rydapt-Arm und 85 im Placebo-Arm), die eine Erhaltungstherapie erhielten, betrug die mediane Dauer der Exposition während der Erhaltungstherapie in beiden Armen 11 Monate (16 bis 520 Tage für Patienten im Rydapt-Arm und 22 bis 381 Tage im Placebo-Arm).

SM

Die Zulassung für fortgeschrittene SM basiert auf zwei einarmigen, offenen multizentrischen Studien, einschließlich der Phase-II-Studie (CPKC412D2201).

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen AML

In der RATIFY-Studie waren die häufigsten Nebenwirkungen (Ruptur ≥ 30%) im Rydapt plus Standard-Chemotherapie-Arm febrile Neutropenie, Übelkeit, exfoliative Dermatitis, Erbrechen, Kopfschmerzen, Petechien (kleine rote Hautflecken) und Pyrexie.

Die häufigste Nebenwirkung von Grad 3/4 (größer oder gleich 5%) war febrile Neutropenie, Lymphopenie, gerätebezogene Infektion, exfoliative Dermatitis, Hyperglykämie und Übelkeit

Schwerwiegende Nebenwirkungen traten mit ähnlichen Raten bei Patienten im Rydapt-Arm und im Placebo-Arm auf. Die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung in beiden Armen war febrile Neutropenie (16 %).

Nebenwirkungen SM

Hier waren die häufigsten Nebenwirkungen in den Studien Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, periphere Ödeme und Müdigkeit. Die häufigsten Nebenwirkungen Grad 3/4 waren Müdigkeit, Sepsis, Lungenentzündung, fiebrige Neutropenie und Durchfall.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 16.10.2017

Quelle:

Novartis Pharma GmbH, European Medicine Agency (EMA)

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