Schwere Gewebeschädigungen nach Spülung tiefer Wunden mit Octenisept®

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft greift einen Fall der UAW-Datenbank auf und nimmt diesen zum Anlass noch einmal auf die Problematik möglicher schwerer Gewebeschädigungen nach Spülung tiefer Wunden mit Octenisept® hinzuweisen und über die sichere Anwendung zu informieren.

Fussverletzung

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) berichtet über den Fall eines 10-jährigen Mädchens, das in einen rostigen Nagel getreten war. Der Nagel hatte den Turnschuh des Mädchens durchdrungen und war durch die Fußsohle hindurch bis zur Streckseite eingedrungen, ohne dort die Haut zu perforieren. Der Nagel wurde entfernt. Im Krankenhaus wurde der Stichkanal dann in Narkose kürettiert und mit Octenisept® gespült. Obwohl die Patientin mit Antibiotika (Ampicillin/Sulbactam) behandelt wurde,  bildete sich eine  Fußschwellung und Rötung aus. Bei einer Folgeoperation wurde der Stichkanal erneut kürettiert, Laschen eingelegt und jeweils mit Octenisept® gespült. Die Spülungen wurden auch bei den Verbandswechseln auf Station fortgesetzt. Bakteriologische Abstriche blieben steril, es gab keine erhöhten Entzündungsparameter. Der Befund verschlechterte sich weiter, sodass das Mädchen in eine Spezialabteilung verlegt werden musste. Letzendlich mussten der Musculus plantaris communis, die Lumbrikalis- und Interosseusmuskulatur und die mittleren oberflächlichen Zehenbeuger reseziert werden.

Anhand dieses Falles weist die AkdÄ auf die typischen Komplikationen hin, die nach Spülung tiefer Wunden mit Octenisept® auftreten können. Dabei kommt es innerhalb von 24 Stunden zu einer starken Rötung und Schwellung, die sehr lange (über Monate) anhalten kann und therapeutisch kaum behandelt werden kann.

Rote-Hand-Briefe Octenisept®

Zwischen 2008 und 2011 wurden bereits 3 Rote-Hand-Briefe zu dieser Problematik versendet und zusätzlich Anpassungen in den Fach- und Gebrauchsinformationen vorgenommen. Dennoch gibt es immer wieder Spontanmeldungen über Gewebeschäden nach Spülung mit Octenisept.

Octenisept® nur zur oberflächlichen Anwendung

Die AkdÄ weißt nun noch einmal darauf hin, dass das Wund- und Schleimhautantiseptikum Octenisept® nur zur oberflächlichen Anwendung bestimmt ist. Es soll mittels Tupfer oder durch Aufsprühen aufgetragen werden. Es darf nicht in die Tiefe des Gewebes eingebracht werden, da die Spülung tiefer Wunden mit Octenisept® mit dem Risiko schwerer toxischer Gewebeschäden verbunden ist.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 07.02.2017

Quelle:

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)

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