Selexipag: Neues Langzeittherapeutikum bei pulmonaler Hypertonie

Selexipag (Uptravi der Firma Actelion) hat von der EU-Kommission am 12. Mai 2016 die Zulassung zur oralen Langzeittherapie der pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH) erhalten. Der Wirkstoff kann bei erwachsenen Patienten der WHO-Funktionsklasse (WHO-FC) II bis III eingesetzt werden.

Blister Medikament

Selexipag (Uptravi der Firma Actelion) hat von der  EU-Kommission am 12. Mai 2016 die Zulassung zur oralen Langzeittherapie der pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH) erhalten. Der Wirkstoff kann bei erwachsenen Patienten der WHO-Funktionsklasse (WHO-FC) II bis III eingesetzt werden. Die Gabe erfolgt entweder als Kombinationspartner, wenn die Erkrankung nicht ausreichend mit einem Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA) und/oder einem Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Inhibitor kontrolliert werden kann. Kommen Vertreter dieser Wirkstoffklassen nicht in Frage, ist eine Monotherapie mit Selexipag möglich. Die Markteinführung in der EU wird in naher Zukunft erwartet.

So wirkt Selexipag

Selexipag ist der erste selektive, oral applizierbare Prostazyklin-Rezeptoragonist. Der Wirkstoff wirkt auf ähnliche Weise wie das natürliche Prostaglandin Prostazyklin. Über eine selektive Bindung des IP-Rezeptors auf der glatten Gefäßmuskulatur kommt es zur Vasodilatation der Pulmonalarterien. In Folge sinkt der pulmonale arterielle Druck und die Symptome der Erkrankung bessern sich. In vitro wirkt Selexipag zudem thrombozytenaggregationshemmend, antiinflammatorisch und antiproliferativ.

Zulassung von Selexipag

Die Hauptstudie zur Zulassung von Selexipag (GRIPHON) war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Placebo-kontrollierte klinische Phase-III-Studie. Sie umfasste 1.156 Patienten mit idiopathischer, hereditärer oder sekundärer PAH. Die Probanden erhielten über etwa 70 Wochen ein Placebo oder den Wirkstoff in individualisierten Dosen (Maximaldosis war 1.600mg zweimal täglich). Es gab nicht vorbehandelte Teilnehmer und Patienten, die bereits Wirkstoffe aus den Gruppen der Endothelin-Rezeptor-Antagonisten und/oder Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Inhibitoren erhielten. 47 Prozent der Teilnehmer wurden der WHO-Funktionsklasse I/II und 53 Prozent der WHO-FC III/IV zugeordnet.

In allen wichtigen Untergruppen verringerte Selexipag den Studienergebnissen zufolge das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko im Vergleich zu Placebo konsistent um knapp 40 Prozent. Ein Studienschwerpunkt zur Wirksamkeit war die Anzahl der Patienten, bei denen sich die Erkrankung verschlechterte oder die während der Therapie beziehungsweise kurz nach Behandlungsende verstarben. Im Ergebnis starben 140 von 574 (24,4 Prozent) der teilnehmenden Patienten, die Selexipag erhielten oder boten Anzeichen einer Verschlimmerung der PAH. In der Placebo-Vergleichsgruppe lag die Anzahl bei 212 von 582 (36,4 Prozent).

Nutzen-Risiko-Verhältnis trotz Nebenwirkungen positiv

Zuweilen führten schwere, unerwünschte Wirkungen zu einem Therapieabbruch. Starke Nebenwirkungen traten dabei signifikant häufiger auf, wenn Selexipag statt Placebo eingenommen wurde. Unter Selexipag brachen 14,3 Prozent die Therapie vorzeitig ab. In der Placebo-Gruppe betrug die Anzahl nur 7,1 Prozent. Insbesondere kam es zu Cephalgie, Myalgie, Arthralgie, Diarrhoe, Nausea und Emesis sowie zu Schmerzen der Kiefergelenke. Dennoch entschied der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP), dass der Nutzen von Selexipag die Risiken überwiegt.

Selexipag weckt große Hoffnungen

Bislang ist das medikamentöse Portfolio zur Behandlung der PAH sehr begrenzt und die Anwendung für Patienten beschwerlich. Selexipag weckt daher große Hoffnungen. Dr. Olivier Sitbon, Hauptautor der Studien-Veröffentlichung im New England Journal of Medicine (NEJM), kommentierte: "Selexipag bietet die Chance, die Behandlung von PAH zu verbessern [...] Wir sehen erstmals, dass ein oral wirksames, auf den Prostazyklin-Signalweg ausgerichtetes Medikament die langfristigen klinischen Ergebnisse positiv beeinflusst. Dieser Signalweg stand bei der Behandlung von PAH-Patienten bisher viel zu wenig im Fokus."

Professor Dr. Sean Gaine, Pneumologe am Mater Misericordiae Hospital, Dublin, äußerte: "Wir wissen seit vielen Jahren, dass der Prostazyklin-Signalweg bei der Behandlung von PAH eine entscheidende Rolle spielen kann. Da die Anwendung von Prostazyklin-Therapien bisher mit großen Belastungen verbunden war, wird dieser Signalweg jedoch noch viel zu selten genutzt. [...] Mit Uptravi, einem innovativen Therapeutikum in Tablettenform, das durch langfristige klinische Ergebnisse gestützt wird, können wir nun Kombinationstherapien anbieten, die auf alle drei etablierten Signalwege abzielen."
Professor Nazzareno Galiè, Leiter des Zentrums für Pulmonale Hypertonie am Institut für Kardiologie der Universität Bologna, ergänzte: "Mit Uptravi sehen wir erstmals einen signifikanten klinischen Nutzen in Kombination mit einem und sogar zwei Medikamenten, die auf andere Behandlungswege abzielen. Zusammen mit dem guten Verträglichkeitsprofil macht dies Uptravi zu einer Therapieoption, die für viele Patienten die Behandlungsmöglichkeiten grundlegend verändern kann.“

Anwendungsempfehlungen

Selexipag wird unter dem Handelsnamen Uptravi in Tablettenform mit 200, 400, 600, 800, 1.000, 1.200, 1.400 und 1.600 Mikrogramm erhältlich sein. Zu Beginn der Behandlung wird eine Initialdosis von 200 Mikrogramm zweimal täglich im Abstand von etwa 12 Stunden empfohlen. Die Dosis kann dann wöchentlich – je nach individueller Verträglichkeit und Bedürftigkeit – bis zu maximal zweimal täglich 1.600 Mikrogramm titriert werden. Mitunter werden die Tabletten besser vertragen, wenn sie zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Zudem kann die erste Tablette nach einer Dosiserhöhung am Abend und nicht am Morgen eingenommen werden. Muss die Therapie abgebrochen werden, wird eine schrittweise Verringerung der Dosis empfohlen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 03.06.2016

Quelle:

European Medicines Agency (EMA)

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