Solanezumab: Hoffnung in der Alzheimer-Therapie geplatzt

Solanezumab kann das Vergessen bei Alzheimer-Patienten nicht stoppen. Der monoklonale Antikörper galt als der Hoffnungsträger in der prospektiven Therapie der Alzheimerdemenz. Nun ist der Traum geplatzt. Solanezumab wird in nächster Zukunft nicht das Portfolio der antidementiven Wirkstoffe ergänzen.

Arzt hält die Hand einer Patientin

Der monoklonale Antikörper Solanezumab scheiterte in Phase III. In dieser Studie wurde der primäre Endpunkt nicht erreicht. Hersteller Eli Lilly gab bekannt, dass das Unternehmen keine Zulassung für Solanezumab zur Behandlung milder Demenz vom Alzheimer-Typ beantragen werde.

Für Patienten, Angehörige und Forscher ist das ein Rückschlag in der Hoffnung auf eine wirkungsvolle Therapie und/oder Prophylaxe der Alzheimerdemenz. Galt Solanezumab doch als Favorit gegen den Gedächtnisabbau. Dr. John C. Lechleiter, Chief Executive Officer von Lilly: „Leider zeigt die Solanezumab-Studie EXPEDITION3 nicht die erhofften Ergebnisse. Wir sind darüber enttäuscht – auch für die vielen Menschen, die auf eine Therapie warten, die potenziell den Verlauf der Alzheimerkrankheit verzögern kann.“

Solanezumab wirkt nicht besser als Placebo

Solanezumab scheiterte in einer placebokontrollierten Phase-III-Studie. Die EXPEDITION3 war eine multinationale Studie mit mehr als 2.100 Patienten mit milder Demenz vom Alzheimer-Typ. Die Probanden erhielten über einen Zeitraum von 18 Monaten Solanezumab oder Placebo. Der kognitive Abbau wurde mit der Alzheimer’s Disease Assessment Scale-Cognitive Subscale (ADAS-Cog14) bewertet. Die letzte Untersuchung der placebokontrollierten Phase erfolgte im Oktober 2016.  

Leider schnitt der Antikörper nicht besser ab als Placebo. Es konnten keine signifikanten Unterschiede im Verlauf des Gedächtnisabbaus festgestellt werden. Und das, obwohl Solanezumab in früheren Studienergebnissen berechtigten Anlass zur Hoffnung gegeben hatte. Jetzt scheint aber erwiesen, dass Solanezumab die kognitiven Funktionsverluste bei milder Alzheimer-Demenz nicht stoppen bzw. verlangsamen kann. Lechleiter dazu: „Wir werden die Auswirkung dieser unerwarteten Ergebnisse auf Solanezumab und die anderen Substanzen in unserer Alzheimer-Forschungs-Pipeline prüfen.“ Wie es mit dem monoklonalen Antikörper weiter gehe, sei noch unklar.

Wirkweise von Solanezumab

Bei Patienten mit Alzheimer-Demenz lagern sich Amyloid-Proteine im Gehirn ab. Die so entstehenden Plaques führen zu neuronaler Zerstörung mit demenzieller Symptomatik. Solanezumab bindet an lösliche Amyloide in Blut und Liquor. So sollen die Plaque-bedingten Alzheimer-typischen Beschwerden vermindert werden.

Die Amyloid-Ablagerung beginnt allerdings deutlich früher, als das Gedächtnis Probleme bereitet und Merkfähigkeitsstörungen auffallen. Im Stadium einer demenziellen Symptomatik erfolgt die Antikörper-Therapie mit Solanezumab deshalb möglicherweise verspätet. Sollte die Plaque-Theorie stimmen, könnten zumindest genetisch hoch prädisponierte Patienten von einer Solanezumab-Gabe profitieren. Einige Alzheimer-Wissenschaftler halten diese These jedoch für überholt und forschen deshalb an anderen medikamentösen Ansätzen. Auch Eli Lilly gibt sich in dieser Hinsicht offen. „Unser Portfolio beinhaltet noch andere vielversprechende Ansätze“, so Lechleiter.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 01.12.2016

Quelle:

Eli Lilly and Company, Presseportal

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