Neueinführung Tecentriq (Atezolizumab)

Neueinführung Tecentriq (Atezolizumab)

Zum 15. Oktober 2017 wird Tecentriq zur Behandlung des Urothelkarzinoms und des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses in den Markt eingeführt.

Was ist Tecentriq?

Tecentriq wird zur Behandlung des Urothelkarzinoms bei Patienten eingesetzt, bei denen zuvor ein Behandlungsversuch mit einer platinhaltigen Chemotherapie durchgeführt wurde, oder die für eine Behandlung mit Cisplatin als ungeeignet angesehen werden. Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) sollten zuerst eine Chemotherapie erhalten.
Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen oder ALK-positiven Tumormutationen sollten vor der Therapie mit Tecentriq bereits eine auf diese Mutationen zielgerichtete Therapie erhalten haben. Tecentriq enthält den Wirkstoff Atezolizumab.

Wie wird Tecentriq angewendet?

Die empfohlene Dosis von Tecentriq beträgt 1.200 mg. Die Dosis wird einmal alle drei Wochen intravenös verabreicht.

Wie wirkt Tecentriq?

Der Wirkstoff in Tecentriq, Atezolizumab, ist ein im Fc-Teil modifizierter, humanisierter monoklonaler Immunglobulin G1(IgG1)-Antikörper, der direkt an PD-L1 bindet und zu einer dualen Blockade der PD-1- und B7.1-Rezeptoren führt. Dadurch wird die PD-L1/PD-1-vermittelte Hemmung der Immunantwort aufgehoben, wobei die antitumorale Immunantwort reaktiviert wird, ohne dass eine Antikörper-induzierte zelluläre Zytotoxizität ausgelöst wird. Atezolizumab hat keinen Einfluss auf die PD-L2/PD-1-Interaktion, sodass die PD-L2/PD-1-vermittelten inhibitorischen Signale fortbestehen.

Welchen Nutzen hat Tecentriq in den Studien gezeigt?

Studienlage Urothelkarzinom

Bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom kam es unter der Behandlung mit Tecentriq nachweislich zu einer Tumorverkleinerung. In einer Studie bei 429 Patienten sprachen 23 % der Patienten, die für eine platinhaltige Chemotherapie als ungeeignet angesehen wurden, und 16 % der Patienten, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie erhalten hatten, auf die Behandlung mit Tecentriq.

IMvigor 211

Die IMvigor 211 – Studie ist eine randomisierte Studie an Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor mit Chemotherapie behandelt wurden. Es konnte gezeigt werden, dass Patienten, die Tecentriq erhielten, geringfügig länger lebten (8,6 Monate) als Patienten, die eine Chemotherapie erhielten (8 Monate). Allerdings könnte dieser Unterschied auf Zufall beruhen. Ein Ansprechen wurde sogar bei Patienten beobachtet, deren Krebs nicht viel PD-L1 produzierte.

Studienlage Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs

Bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs war die Behandlung mit Tecentriq im Hinblick auf die Verlängerung der Lebenszeit der Patienten nachweislich wirksamer als die Behandlung mit einem Vergleichsarzneimittel.

OAK Studie

In die randomisierte Phase III - Studie waren 1.225 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC unabhängig vom PD-L1-Status eingeschlossen worden, die vorher mit 1 bis 2 Chemotherapien behandelt worden waren, wovon eine Platin enthalten musste. 850 dieser Patienten wurden in die Primäranalyse zur Wirksamkeit eigeschlossen. Die Patienten, die Tecentriq erhielten, lebten im Durchschnitt 14 Monate während Patienten, die Docetaxel erhielten, im Durchschnitt 10 Monate lebten.
In einer zweiten Studie zu Lungenkrebs bei 287 Patienten wurden ähnliche Ergebnisse beobachtet. Hier lebten die mit Tecentriq behandelte Patienten im Durchschnitt 13 Monate, im Vergleich zu einer Lebensdauer von 10 Monaten von Patienten, die Docetaxel erhielten.

Welche Nebenwirkungen hat Tecentriq?

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Fatigue (35,4 %), verminderter Appetit (25,5 %), Übelkeit (22,9 %), Dyspnoe (21,8 %), Diarrhoe (18,6 %), Hautausschlag (18,6 %), Fieber (18,3 %), Erbrechen (15,0 %), Arthralgie (14,2 %), Asthenie (13,8 %) und Juckreiz (11,3 %).

tecentriq.pdf


Datum: 10.10.2017

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Quelle: Roche Pharma Ag, European Medicine Agency